Haßfurt
Auszeichnungen

"Sie waren die Helfer in der Not"

26 Angehörige des Technischen Hilfswerks und der Unternehmer Jürgen Mielke erhielten die Bundes-Fluthilfemedaille. Sie hatten sich bei der Hochwasser-Katastrophe im vergangenen Jahr engagiert.
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Deggendorf im Juni letzten Jahres: Helfer evakuieren eine Bewohnerin eines vom Hochwasser eingeschlossenen Hauses. Bei Einsätzen wie diesem waren die THW-Angehörigen des Landkreises im Einsatz. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Deggendorf im Juni letzten Jahres: Helfer evakuieren eine Bewohnerin eines vom Hochwasser eingeschlossenen Hauses. Bei Einsätzen wie diesem waren die THW-Angehörigen des Landkreises im Einsatz. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
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Als "Helfer in der Not, hier und in Passau", würdigte Landrat Wilhelm Schneider am Dienstag 26 THW-Helfer aus dem Landkreis Haßberge. Schneider erinnerte an die Hochwasser-Katastrophe vor einem guten Jahr und überreichte die vom Bundesinnenministerium ausgelobte Bundes-Fluthilfemedaille als Anerkennung. Die Auszeichnung erhielt zudem als einziger nicht THW-Angehöriger außerdem Jürgen Mielke. Der Chef der Firma Atlas-Becker hatte während des Hochwassereinsatzes im August 2013 kostenlos Baumaschinen zur Verfügung gestellt.

"Ich hatte schon fast vergessen, dass ich damals geholfen habe, aber ich werde es wieder tun", zeigte Mielke sich überrascht über die Auszeichnung. "Dass die Ehrung jetzt erst erfolgt, bedeutet keine Geringschätzung, sondern entspricht unserer Prioritätensetzung", so Geschäftsführer Curt Mohr.
Zunächst gehe es beim THW um den Einsatz, die schnelle Hilfe, dann gelte es, die Einsatzbereitschaft des THW wieder herzustellen, Liegengebliebenes am Arbeitsplatz und auch im Privaten aufzuarbeiten "und dann muss natürlich auch die Anerkennung ihren Platz haben", so Mohr. Das umso mehr, als das THW künftig eher mehr als weniger gefordert sein wird, denn "die Jahrhunderte werden kürzer" meinte er im Blick auf die so genannten "Jahrhunderthochwässer". Zu den Naturkatastrophen kämen Gefahren durch terroristische Anschläge, Seuchen, Epidemien oder menschliches Versagen. Die Helfer des THW würden sich laufend auf solche Situationen vorbereiten, um dann selbstlos und schnell helfen zu können.

Freiwillige für Bosnien

Für diese Einsatzbereitschaft dankte auch Haßfurts Bürgermeister Günther Werner. "Als Augsfelder fahre ich ja täglich hier vorbei und sehe, wie aktiv das THW ist", erklärte Werner, der auch selbst schon hier Sandsäcke füllte, wie der Vorsitzende des Ortsverbandes Christian Günther feststellte.

"Wir brauchen Menschen, die solidarisch denken und Gemeinsinn beweisen", betonte Landrat Schneider. Wie ausgeprägt dieser Gemeinsinn gerade im Ortsverband Haßfurt ist, habe sich auch kürzlich wieder gezeigt, als das THW Hilfskontingente für die Flutkatastrophe in Bosnien-Herzegowina suchte. 15 Haßfurter Helfer erklärten sich bereit, 14 Tage lang dort zu helfen, wurden dann jedoch nicht angefordert.

Christian Günther und seine Mitstreiter nutzten die Gelegenheit, Landrat und Bürgermeister bei einem Rundgang über das THW-Gelände über die technische Ausrüstung und die Einsatzmöglichkeiten zu informieren. Das THW ist im Landkreis in die Alarmierungspläne eingebunden und unterstützt die übrigen Hilfsorganisationen wie Feuerwehren, Wasserwacht oder Rotes Kreuz. Die Kosten dafür trägt der Bund, allerdings verwies Christian Günther auf die knapp kalkulierte Finanzierung, vor allem was die Liegenschaftsverwaltung betrifft. Einige Ausrüstungsgegenstände wie die Boote oder ein Transport-Lkw werden auch vom Landkreis finanziert.

Die gute technische Ausstattung des Ortsverbandes Haßfurt ist auch den engagierten Helfern zu verdanken. So konnte der Ortsverband aus dem Überschwemmungsgebiet in Passau zwei große Stromaggregate mitnehmen, die für die betroffene Firma nur noch Schrottwert hatten. Das Stadtwerk Haßfurt übernahm den symbolischen Kaufpreis und die Ersatzteile, während die Spezialisten vom THW zunächst das kleinere Aggregat bis zur kleinsten Schraube zerlegten, säuberten, defekte Teile ersetzten, wieder zusammenschraubten und schlussendlich in THW-blau lackierten.

Altes Aggregat funktionstüchtig

So besitzt der Ortsverband jetzt ein voll funktionstüchtiges 40kv/a-Aggregat, das gebraucht um die 15 000 Euro gekostet hätte. Im Einsatz bringt dieses nun ein Vielfaches an Leistung "und vor allem muss nicht ein Elektrofachmann ständig nachregulieren, sondern die Bedienung der Pumpen kann auch durch einen einschlägig unterwiesenen Helfer erfolgen", so Sebastian Böhm, der als Elektriker in den letzten Monaten viel Freizeit in dieses Aggregat steckte. Ebenso Peter Friedrich, der es andererseits kaum erwarten kann, sich auch an das wesentlich größere Aggregat zu machen, das in der gegenüberliegenden Halle noch auf seine Sanierung wartet.

Mit der Bundes-Fluthilfemedaille wurden jetzt ausgezeichnet:

Sebastian Böhm, Andre Borschert, Michael Fridrich, Peter Friedrich, Marco Fritsch, Christian Günther, Paul Hochrein, Martin Jung, Reinhard Kuhla, Manuel März, Michael Markert, Tobias Marquardt, Nikolai Menna, Martin Mittelstädt, Fabian Neeb, Florian Ofner, Jörg Rottenberg, Jonas Schierling, Maximilian Schnös, Christian Schwert, Maik Seidel, Christopher Seyfried, Hubert Steigmeier, Dominik Then, Michael Trapp und Matthias Viernekäs sowie Jürgen Mielke.



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