Aufgrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte ein 42-jähriger Mann aus dem Haßgau einen Strafbefehl erhalten. Wegen Körperverletzung sollte er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen á 30 Euro, also 600 Euro bezahlen. Dagegen legte er Einspruch ein. Deshalb kam die Strafsache vor dem Amtsgericht in Haßfurt zur Verhandlung. Nachdem die Noch-Ehefrau als Zeugin vernommen worden war, zeichnete sich ab, dass das Gericht bei einem Urteilsspruch das Strafmaß nicht reduzieren würde - der Angeklagte nahm daraufhin seinen Einspruch zurück. Der Strafbefehl erlangt Rechtskraft.
Was war passiert? Am Abend des 17. Juni letzten Jahres, es war ein Freitag, lieferten sich die damals bereits getrennt lebenden Eheleute eine heftige Auseinandersetzung. Der berufstätige Mann kam zur ehemals gemeinsamen Wohnung, in der die Frau lebte. Wie er dem Gericht sagte, wollte er seine Arbeitsklamotten holen und mit dem Auto wegfahren. Die Frau aber verweigerte die Herausgabe des Autoschlüssels.
Deshalb kam es zu einem Gerangel, das zu einer tätlichen Auseinandersetzung eskalierte. Um an den Schlüssel zu gelangen, habe er die Frau festgehalten und in ihre Hosentasche gegriffen, erläuterte der Angeklagte die Situation. Dass er seinen Willen durchsetzen wollte, indem er ihr in die Brust zwickte, wie die Staatsanwaltschaft ihm in der Anklageschrift vorwarf, daran wollte er sich nicht erinnern können. Das wäre schlechterdings auch nicht möglich gewesen, weil die Mutter ihre eineinhalbjährige Tochter auf dem Arm trug.

Mehr als eine Lappalie


Dass das Ganze doch mehr als eine Lappalie war, wurde klar, als das Gericht die geschädigte Frau hörte. Nach dem Streit war sie nämlich in eine nahe liegende Klinik gegangen, um sich untersuchen und behandeln zu lassen. Hier stellten die Ärzte ein fünf mal zwei Zentimeter großes Hämatom fest.
Unter Tränen schilderte die damals verletzte Frau dem Richter, dass sie zwei Wochen lang unter körperlichen Schmerzen litt. Im Verlauf ihrer Ehe, erzählte sie aufgelöst weiter, sei es immer schlimmer geworden. Vor den mitunter cholerischen Ausbrüchen ihres Mannes habe sie zunehmend Angstzustände bekommen, erklärte sie als Zeugin vor Gericht.
"Wenn man so fest zupackt und drückt, handelt es sich um keine Bagatelle", hielt Strafrichter Roland Wiltschka dem Angeklagten vor.
Zum Glück wurde zwischenzeitlich durch das Familiengericht die Besuchs- und Umgangsregelung mit dem gemeinsamen Kind so gelöst, dass beide Seiten damit leben können. Die Frau hatte auch versucht, mit ihrem getrennt lebenden Mann über den Vorfall zu sprechen, aber eine echte Entschuldigung, beantwortete sie eine entsprechende Frage von Staatsanwalt André Libischer, habe es bislang nicht gegeben.
"Für eine Entschuldigung ist es nie zu spät", baute der Anklagevertreter dem Angeklagten eine Brücke. Daraufhin nahm sich dieser ein Herz, gab sich sichtlich einen Ruck und sagte im Gerichtssaal zu der Mutter seiner Tochter: "Es tut mir aufrichtig leid." Den Einspruch gegen den Strafbefehl nahm er zurück, und die Geldstrafe aus dem Strafbefehl kann er in Raten abzahlen.