Haßfurt
Energie

Strom vom eigenen Dach rechnet sich

Der Energieexperte Gunter Häcknerwarb bei einer Veranstaltung für den Eigenverbrauch von Sonnenstrom und stellte ein Modellprojekt vor.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Landkreis könnten noch sehr viel mehr Solarzellen auf Hausdächern Strom liefern.  Foto: Archiv
Im Landkreis könnten noch sehr viel mehr Solarzellen auf Hausdächern Strom liefern. Foto: Archiv
+3 Bilder
Heute schon, erklärte Gunter Häckner als Geschäftsführer der GUT (Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Landkreis Haßberge mbH), werden im Haßbergkreis über 54 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt. "Damit steht der Kreis sehr gut da." Aber der Energieexperte gibt sich mit dem Status quo nicht zufrieden. Zusammen mit dem Stadtwerk Haßfurt und den Stadtwerken Zeil hat die GUT ein Modell entwickelt, das praktisch alle Hausbesitzer anspricht, auf deren Dach noch keine Photovoltaikzellen liegen.

Der Grundgedanke: Aufgrund der günstig gewordenen Photovoltaik-Anlagen lässt sich Solarstrom vom eigenen Dach für weniger als die Hälfte des Einkaufspreises vom Stromversorger produzieren - je höher dabei der Eigenverbrauch, umso höher die Ersparnis.

Zum Einstieg gab es für die über 50 Besucher der Veranstaltung ein Schmankerl.
Anhand eines Video-Clips, das in fränkischer Mundart von Wilhelm Wolpert besprochen ist, konnte man sehen, wie "des Schörschla vom Kanapee aus sei Projektla plant und mit Hilfe der Solarexperten ümsetzt." Wie Norbert Zösch, der Chef des Haßfurter Stadtwerks, dazu anmerkte, empfiehlt er auch seiner ganzen Verwandtschaft das Modellprojekt. Das, fügte er hinzu, würde er ganz sicher nicht machen, wenn er nicht 100-prozentig davon überzeugt wäre.

Als technischer Kooperationspartner fungiert die Firma "greenergetic" aus Bielefeld. Deren zuständiger Mitarbeiter, Claus Wohlgemuth, referierte über die Theorie, schwerpunktmäßig aber vor allem über die praktischen Schritte zur eigenen Solaranlage. Durchschnittlich, so informierte er die Gäste, zahlt ein Verbraucher in Deutschland 29 Cent für die Kilowattstunde. Das ist der Grund dafür, dass eine neue Anlage umso wirtschaftlicher ist, je mehr man von dem erzeugten Strom selber verbraucht und dadurch nicht beziehen muss. Dabei spiele die Ausrichtung des Daches keine große Rolle mehr. Auch Ost-West-Dächer erwiesen sich als gut geeignet.

Inzwischen, so der Fachmann weiter, gebe es langjährige Erfahrungswerte mit der Photovoltaik. Die verbauten Module brächten nach 20 Jahren immer noch rund 90 Prozent der Anfangsleistung. Ihre Lebensdauer betrage voraussichtlich mehr als 30 Jahre. Wichtig sei auch, dass Kleinanlagen unter zehn Kilowatt-Peak von der EEG-Umlage befreit sind.

Auf Wunsch kann auch ein Stromspeicher eingebaut werden. Zu deren Wirtschaftlichkeit führte er aus, dass die Preise für die Speicher in den letzten Jahren schon um 30 bis 50 Prozent gesunken seien. Aber diese Entwicklung sei noch lange nicht abgeschlossen, die Preise werden weiter fallen, prognostizierte er. Zurzeit seien Speicher "bedingt wirtschaftlich", resümierte er. Aber die installierten Anlagen könnten zukünftig jederzeit nachgerüstet werden.

Für die anschließende Musterplanung stellte der Besucher Georg Hirschlach aus Prappach seine Echtdaten zur Verfügung. Anhand des Solarrechners konnte man nach wenigen Mausklicks unschwer erkennen, dass sich für den Prappacher eine Anlage auf jeden Fall lohnt. Um den größten finanziellen Vorteil zu erzielen, empfahl Wohlgemuth eine relativ kleine Anlage mit 15 Solarmodulen, obwohl auf dem Hausdach von Hirschlach weit mehr Platz wäre.

Der Kaufpreis für eine solche Anlage liege bei rund 6700 Euro. Wenn sich Hirschlach für die Pachtvariante entscheiden würde, müsste er monatlich 41 Euro bezahlen. Diese Pacht könnte er leicht durch seinen wirtschaftlichen Vorteil erzielen, der bei rund 46 Euro liege. Innerhalb von wenigen Wochen könnte die geplante Anlage durch einen heimischen Handwerksbetrieb installiert und in Betrieb genommen werden, sagte der Referent.

In der anschließenden Diskussion wollte ein Besucher wissen, ob eine zusätzliche Versicherung, etwa für Hagelschäden, erforderlich sei. Dazu erklärte Wohlgemuth, dass die Anlagen einen "normalen Sturm und Hagel" aushalten. Man sollte bei seiner Gebäudeversicherung nachfragen, welche Leistungen beinhaltet seien, und eventuell eine spezielle Elektronikversicherung für die Anlage abschließen. Im Brandfall, sagte er ergänzend, wüssten inzwischen die Feuerwehrleute, wie PV-Anlagen zu löschen sind und eine Blitzschutzanlage sei völlig überflüssig.






Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren