Haßfurt
Humor

Schwer verdaulich

Der Kabarettist Philipp Weber schaut den Deutschen auf den Mund und in den Teller. Seine Kost, serviert in Haßfurt, war gewürzt mit tiefen Erkenntnissen und einigen Gemeinheiten.
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Philipp Weber wurde für sein Programm "Futter - streng verdaulich", mit dem er auf Einladung des Kulturamts Haßfurt in der Stadthalle in der Kreisstadt gastierte, mit viel Applaus bedacht. Foto: ul
Philipp Weber wurde für sein Programm "Futter - streng verdaulich", mit dem er auf Einladung des Kulturamts Haßfurt in der Stadthalle in der Kreisstadt gastierte, mit viel Applaus bedacht. Foto: ul
Jeder will sich gut ernähren. Doch dem Willen sind jede Menge Hindernisse in den Weg gelegt. Wer wüsste das nicht besser als Philipp Weber, seines Zeichens Kabarettist, aber auch studierter Biologe und Chemiker. Er gastierte mit seinem neuen Programm "Futter - streng verdaulich" in der Stadthalle in Haßfurt und erhielt für seine humoristische wie kritische Nachhilfestunde in gutem Essen viel Applaus.

Machen sich die Menschen zu viele oder zu wenige Gedanken über ihr Essen? Haben sie vergessen, dass sie essen müssen, um satt zu werden, oder sollen sie tatsächlich nur essen, um gesund zu bleiben? Schließlich ist doch keine einzige Gesundheitstabelle von Sokrates überliefert.

Philipp Weber gelang es, das Essverhalten genüsslich zu sezieren und viele Fragen aufzuwerfen, die wohl jeden bewegen, Gleichzeitig benannte er Fallen und Unwahrheiten, auf die fast jeder schon einmal hereingefallen ist und die lediglich
verschiedenen Industriezweigen zugute kommen. Zum Beispiel die rechtsdrehenden Bakterien im Joghurt, die es gar nicht gibt, oder die Behauptung, dass das Cholesterin in der Nahrung im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel im Blut steht.

Erbarmungslos geißelte er Fertignahrung, die aus explosionsgetrocknetem Sellerie, reaktionsaromatisiertem Rindfleisch, Monosodiumglutamat und vielem mehr eine "Flädlesuppe Hausfrauenart" macht, die Gentechnik, die tatsächlich Erdbeeren mit dem Gen der arktischen Flunder kälteresistent gemacht hat, oder den Wahn nach "Bio-Lebensmitteln", die teils um die halbe Erde "reisen".

"Wir sind Weltmeister im Verfüttern von Antibiotika", klagte er an. "Was wir als Nürnberger Bratwurst kennen, wird andernorts als Zäpfchen verabreicht", sagte Weber.

Dass heute jeder fünfte Urwaldbaum für die Herstellung von Zellstoff, sprich Klopapier, gefällt wird, bezeichnete er als "Dekadenz, die wir uns heute nicht mehr leisten können."

Nach jeder Menge "schwer verdaulicher" Nachrichten, ebenso lustig und pointenreich wie nachdenklich verpackt, gab Philipp Weber dem Publikum mit: "Beweisbar ist, dass eine gesunde Ernährung eine abwechslungsreiche Kost, wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse sowie ab und zu ein Glas Milch beinhaltet!" Allerdings sollte man das Essen nicht der Großindustrie, sondern den kleinen, ortsansässigen Landwirten und Unternehmen überlassen.
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