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Haßfurt
Akutgeriatrie

Sie stellen sich dem Thema Alter

Am "Tag der offenen Tür" informierten sich Besucher über die Akutgeriatrie der Haßberg-Kliniken. Haßfurt ist Altersklinik.
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Die pflegerische Leiterin Waltraud Schraudner zeigte Landrat Wilhelm Schneider die verschiedenen Stationen. Auch er durfte einmal die Speisen probieren, die gegen Mangelernährung helfen sollen.
Die pflegerische Leiterin Waltraud Schraudner zeigte Landrat Wilhelm Schneider die verschiedenen Stationen. Auch er durfte einmal die Speisen probieren, die gegen Mangelernährung helfen sollen.
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"Wir haben als kleine Gruppe begonnen und in zwei Jahren in unendlich vielen Gesprächen und Absprachen eine gut funktionierende Organisation geschaffen", sagte Frank Schröder, der Chefarzt der 2014 gegründeten Akutgeriatrie. Das Ziel seiner Abteilung: Selbstständigkeit der Patienten bis ins hohe Alter erhalten. Während jüngere Menschen nach einer Behandlung im Krankenhaus schneller wieder in den Alltag zurückfinden, dauert es bei alten Patienten länger und geht oft nicht ohne Hilfe.


Interdisziplinäres Team

Bei der Geriatrie, also der Altersmedizin, handelt es sich also nicht um eine eigene Facharztausbildung, sondern um eine Zusatzqualifikation, die Ärzte erwerben können. In Haßfurt arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtung zusammen. Chefarzt Schröder ist Facharzt für Innere Medizin. Mit dem Chefarzt der Unfallchirurgie, Michael Uhl, und der Psychiaterin Blanka Hauser stellte er beim Aktionstag in Vorträgen die Ziele der Akutgeriatrie vor. An Stationen konnten sich die Besucher selbst ein Bild von der Station machen.

Schröder berichtete von einem rasanten Anstieg an älteren Menschen. "Darauf müssen wir als Krankenhaus eine Antwort finden." Im Alter sind Heilungsprozesse schwieriger als bei jüngeren Menschen. Was die Situation erschwert, ist, dass hier oft eine Vielzahl von Leiden zusammenspielt.


Verzahnung der Abteilungen ist wichtig

Ein anschauliches Beispiel brachte der Orthopäde Uhl, der einen Beinbruch einer etwa 30-jährigen Patientin mit dem einer über 80-Jährigen verglich. Während bei der jungen Frau nur der gebrochenen Knochen zu behandeln sei, komme bei der alten Patientin Erkrankungen hinzu, von der Herzmuskelschwäche über eine Parkinson-Erkrankung bis hin zur Demenz. Da die Zahl an älteren Patienten in der Unfallchirurgie zunehme, sei die zunehmende Verzahnung der chirurgischen und geriatrischen Versorgung nötig.

Dass Patienten der Geriatrie nicht hilflose Menschen sind, verdeutlichte Schröder mit einem Bild der gealterten "Rolling Stones". Ihr Konzertveranstalter engagierte schon 2006 einen Geriater als Begleitarzt. "Unsere Patienten sind cool", sagte Schröder und zitierte aus der Begründung des Veranstalters: "Die Band ist keineswegs senil, aber es ist sicherlich gut, einen Spezialisten zu haben, der sich mit Stürzen nicht mehr ganz junger Menschen auskennt."

Psychiaterin Blanka Hauser ging auf die psychischen Aspekte des Älterwerdens ein. "Was nützt die neue Hüfte, wenn der Patient zu depressiv ist, um damit aufzustehen?", fasste sie das große Problem zusammen. Denn gerade im Alter haben viele Patienten mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen. Um die Thematik zu veranschaulichen zeigte sie Bilder, die psychisch Kranke malten und so ihre Gedanken und Gefühle veranschaulichten.


Zertifiziertes Alterstraumazentrum

Landrat Wilhelm Schneider bezeichnete die Mitarbeiter der Akutgeriatrie als den "verlängerten Arm der anderen Fachabteilungen, insbesondere der Unfallchirurgie". Weiter sagte er: "Diese haben Sie sich konsequenterweise zertifizieren lassen", denn mittlerweile gibt es in der Kreisstadt ein von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziertes Alterstraumazentrum. Schneider betonte, dass der Laie oft an typische Probleme älterer Patienten gar nicht denke. Als Beispiel nannte er die Mangelernährung. "Wir als Krankenhausträger glauben, dass wir im Konzert der großen Kliniken im Bereich der Altersmedizin gut mithalten können", sagte der Landrat: "Hier geht der Patient nicht verloren."

Die Mangelernährung spielte auch an einer der Stationen eine Rolle. Unter dem Titel "Nein, meine Suppe esse ich nicht!" stellten zwei Krankenschwestern Speisen vor, bei denen schon geringe Mengen viele wichtige Nährstoffe enthalten. Schmeckte gar nicht so schlecht. Am Checkpoint Diabetes konnten die Gäste ihre eigenen Zuckerwerte überprüfen lassen, außerdem hatten sie die Möglichkeit ein Patientenzimmer zu besichtigen, oder sich über Knie- und Hüftprothesen zu informieren.

Auch die Räume der Physiotherapie standen offen: Hier zeigte sich, dass das Gehen mit einem Rollator geübt sein will. Trainingsgeräte mit Fahrradpedalen für die Beinmuskeln gab es zu sehen. Darauf trat Klinikvorstand Stephan Kolck zu einem Wettrennen gegen MdB Dorothee Bär an. Im Gegensatz zum normalen Heimtrainer gibt es statt eines unbequemen Fahrradsattels einen stabilen Stuhl.