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Haßfurt
Ausbildung

Schreiner aus Überzeugung

Andrea Helmer und Philipp Hau beeindruckten die Jury mit ihren Gesellenstücken und holten sich den ersten Preis im Wettbewerb "Die gute Form"
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Zwei erste Preisträger im Wettbewerb "Die gute Form" gab es unter den diesjährigen Gesellenstücken der Schreiner an der Heinrich-Thein-Berufsschule Haßfurt. Die Auszeichnungen gingen an Philipp Hau und Andrea Helmer, auf deren ausgezeichnetem Schreibtisch die beiden Platz nahmen. Foto: Sabine Weinbeer
Zwei erste Preisträger im Wettbewerb "Die gute Form" gab es unter den diesjährigen Gesellenstücken der Schreiner an der Heinrich-Thein-Berufsschule Haßfurt. Die Auszeichnungen gingen an Philipp Hau und Andrea Helmer, auf deren ausgezeichnetem Schreibtisch die beiden Platz nahmen. Foto: Sabine Weinbeer
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"Den geb ich nicht her, niemals", sagt Andrea Helmer. Sie spricht von ihrem Gesellenstück, einem Schreibtisch in Ahorn und Amaranth. 105 Arbeitsstunden hat die frischgebackene Schreiner-Gesellin in dieses Prachtstück gesteckt und wurde mit einem ersten Preis im Wettbewerb "Die gute Form" belohnt. Die gleiche Auszeichnung holte sich auch Philipp Hau, ebenfalls mit einem Schreibtisch.

Die Ausstellung der Gesellenstücke in der Aula der Berufsschule gehört als krönender Abschluss zur Schreiner-Ausbildung. Nachdem alle ihre Stücke in Szene gesetzt hatten, versammelten sie sich gespannt um Horst Zitterbart. Der Schreinermeister aus Eschenau ist der Prüfungsvorsitzende und verkündete den zwölf Absolventen, ob sie bestanden haben. Einer von zwölf wurde leider enttäuscht.

Andrea Helmer ist die einzige Dame unter den zwölf bisherigen Auszubildenden des Jahrgangs.
Sie begann ihre Lehre in Nürnberg, zog dann in den Landkreis Haßberge "und das war genau die richtige Entscheidung". Sowohl im Lehrbetrieb, den Einrichtungswerkstätten Baumgärtner in Haßfurt, als auch in der Berufsschule fühlte sie sich wohl.

An ihrem Gesellenstück zeigt sie handwerkliche Perfektion und Kreativität. Die leuchtend roten Amaranth-Teile bilden einen kräftigen Kontrast zum hellen Ahorn, die Einlegeplatte ist drehbar, so dass sie optimal an die Arbeitssituation angepasst werden kann. Natürlich gehören Schub- und Schrankfächer ebenfalls zu dem Schreibtisch, den Andrea Helmer streng nach dem "Goldenen Schnitt" entworfen und für sich selbst maßgeschneidert hat.

Auch Philipp Hau richtete sich in allen Details nach dem "Goldenen Schnitt", der gewährleistet, dass die Proportionen der einzelnen Flächen harmonisch sind. Er kombinierte die seltene Holzart Ulme, bei den Fachleuten "Rüster" genannt, mit Stahl-Elementen. "Die Vielfalt in Maserung und Farbschattierung hat sich eigentlich erst beim Ölen gezeigt", erklärte Philipp Hau im Gespräch. Die Ulme ist nicht ganz leicht zu bearbeiten, weil sie leicht fasert, doch die changierende Oberfläche, die sich je nach Blickwinkel verändert, zeigt, dass sich der erhöhte Arbeitsaufwand lohnt.

95 Stunden Arbeit investierte er in seinem Ausbildungsbetrieb, der Schreinerei Käb in Oberhohenried, in sein Stück, die Entwicklungszeit nicht mitgerechnet. "Damit habe ich schon Weihnachten angefangen", erzählte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich musste er auch die Stahlteile anfertigen lassen. Franz-Josef Döll aus Trossenfurt, den er gut kennt, hat das ganz nach seinen Vorstellungen gemacht.
"Viel zu schade", sagte Jochen Brüggemann, der als stellvertretender Schulleiter für die Schreiner zuständig ist, über das Gesellenstück von Moritz Spiegel. Seine Schubladen-Schrank-Kombination aus Esche würde jeder Diele zur Ehre gereichen, es handelt sich aber um einen Werkzeugschrank für Drechselzubehör und wird Spiegels private Werkstatt schmücken. Neben dem klassischen Schreinern ist das Drechseln eine besondere Passion von Moritz, der in den Möbelwerkstätten Rottmann in Oberschleichach gelernt hat und dort auch weiter arbeiten wird.

Er ist wie auch Philipp Hau und Andrea Helmer Schreiner aus Überzeugung. "Natürlich verdient man im Handwerk etwas weniger als in der Industrie, aber man muss doch auch über 40 Jahre lang Freude an seinem Beruf haben", so Philipp Hau. Und die Zukunftsaussichten für gute Handwerker sind bestens. Einige der frischgebackenen Gesellen halten es für durchaus möglich, in einigen Jahren auch den Meisterbrief zu erwerben.
Die Schreiner-Ausbildung beginnt mit einem Vollzeitschuljahr, dem Berufsgrundschuljahr. Erst im zweiten und dritten Ausbildungsjahr greift die duale Ausbildung und die zukünftigen Schreiner benötigen dann einen Lehrbetrieb. Die Schreiner im Landkreis Haßberge suchen Nachwuchs und schließen gerne schon zu Beginn des Berufsschuljahres Lehrverträge ab, wie am Rand der Ausstellung erfahren war. Nähere Informationen gibt es unter www.bs-hassfurt.de oder www.schreiner-has.de.





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