Memmelsdorf
Ausstellung

So viele Kaffeekannen sind die Schau

Olga Jakelski aus Memmelsdorf sammelt leidenschaftlich Kaffeekannen. Jetzt hat sie all ihr Porzellan für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt.
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Neugierig begutachten hier Helga Baetz (links) und Willi Kreller (rechts) zusammen mit Olga Jakelski die größte Kanne der Sammlung, die aus der ehemaligen DDR stammt udn zwei Liter fasst.  Fotos: Helmut Will
Neugierig begutachten hier Helga Baetz (links) und Willi Kreller (rechts) zusammen mit Olga Jakelski die größte Kanne der Sammlung, die aus der ehemaligen DDR stammt udn zwei Liter fasst. Fotos: Helmut Will
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Wären alle 264 Kaffeekannen, die am Sonntagnachmittag im Präckleinhaus in Memmelsdorf ausgestellt waren, gefüllt gewesen, hätten etwa 1400 Personen eine Tasse Kaffee trinken können. Sammlerin Olga Jakelski aus Memmelsdorf hatte dem örtlichen SPD-Ortsverein ihre Kaffeekannensammlung zur Verfügung gestellt.
Zahlreich, wie die ausgestellten Exponate, waren auch Besucher erschienen, um das eine oder andere Tässchen Kaffee, Kuchen und Torten, inmitten der unterschiedlichen Kaffeekannen zu genießen, sodass die vorhandenen Plätze zur "Kaffeerunde" gut besetzt waren, ja sogar im Flur Sitzgelegenheiten aufgebaut werden mussten.


Die Anfänge

"Ich war einmal am Bauhof, als jemand Geschirr abgeliefert hat, darunter auch Kaffeekannen. Die haben mich gereut und ich fragte, ob ich die mit nach Hause nehmen kann", sagt Olga Jakelski.
Das war vor etwas mehr als zehn Jahren und damit war ihre Sammelleidenschaft geweckt.

Es habe sich schnell herumgesprochen, dass Frau Jakelski Kaffeekannen sammelt. "Es kamen einfach Leute aus dem Dorf vorbei und haben mir Kannen gebracht, die sie offensichtlich nicht mehr haben wollten", erzählt die 77-Jährige. Sie sagt in ihrem fränkischen Dialekt: "Na ja, ich hab halt einfach mei Fräd an dem Sammeln und da sen des halt immer mehr wurn."

Im Wohnzimmer und in der Küche bei ihr zu Hause seien die Wände mit den Kannen "gepflastert." "Mei Günter hat mir da Bretter an die Wend gemacht, wo die Kanna drauf stehn." Verpacken und irgendwo einlagern würde sie ihre Kaffeekannen nicht. "Die soll mer ja seh."
Dass die Kannen im Hause von Olga und Günter Jakelski jetzt fehlen, da sie nun im Präckleinhaus sind, ist offenkundig. "Mei Ma sagt jetzt sen die Wänd ganz schön leer." Olga lacht und sagt: "Sogar im Thermalbad in Bad Rodach hat mir jemand aus der früheren DDR Kannen geschenkt."


Besondere Schätze

Ein Service ist ihr besonders wichtig und zwar das, welches ihre Mutter, die im Jahr 1900 geboren und 1914 konfirmiert wurde, zur Konfirmation als Geschenk erhalten hatte. Olga geht zwischen den Besuchern an ein Fenster und greift nach einem Untersetzer, hält diesen vor die Brust. "Berta Diem", ist auf diesem goldverziertem Untersetzer zu lesen. Dieses Service, so meint Olga Jakelski, sei das älteste Exponat ihrer Sammlung. "Ob wertvolle Kannen dabei sind, kann ich gar nicht sagen, das ist mir eigentlich egal", sagt die Seniorin. So zweimal im Jahr werden die Kannen im Hause Jakelski "durchgespült." Hilft ihr Mann Günter da mit? Olga setzt einen Blick auf, der die Antwort gibt und wohl mit "nein" zu deuten ist.

Den Ausspruch: "Ach Gott Olga, du bist doch verrückt", habe sie schon mehrmals gehört wenn Bekannte erstmals in ihr Haus kommen und die vielen Kannen sehen. Der selbstbewussten Rentnerin sind die Meinungen anderer zu ihrer Sammelleidenschaft völlig egal. "Wem's nicht passt, der muss net hinguck", sagt sie.


Vom Interesse überrascht

Vom Besuch an diesem Sonntagnachmittag ist die Rentnerin überrascht. "Nie hätt ich gedacht, dass so viel Leut kumma." Aber sie freut sich, dass ihre Kaffeekannen offensichtlich so viele Leute angelockt haben. "Allein wegen dem Kaffee und den Kuchen sen die bestimmt net kumma, des ham die ach zu Haus", lacht Olga. Sie freut sich weiter, dass auch "unser Bürgermester" da ist und dass die Frauen von der SPD alles so schön aufgebaut haben.

Der "Bürgermester" Helmut Dietz sitzt mit seiner Frau Ingrid am Kaffeetisch. "Ich bin von der Vielfalt der Exponate überrascht", sagt der Gemeindechef und fährt fort: "Es ist doch schön wenn Menschen, und auch vor allem ältere in unserer Gemeinde, sich mit solchen Sachen abgeben und noch Freude daran haben. Dass so was ankommt, zeigt der Besuch und das Interesse, was wir heute sehen können."

Auch SPD-Ortsvorsitzender Manfred Michel strahlt über beide Ohren: "Die Olga hat mit ihren Kannen für ein volles Haus gesorgt." Die so gelobte wird dabei etwas verlegen, ist aber natürlich schon etwas stolz auf das große Interesse an ihren Kaffeekannen.
Und, wer bekommt denn diese Sammlung einmal? "Na, ich hab doch Kinner und Enkelkinner, die könna sich des getäl und wenn sa kanner will, solln sa damit machen was sa wolln, wenn ich nemmer da bin."
Ihr Mann Günter hört im Hintergrund mit. "Na irgendwas muss mei Fra ja a treib und wenn des Sammeln ihr gfällt, dann soll sie des halt mach." Ihre Kaffeekannen waren an diesem Tag jedenfalls "der Renner."

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