Mit Uta Adams kann man nicht über das Haus reden. Dieses Haus, ihr Haus, ist nämlich nicht nur ein Haus, es ist Teil ihrer Geschichte, eine Persönlichkeit. Man spricht nicht über so ein Haus, man unterhält sich mit ihm. Zum Beispiel über die Denkmalschutzmedaille.

Diese Auszeichnung, die der Freistaat jedes Jahr verleiht, ist eine Anerkennung für besondere Verdienste um den Erhalt des Kulturerbes. Uta Adams hat ein Haus für die Nachwelt erhalten, in dem jede Ritze Geschichte bedeutet. Das Anwesen ist die Geburtsstätte des Mathematikers Regiomontanus (Johannes Müller, 1436 bis 1476, sein Grab liegt in Rom), dessen Arbeiten die Grundlage für das moderne Weltbild legten.


Prominente Bewohner



In dem Haus lebte ein Schwiegersohn des Farbenfabrikanten Wilhelm Sattler ("Schweinfurter Grün"), und ein Pionier der Fotografie hatte dort ein Studio eingerichtet. Heute dürfen in den Zimmern am Salzmarkt Feriengäste den Geschichten lauschen, die das Haus zu erzählen hat.

Für Uta Adams war das Elternhaus am Salzmarkt in Königsberg immer viel mehr als ein Platz zum Wohnen, auch als sie nach Schweinfurt gezogen und die Mutter 1991 gestorben war. "Das Haus stand eine Zeitlang leer", erzählt die Preisträgerin, "aber mein Herz hing immer daran. Dieses Haus und seine Seele sind ein Teil von mir".
Mit einer Persönlichkeit muss man sich auseinandersetzen, das ist beim Haus nicht anders als beim Menschen.

Sanierung beginnt



Ab 1995 begann Uta Adams mit der Sanierung des Anwesens. Jeder, der alte Häuser kennt, weiß, dass ein solches Projekt mit Eimern voller Schutt und der Nase voller Staub beginnt. Schicht um Schicht beseitigte Uta Adams im Schweiße ihres Angesichts und bis an die Grenze ihrer körperlichen Fähigkeiten nachträgliche Einbauten, Fußboden- und Wandbeläge, die Nachtspeicheröfen - und entdeckte, dass die alte Hütte eine wahre Fundgrube ist. Stolz präsentiert sie einige der Fundstücke, alte Fotos zum Beispiel, die sie in einer Schachtel fand, die Handwerker mit Bergen von Schutt aus einem zugeschütteten Kamin geborgen hatten. "Ich habe jedem Handwerker eingeschärft, dass nichts weggeworfen werden darf, das ich nicht durchgesehen habe", erzählt Uta Adams.

Mehr als einmal nahm sie die Abfalleimer mit nach Hause und siebte den Schutt fein säuberlich auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit. Diese Liebe zum Detail macht aus dem Haus ein Schatzkästlein. Mit viel Sachverstand wurde das Alte erhalten und nur wo nötig durch Neues oder Wiederverwendetes ergänzt. Die Elekroheizung ist ein Zugeständnis an den modernen Wohnkomfort, den Gäste auch im historischen Ambiente schätzen. Uta Adams vermietet das Haus am Salzmarkt an Feriengäste, die sich um Jahrhunderte zurückversetzt fühlen, wenn sie die schmiedeeiserne Türglocke gezogen haben und die reich verzierte Haustüre sich öffnet.
"Es könnten aber schon noch ein paar mehr sein", bedauert Uta Adams, dass sich der Fremdenverkehr in Königsberg nur schleppend entwickelt. "Als ich ein Kind war, da konnte man einen Stadtbummel in Königsberg machen und von Geschäft zu Geschäft gehen", erinnert sich die Wahl-Schweinfurterin.


Häuser stehen leer



Inzwischen stehen nicht nur die meisten Geschäfte in der Altstadt leer, auch viele der prachtvollen Fachwerkhäuser sind verwaist oder werden in absehbarer Zeit verlassen. Nach wie vor sind Baudenkmäler schwer an den Mann zu bringen, weiß man auch in der Stadt, wo man inzwischen eine Immobilienbörse im Internet betreibt, mit durchwachsenem Erfolg.

"Es fehlt das Leben in der Stadt", bedauert Uta Adams, die sich mehr Nachahmer wünschen würde, mehr Gastronomie und damit ein attraktiveres Umfeld, das Gäste länger verweilen lässt. Die meisten Besucher Königsberg, kommen, sehen, staunen. Und gehen meist gleich wieder.