Haßfurt
Gericht

Statt 500 Euro zu zahlen, nimmt Angeklagter weiteren Prozess in Kauf

Ein 39-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht in Haßfurt wegen Unterschlagung verantworten. Der Prozessverlauf erstaunte auch die Richterin.
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Symbolbild: dpa
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Bevor der Angeklagte den Gerichtssaal in Haßfurt betritt, ist sein Parfüm schon in den Nasen der Anwesenden angekommen. Lässig schlendert der 39-jährige Mann aus dem Landkreis samt seinem Verteidiger in den Gerichtssaal. Von Aufregung keine Spur. Und auch am Ende bleibt der Angeklagte locker - und dem Staatsanwalt und der Richterin der Mund offen. Denn was sich am Freitagvormittag im Sitzungssaal 209 im Haßfurter Amtsgericht abspielt, lässt viele Fragen offen.

Vorgeworfen wird dem mehrfach vorbestraften Kraftfahrer Unterschlagung. Er habe laut Anklage beim Auszug aus seiner alten Wohnung in Haßfurt einen Elektroherd, einen Kühlschrank und eine Garderobe im Gesamtwert von 757 Euro mitgenommen, die Sachen gehörten dem Vermieter.

Doch das sieht der Angeklagte ganz anders. Seine Freunde hätten die Wohnung ausgeräumt, weil er noch arbeiten musste.
Die Freunde, einer wird später noch als Zeuge aussagen, hätten alles eingepackt. Als er wieder von der Arbeit kam, habe er dem Vermieter deutlich gemacht, was alles aus der Wohnung mitgenommen wurde: "Ich habe dem Vermieter den Inhalt des Umzugswagens mit allen Sachen gezeigt und gefragt, ob ich die Sachen haben kann."


Zwei Männer, zwei Versionen

Der Angeklagte beteuert, der Vermieter sei einverstanden gewesen. "Drei Monate später stand er vor meiner Tür mit einer Rechnung von 1500 Euro, die ich sofort zahlen sollte." Der Vermieter habe ihm gedroht, er werde ihn sonst anzeigen.

Dem wiederum widerspricht der Vermieter, der als Zeuge aussagt, vehement. Er habe mit seiner Frau, seiner Tochter, der Ex-Freundin des Angeklagten und dem Angeklagten selbst die Wohnung ausgeräumt. Erst später sei ihm aufgefallen, dass die drei Gegenstände nicht mehr in der Wohnung sind. "Ich habe den Angeklagten dann angerufen und er sagte mir, er werde alles bezahlen." Das aber sei nicht passiert.

Also hat sich der Vermieter, wie er sagt, auf die Suche nach dem 39-Jährigen machen müssen, weil er keine aktuelle Adresse von ihm hatte. "Dann habe ich ihm die Rechnung gezeigt und er wollte auf einmal nicht mehr bezahlen", erklärt der Vermieter. Dann schaltet sich wieder der Angeklagte ein: "Du musst schon die Wahrheit erzählen. So war das nicht." Und die beiden diskutieren heftig.

Richterin Ilona Conver bleibt lange geduldig, doch dann setzt sie dem Schlagabtausch ein Ende: "Diese Diskussion können Sie ein Haus weiter vor der Zivilabteilung führen." Hier aber finde nun ein Strafprozess statt.


Sachen zurückgeben

Letztlich könne sie nur empfehlen, dass sich Vermieter und Angeklagter "hier und heute" darauf einigen, dass der angeklagte den Kühlschrank und den Herd an den Vermieter zurückgibt und 500 Euro bezahlt. "Dann aber ist die Sache vom Tisch und wird auch nicht zivilrechtlich weiterverfolgt", so Conver.

Die Staatsanwaltschaft ist einverstanden. Doch dann schaltet sich der Verteidiger des Angeklagten ein. "Dass das Amtsgericht immer versucht, Zivilprozesse zu vermeiden, kann ich nicht verstehen", sagt er und schüttelt mit dem Kopf. "Ich bin damit nicht einverstanden." Der Vertreter der Staatsanwaltschaft gibt nun noch dem Angeklagten die Möglichkeit, eine "eigene Entscheidung" zu treffen und den "vernünftigen Vorschlag der Richterin" anzunehmen.
Der 39-Jährige zögert kurz, sagt dann aber: "Ich weiß nicht. Ich lege das in die Hände meines Anwalts, der ist kompetent."

Ungläubige Blicke werden ausgetauscht. "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied", sagt Ilona Conver. Der Angeklagte soll nun innerhalb von vier Wochen den Kühlschrank und den Elektroherd zurückgeben und 200 Euro an die Haßfurter Tafeln zahlen, dann wird das Strafverfahren eingestellt. So lautet die Auflage des Gerichts.
"Sie können sich ja dann beim Zivilprozess um jedes Blatt Klopapier streiten, die Anwälte wird es freuen", sagt Ilona Conver zum Abschied.

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