Zeil am Main
Siebenertag

Siebener im Kreis Haßberge stehen für Tradition und Heimat

Über 700 Feldgeschworene aus dem Kreis Haßberge trafen sich in Zeil zur Tagung. Die volle Tuchanger-Sporthalle stellte ein machtvolles Bekenntnis zur langen Geschichte der Marker dar. Verdiente Mitglieder wurden ausgezeichnet und neue Siebener legten den Eid auf ihre neue Arbeit ab.
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Die neuen Siebener legten den Eid ab.
Die neuen Siebener legten den Eid ab.
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Sie sind "Hüter der Grenzen" sowie "wichtige Pfeiler in unseren Gemeinden und Dörfern": die 1031 Feldgeschworenen im Landkreis Haßberge. Sie kamen am Samstag zu ihrer Jahrestagung in der Tuchanger-Sporthalle in Zeil zusammen. Politiker und Behördenvertreter würdigten die Arbeit der Siebener, wie die Feldgeschworenen auch genannt werden.

Amt und Ehrenamt

Angesichts der technischen Entwicklung mit digitalisierten Landkarten und millimetergenauen Ortungsmöglichkeiten sind die Siebener heute eigentlich nicht mehr nötig, um Grenzangelegenheiten zu regeln. Das können die Vermessungsämter, und sie sind laut Gesetz dazu auch berechtigt.
Bei strittigen Grenzfragen sind ohnehin die Behörden allein entscheidungsbefugt.

Dennoch verzichten die Vermessungsämter nicht auf die ehrenamtlich tätigen Feldgeschworenen, weil die die Ortskenntnisse haben und den Menschen in den Dörfern nahe sind. Auf deren Wissen wollen die Behörden nicht verzichten. Und auf deren Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht.

In Bayern gibt es laut Landrat Wilhelm Schneider (CSU) rund 21 000 Feldgeschworene, davon 14 500 in Franken. Mit 1031 Siebenern ist der Landkreis Haßberge derzeit der größte Kreisverband für die Marker in ganz Bayern. "Das zeigt, dass wir eben ein ganz besonders traditionsbewusster Landkreis sind", sagte Schneider vor den rund 700 Feldgeschworenen in Zeil. Die Tätigkeit der Siebener erfordere nicht nur ausgezeichnete Ortskenntnisse, sondern auch "ein großes Maß an Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick". Schneider würdigte den ehrenamtlichen Einsatz und die Vertrauenswürdigkeit der Siebener. "Heute noch zählen Verschwiegenheit, Sorgfalt und Zuverlässigkeit zu den Kriterien, die ein Feldgeschworener erfüllen sollte. Ihre Arbeit ist trotz aller Technik unverzichtbar", betonte der Landrat, der in Zeil langjährige Feldgeschworene ehrte und die neuen Siebener vereidigte. Siebener seien "Hüter der Grenzen" und "wichtige Pfeiler in unseren Gemeinden und Dörfern", fasste Wilhelm Schneider zusammen.

Der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (CSU, Theres) ergänzte, das Land brauche die Siebener trotz der Digitalisierung. "Das ist Tradition, das ist Heimat", sagte er. Vogel versicherte, dass er an der Tradition der Feldgeschworenen festhalten werde.

Tausende von Grenzsteinen

Ottmar Porzelt, der Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung Unterfranken (Würzburg), würdigte die Siebener als "Teil eines funktionierenden Gemeinschaftslebens". Die Arbeit sei vielfältig, weil es mitunter Tausende von Grenzsteinen bei Verfahren zur Dorferneuerung oder zur Feldflurbereinigung zu setzen gebe.

Wendelin Jooß (Geusfeld), der Kreisobmann der Siebener, schätzt, dass die Feldgeschworenen im Landkreis im Jahr zu rund 350 Einsätzen ausrücken. Manche Siebener würden überhaupt nicht gefordert, andere dagegen stark. Das kommt darauf an, wo und wann Grenzen gezogen, verändert oder gesucht werden.

Feldgeschworener ist ein Ehrenamt auf Lebenszeit. Das gilt allerdings nicht für die Obleute. Ihre Amtszeit ähnelt der eines ehrenamtlichen Bürgermeisters. Sie sind solange im Amt, wie sie gewählt sind. Ein Siebener kann ein Ehrenamt auch zurückgeben, wie Gerhard Hartmann, der Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt, auf Anfrage unserer Zeitung erläuterte. Das geht auf zweierlei Art: Der Siebener kann das Amt komplett zurückgeben, oder er kann aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

Einer, der sein Amt zurückgegeben hat, ist der Zeiler Otto Pottler. Er wurde bei der Tagung in Zeil zum Ehren-Feldgeschworenen ernannt. Das tat Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD). Pottler, der eine Zeitlang auch als Obmann tätig war, ist der erste Ehren-Siebener in Zeil.

Ehrung und Vereidigung

Beim Siebenertag am Samstag in Zeil wurden langjährige Feldgeschworene geehrt. Sie erhielten Urkunden für 25 Jahre, 40 Jahre oder 50 Jahre Tätigkeit. Ferner wurden die neuen Siebener vereidigt.

25 Jahre sind dabei: Wendelin Volk (Dampfach), Gerhard Kettler (Friesenhausen), Klaus Sinner (Königsberg), Josef Kneuer (Kraisdorf), Paul Tröster (Lembach), Alfred Schwab (Nassach), Richard Konrad (Pfarrweisach), Bernhard Schmitt (Reutersbrunn), Gosbert Krines (Sand), Franz Schramm (Roßstadt), Helmut Bayer, Peter Neff (beide Theinheim), Ewald Häring (Unterschwappach), Walter Stappenacher (Unterschleichach), Alois Jäger (Vorbach) und Paul Wacker (Westheim).

40 Jahre sind dabei: Josef Mantel, Albin Müller (beide Goßmannsdorf), Erwin Hauck (Lichtenstein), Gerhard Häpp (Nassach), Emil Gundelach (Kimmelsbach).

50 Jahre wirken mit: Herbert Angermüller (Heubach), Andreas Kronwitter (Neuschleichach), Rudolf Bickel (Prölsdorf), Erwin Schad (Schönbrunn) sowie Lothar Vogt (Unterschwappach) und Alois Firsching (Wonfurt).

Vereidigung: Neue Siebener sind Siegfried Bendel (Augsfeld), Arno Oppel (Prappach), Maximilian Rahm (Zeil), Sebastian Schick, Maximilian Martin (beide Ziegelanger), Georg Seubert (Untertheres), Alexander Mahr (Obertheres), Norbert Wirth, Marco Stretz (beide Wustviel), Thilo Huppmann, Manfred Müller (beide Bramberg), Klaus Schad (Fierst), Rainer Denninger (Fischbach), Berthold Angermüller (Heubach), Mario Limpert (Jesserndorf), Gerhard Eller, Joachim Miener (beide Kraisdorf), Ingo Lurz (Lohr-Römmelsdorf), Wilhelm Lutz (Lohr-Römmelsdorf), Andreas Dietz (Lohr-Römmelsdorf), Frederik Jünger (Lohr-Römmelsdorf), Arnold Mühlfelder (Sand), Hilmar Dötschel (Dürrenried), Gerald Hennig, Florian Mildenberger, Siegfried Schubert (alle Maroldsweisach), Gerhard Schmul, Danny Bähr, Eckart Dautel, Friedrich Grüner, Siegfried Zwanziger (alle Marbach), Thomas Eisentraut, Jutta Neuner (beide Wasmuthhausen), Tobias Schmitt (Ostheim), Viktor Michel (Reckertshausen), Frank Leidner (Friesenhausen), Uwe Räth (Gemeinfeld) sowie Klaus Klopf (Stöckach) und Christian Wagner (Eschenau). In Klammern steht immer die Gemarkung, in der die neuen Feldgeschworenen tätig sein werden. Meistens überschneidet sich die Gemarkung jedoch mit dem Ort.

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