Ibind
Brauch

Stärk' auch für Frauen

Der Dreikönigstag ist ein traditioneller Tag, um die Reserven für das neue Jahr zu füllen. Mit süffigem Spezialbräu wappnen sich Männer und Frauen rund um Ebern für ein gesundes, neues Jahr. Das "Stärk' antrinken" gibt es schon lange.
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"Stärk' antrinken" ist nicht nur Männersache: Verena (links) und ihre Oma und Seniorchefin Christa Rädlein stoßen heute auch an und wappnen sich mit einem starken Tropfen gegen Krankheit und Unheil im neuen Jahr. Die Wurzeln dieses Brauchtums liegen in der vorchristlichen Zeit.  Foto: Johanna Eckert
"Stärk' antrinken" ist nicht nur Männersache: Verena (links) und ihre Oma und Seniorchefin Christa Rädlein stoßen heute auch an und wappnen sich mit einem starken Tropfen gegen Krankheit und Unheil im neuen Jahr. Die Wurzeln dieses Brauchtums liegen in der vorchristlichen Zeit. Foto: Johanna Eckert
Wenn es ums Bier geht, scheinen die Franken keine Grenzen zu kennen. Denn eine Biertradition, die eher in Oberfranken verbreitet ist, wird heute am Dreikönigstag auch im unterfränkischen Landkreis Haßberge praktiziert: "Stärk' antrinken", wie es im Volksmund heißt. "Ein mancher nimmt das auch wirklich ganz wörtlich", schmunzelt die Seniorwirtin Christa Rädlein aus Ibind und knipst die Lichter im historischen "Iwinner Tunnelsaal" an.
Seit fast zehn Jahren schon kann man sich im Wirtshaus ihrer Familie mit süffigem Gerstensaft für das bevorstehende Jahr kräftig wappnen. Und das "man" muss in diesem Fall wirklich ganz genau genommen werden. "Früher durften das nur die Männer.
Seit etwa 20 Jahren gibt's das auch für die Frauen", erzählt Gastwirt Uwe Rädlein über den alten Brauchtum des Stärk' antrinken, "die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern hat also auch beim Biertrinken Einzug gefunden." Uwe Rädlein lacht und findet das gut so.
Aber was steckt eigentlich hinter dieser rustikalen Tradition zu Beginn des neuen Jahres? "Keltische Wurzeln", lehrt dem Biertrinker ein Besuch im Brauereimuseum in Kulmbach. In der vorchristlichen Zeit war der Glaube weit verbreitet, dass in den Raunächten zum Jahreswechsel allerlei Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Um diese zu verscheuchen, haben sich die Menschen Mut und Kraft angetrunken.
Daraus entstand die Tradition, am Vorabend des 6. Januars, der bis 1691 den Beginn des neuen Jahres markierte, aus einem Spezialgebräu Kraftreserven zu schöpfen. Früher feierten die Menschen an diesem Tag das Neujahrsfest, deshalb heißt es in Franken heute noch "Großneujahr", "Hochneujahr" oder "Öberschder". In geselliger Runde die Stärk' antrinken tun sich die meisten Franken im Landkreis aber nicht am Vorabend, sondern am Dreikönigstag selbst.

"Für jeden Monat ein Seidla"

Damit sie auch ein ganzes Jahr hält, sollte man für jeden Monat des Jahres ein "Seidla vom Bock" trinken. Unter den "Starken", die sich heute auf den Weg machen, ist diese Überlieferung bekannt. "Ein mancher kommt dann nicht mehr so leicht aus der Tür raus, aber mit einer Sauferei hat das nichts zu tun", weiß Christa Rädlein aus den letzten Jahren. Und die zwölf Bier würden auch überhaupt nicht ausreichen, um Geister und Dämonen zu vertreiben. Höchstens um ein Haus zu bauen, gesund zu bleiben, den beruflichen Anstrengungen gerecht zu werden und ausreichend Kraft für die Familie zu haben, so meinen die, die sich heute "stark" trinken wollen.
Ermershausen, Ibind, Mürsbach oder Höchstädten - an vielen kleinen Orten wird in geselliger Runde auf ein kräftiges neues Jahr und wider Gefahren, Krankheiten und Widrigkeiten angestoßen. Im Brauhaus in Höchstädten bereits schon zum dritten Jahr in Folge: "Wir haben nach einer Tradition gesucht, die zu uns in Brauhaus passt", meint dort der Hobbybrauer Jochen Zürl.
Ein spezielles Bier läuft bei ihm und seinem Team heute aber nicht in den Krug: "Bei uns gibt es Hausbrauerbier. Vom Alkoholgehalt schwach, aber vom Geschmack stark."

Einfache Speisen

In der Gastwirtschaft der Familie Rädlein in Ibind steht die Seniorchefin schon seit Tagen am Küchenherd. "Besonders einfache Speisen bieten wir an diesem Tag", sagt Uwe Rädlein. Was Männern und Frauen nach einer Wanderung gerade so schmeckt. Denn im Wandern stecken die Wurzeln des Stärk' antrinken in der Marktgemeinde Burgpreppach: "An diesem Tag wurde früher ein Internationaler-Volkssportverband-Wandertag veranstaltet. Danach haben sich alle in der Sporthalle zum Essen und Trinken getroffen", kann sich Gastwirt Rädlein erinnern.
"Gefragt" seien derartige Veranstaltungen, wie Rädlein sie an diesem Tag im Wirtshaus bietet. "Die Leute suchen etwas Besonderes mit Tradition. Unser Saal wird mit 150 Leuten sicherlich wieder überquellen." Uwe Rädlein unterhält seine Gäste mit Gesang, Tochter Verena spielt "Quetschn".

Gegen die Widrigkeiten

Die Stärk' kommt mit Bockbier aus dem Fass oder aus der Flasche mit Eisbock. Rein zufällig ist diese Sorte von Kraftstoff um 1890 entstanden. Im Gegensatz zur Tradition: Mit der ist der Franke nicht rein zufällig verwurzelt und deshalb trinkt er am Dreikönigstag, um gegen alles Unheil und Widrigkeiten des kommenden Jahres stark zu sein.
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