Eltmann
Fackelwanderung

So kam das Wasser auf die Burg

Aufregende Aktion und geschichtliches Wissen verband der Verein für Heimatgeschichte in Eltmann mit einer Tour.
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Auf dem Eselsweg zogen Eltmanner Kinder und ihre Eltern bei der heimatgeschichtlichen Fackelwanderung zur Wallburg. Im Hintergrund rechts erleuchtet der Eselsbrunnen. Fotos: Sabine Weinbeer
Auf dem Eselsweg zogen Eltmanner Kinder und ihre Eltern bei der heimatgeschichtlichen Fackelwanderung zur Wallburg. Im Hintergrund rechts erleuchtet der Eselsbrunnen. Fotos: Sabine Weinbeer
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Eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit bescherte der Verein für Heimatgeschichte Eltmann den rund 60 Teilnehmern an der Fackelwanderung vom Eselsbrunnen zur Wallburg. Viele Familien mit Kindern liefen mit, und alle Teilnehmer erfuhren spannende Details rund um die Wallburg.

Deren Wasserversorgung stand im Mittelpunkt. Während die meisten Privathäuser im Landkreis ihren offiziellen Anschluss an eine Wasserleitung erst im 20. Jahrhundert erhielten, hatte die Wallburg schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts eine Wasserleitung von der Kalkofen-Quelle.


Zerstörung durch die Schweden

Doch die Schweden belagerten die Burg. Sie zerstörten die Wasserzufuhr, erzählte Museumsleiter Willi Lediger. Nach dem Schwedenkrieg entsannen sich die Bewohner der Wallburg der Quelle, die nicht weit entfernt lag. Mit Eseln holten sie von dort das Wasser - der Name "Eselsbrunnen" war geboren. Er liegt heute an der Wallburg-Straße. Später wurde von hier aus eine neue Wasserleitung gebaut.

Wer nun am Eselsbrunnen steht und zur Wallburg blickt, meint, das Wasser hätte aufwärts fließen müssen, doch das Wasser konnte im freien Gefälle dem Brunnen der Burg zugeleitet werden, die Leitung musste nicht den Wall der Burg überwinden. Auch Kenntnisse, die seit dem Altertum selbstverständlich waren, frischte Lediger auf, nämlich dass die Wasserleitung in Eltmann die gleiche Neigung hatte, wie die Wasserleitungen in Rom: "Drei Promille Gefälle, das funktioniert überall auf der Welt und seit Jahrtausenden", erklärte er.


Eigene Bohrversuche

Um zu zeigen, wie damals eine Wasserleitung entstand, hatte der Vorsitzende Reiner Reitz einen praktischen Versuch aufgebaut. Mit vereinten Kräften bohrten die Teilnehmer mit einem historischen Wasserleitungs-Bohrer in einen Nadelholzstamm eine Röhre. Beeindruckend! Perfekt ließ sich die Röhre in den Stamm fräsen. Doch das war anstrengend. Einst brauchte es viele Röhren für die mehrere hundert Meter lange Leitung vom Eselsbrunnen zur Wallburg.

Stilecht mit Esel "Muli" der Familie Hofmann aus Eschenbach ging es im Fackelzug auf dem "Eselsweg" zur Wallburg, um den Wall herum und in den früheren Schlosshof. Viel Wissenswertes hatte Willi Lediger unterwegs noch zu berichten, und bei Glühwein und Stockbrot hatten Erwachsene wie Kinder viel Gesprächsstoff. Herzlich dankten sie den Aktiven des Vereins für Heimatgeschichte für diesen interessanten Abend zwischen den Jahren.
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