Ebelsbach
Ruine

Schloss Ebelsbach: Stallungen eingebrochen

Das Ebelsbacher Schloss verfällt weiter. Dem starken Gewitterregen am Dienstagabend hat ein Teil des Gebäudes nicht standgehalten. Weil die Eigentumsverhältnisse immer noch ungeklärt sind, kann das Schloss nicht saniert werden.
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Die ehemaligen Stallungen sind wohl wegen des Gewitters zusammengebrochen. Dahinter steht die Ruine des Hauptgebäudes. Foto: Ralf Naumann
Die ehemaligen Stallungen sind wohl wegen des Gewitters zusammengebrochen. Dahinter steht die Ruine des Hauptgebäudes. Foto: Ralf Naumann
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Freie Sicht auf das Ebelsbacher Schloss, besser gesagt auf die seit Jahren mit einem blauen Kran und einem weißen Notdach "dekorierte" Ruine, gibt es seit Mittwoch auch von der Festwiese gegenüber der katholischen Pfarrkirche aus. Der Grund: Die ebenfalls seit Jahren in einem maroden Zustand befindlichen ehemaligen Stallungen hielten, so die naheliegende Vermutung, dem starken Gewitter am Dienstagabend nicht mehr stand und sind teilweise in sich zusammengebrochen. Das Dach hing vorher schon durch.

Brand ist sechs Jahre her
Damit geht das Drama um das einstige kulturelle Aushängeschild der Maintalgemeinde, dessen Jahrestag der nach wie vor ungeklärten Brandvernichtung sich bald zum sechsten Mal nähert, in eine weitere Runde.
Ebelsbachs Bürgermeister Walter Ziegler zeigte sich natürlich sehr verärgert über das nächste Kapitel des Zerfalls des historischen Wasserschlosses und seiner Nebengebäude, das eine Investmentfiirma mit Geschäftsführer Dominique Arens an der Spitze im Jahr 2000 erworben hat. "Keiner der Eigentümer hat sich in all den Jahren richtig darum gekümmert", kann Ziegler angesichts der jetzt neu aufgetretenen Probleme nur noch mit dem Kopf schütteln.
Dabei traten erste Schäden am Dach der Stallungen, die ebenso wie das Hauptgebäude zwischen 1564 und 1569 unter der Aufsicht von Matthäus III. von Rotenhan zu Ebelsbach gebaut wurden, schon zu Zeiten auf, als das Schloss noch der Wohnsitz von Altbürgermeister Friedrich Wilhelm von Rotenhan und seiner Familie war. Auch nach dem Verkauf an Arens für zwei Millionen Mark wurde nichts getan, um die schon sichtbaren Schäden zu beheben und zum Beispiel die alten Ziegel zu ersetzen.
"Das hat langsam angefangen und ging zum Schluss immer schneller", so Ziegler, den der teilweise Einsturz deshalb gar nicht wundert. "Das war eine Frage der Zeit."
Nach wie vor gleicht das Schlossareal derweil einem Hochsicherheitstrakt. "Zutritt polizeilich verboten", steht am verriegelten Haupttor in der Stettfelder Straße. Daran könne die Gemeinde "nichts ändern. Ich werde mich hüten, fremdes Eigentum zu betreten", sagt Walter Ziegler (BNL) und weist darauf hin, dass er nicht selbst aktiv tätig werden kann.

Möglicherweise Notsicherungen
Er beziehungsweise die Gemeinde stehe derzeit wieder in engem Kontakt mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde im Landratsamt und ist sich sicher, dass das Team um Abteilungsleiter Bernhard Joos erneute Notsicherungen veranlasst. "Ich habe nochmals auf den desolaten Zustand des Schlosses aufmerksam gemacht", verweist der 65-jährige Kommunalpolitiker auf ein kürzlich stattgefundenes Gespräch mit allen möglichen Fachleuten vom Landratsamt. Das Ergebnis: Vor allem der aktuell äußerst problematische Südflügel am Hauptgebäude, der vom Brand verschont wurde, bedarf dringend einer Notsanierung, besonders am Dach: An mehreren Stellen dringt Wasser ein und die Schäden nehmen weiter zu.

Ungewissheit geht weiter
Geprüft werden unterdessen immer noch die Eigentumsverhältnisse. Das Schloss wechselte auch nach der Brandkatastrophe noch mehrmals den Besitzer; wie die insolvente "Schloss Ebelsbach Verwaltungs GmbH" scheint auch eine weitere Firma (Geschäftsführer jeweils Arens) nicht geschäftsfähig zu sein.
Nachdem der Landkreis bereits vor Jahren das Angebot auf eine kostenlose "Übernahme" des Schlosses abgelehnt hat (er sollte im Gegenzug "nur" gegen die Brandversicherung klagen und Arens auszahlen), geht die Ungewissheit weiter: Wer ist aktuell eigentlich der Eigentümer der Brandruine? "Das wird derzeit geprüft", sagt Walter Ziegler. Dominique Arens realisiert derweil neue Geschäftsideen in seiner Wahlheimat Mallorca: Unternehmensberatung und Immobilienvermittlung.

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