Ebern
Diskussionsrunde

"Schwarzer" nimmt auf rotem Sessel Platz

Der Staatssekretär im Kultus-Ministerium in München, Bernd Sibler (CSU), stellte sich den kritischen Fragen der Schüler am Eberner Rückert-Gymnasium.
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Staatssekretär Sibler im Gespräch mit Charlotte Kühnel und Henrik Schleicher (im Bild von rechts). Fotos: Ralf Kestel
Staatssekretär Sibler im Gespräch mit Charlotte Kühnel und Henrik Schleicher (im Bild von rechts). Fotos: Ralf Kestel
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Es bot sich eine günstige Gelegenheit, einen ungeliebten Lehrer bei dessen Ober-Chef so richtig in die Pfanne zu hauen. Davon machte aber keiner der Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG) Gebrauch. Im Gegenteil: Sie alle hinterließen bei Kultus-Staatssekretär Bernd Sibler (CSU) einen ausgesprochen positiven Eindruck. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Politik trifft Bildung" löcherten sie den 46-Jährigen zwar mit Fragen, meist aber aus dem eigenen Lebens- bzw. Schulumfeld.

Und es waren "gute Fragen", wie Sibler nach zwei Stunden bilanzierte. "Die Veranstaltung war exzellent vorbereitet und moderiert. Mir hat es richtig Spaß gemacht."

Das kennt er auch anders: "In Großstädten mussten manche aus der Zuhörerschaft erst aus dem Tiefschlaf geholt werden, damit sie ihre Fragen stellten."


Tolle Moderatoren

Hellwach waren vor allem Charlotte Kühnel und Hendrik Schleicher, die als Moderatoren fungierten und bei der Vorbesprechung vom Staatssekretär auch gleich noch eine kostenlose Studienberatung erhielten. "Das mit dem Französisch fürs Lehramt am Gymnasium würde ich mir noch einmal überlegen. Eine Kombination mit zwei Hauptfächern ist da zukunftssicherer", so sein Rat.

Auch sonst hatte der Niederbayer, der sich als Ebern-Kenner auswies, manch interessante Aussage parat. So seine Vorliebe für Diskussionen: "Das Aktenstudium kann den persönlichen Kontakt nie ersetzen."

Und was so Abiturienten am Scheideweg zwischen G8 zu G9 bzw. am Übertritt ins Berufsleben oder an die Universität bewegt, bekam er deutlich zu hören, unverblümt, mitunter auch durch Nachhaken.


Streitfall G8

So bei der Frage, wie er die G8-Einführung habe unterstützen können, und nun zur Rückkehr zum G9 stehe.
Sibler verwies auf die unterschiedlichen Umstände anno 2003: Damals waren deutsche Studenten im internationalen Vergleich zu alt. "So ein Studium kostet richtig viel Kohle, auch macht es für die spätere Alterssicherung einen Unterschied, ob jemand 30 oder 40 Jahre einzahlt."

Die Situation habe sich geändert. Deutsche Studenten träten nun drei Jahre jünger in die Berufswelt ein.
Auch sei durchs G8 die Übertrittsquote an Gymnasien von 30 auf 40 Prozent gestiegen. "So schlecht kann's also nicht gewesen sein."

Aber: Die Einführung damals sei ein Problem gewesen, weil ohne Diskussionsprozess verordnet worden. "Das sorgte über alle die Jahre für ein Grummeln und auch ich habe diesen inneren Hader mit mir herumgetragen." Deswegen jetzt auch das Nachjustieren.

Wie das aussieht mit dem größeren Stundenkontingent, stehe noch nicht komplett fest. Den Hauptfächern (Deutsch, Mathe, Fremdsprachen) werde wieder mehr Bedeutung zukommen, ebenso der Informatik, die mehr Praxisorientierung benötige, weil bislang zu theoretisch. "Auch die politische und historische Bildung wird in der zehnten und elften Klasse forciert."


Mehr an Praxis orientieren

Das Praxis-Seminar soll in der elften Klasse angesiedelt werden. Ein Wunsch, den ein Schüler ausdrücklich formuliert hatte. "Das ist doch alles zu theoretisch."

Dazu Sibler: "Wir wollen die berufliche Orientierung schon ab der neunten Jahrgangsstufe verankern. Denn jetzt haben wir keine Jugendarbeitslosigkeit mehr, weswegen es durch Praktika keinen Verdrängungswettbewerb mehr gibt." Dazu der stellvertretende Schulleiter Martin Pöhner: "Deswegen sind wir mit dem Elternbeirat ganz aktuell im Gespräch."
Die zweite Fremdsprache werde aber, so Sibler, weiterhin der sechsten Klassen kommen. "Wir wollen nicht, dass sich die Übertrittsquoten im Vergleich mit anderen Schulformen verändern."

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