Bramberg
Ausreisser

Schildkröte reißt aus und ist über vier Kilometer unterwegs

Die griechische Landschildkröte machte sich im Eberner Stadtteil Weißenbrunn auf und davon. Erst Tage später wurde sie in Bramberg wieder aufgefunden - vier Kilometer Luftlinie entfernt.
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Ein glückliches Kind: Leni Sommer liebkost den Ausreißer Holger. Foto: Alois Voigt
Ein glückliches Kind: Leni Sommer liebkost den Ausreißer Holger. Foto: Alois Voigt
Großes Erstaunen rief bei der Familie Rene und Silke Köhler in Bramberg ein unerwarteter Gast hervor. Auf der Veranda ihres Anwesens am Dorfeingang kam ihnen eine leibhaftige quicklebendige Schildkröte entgegen. Da Töchterchen Lea gerade im Garten spielte, dachten die Köhlers im ersten Augenblick, da läge ein Ball. Doch vier kräftige Beine, die weit aus dem Rund herausragten und dieses in obendrein selbstständig in Bewegung setzte, machten schnell deutlich: Das war kein Ball, sondern eine stattliche Schildkröte.

Fahndung via Facebook

Die benachrichtigte Polizei verwies auf eine Tierklinik. Um jedoch die Suche nach den Besitzern zu beschleunigen, stellte man am Abend via Facebook den Ausreißer als Fundsache ins Netz. Vorher verbrachte der Eindringling in einem aus Bischwind eilends herbeigebrachten Außengehege für Hasen sicher die Nacht und labte sich an den frischen Salatblättern aus dem Hausgarten der Gastgeber.
Gleich am nächsten Tag wurde man über "gemeinsame Facebook-Freunde" fündig: Erleichtert meldete sich die Besitzerfamilie Simone und René Sommer aus dem Eberner Ortsteil Weißenbrunn.

In Weißenbrunn verschollen

Vor 14 Tagen sei ihre griechische Landschildkröte namens Holger ausgebüxt und wie vom Erdboden verschwunden. Das war wohl seine Art von "Grexit". Nach tagelanger, aussichtsloser Suche nahmen es die Sommers hin: Ihr gepanzertes Haustier mit rekordverdächtigen 24 Zentimetern Panzerlänge war verschollen. Alle trauerten, vor allem Töchterchen Leni.
Eigentlich hatte es Holger sehr gut bei der Familie Sommer. Im Garten des Anwesens am Dorfrand hatte er ein ideales Zuhause: Großer Auslauf im umzäunten Gehege, artgerechtes Futterangebot, und zur kalten Jahreszeit wurde für seine etwa viermonatige Winterstarre ein separater Kühlschrank mit konstanten vier Grad Celsius bereitgestellt.

Vorbesitzer war ein Ehepaar, das nach 50-jährigem Zusammensein mit Holger aus Altersgründen vor drei Jahren in "Betreutes Wohnen" umsiedelte und Holger der Obhut der familie Sommer in Weißenbrunn anvertraute.
Bei den Sommers traf der deutlich über 50 Jahre alte Senior Holger auf wesentlich jüngere Artgenossen, ein etwa elfjähriges Schildkrötenpärchen, mit dem er sich gut vertrug. Das großzügige Revier des Trios wurde jüngst neu abgegrenzt. Eine stabile Umzäunung mit großen Quadersteinen sollte das Terrain absichern. Wie Holger das etwa 30 Zentimeter hohe Hindernis überwinden konnte, ist rätselhaft. Simone Sommer vermutet, ein Artgenosse könnte mit einer "Räuberleiter" geholfen haben.

Erstaunliche Distanz

Rätselhaft ist weiterhin, wie Holger in 14 Tagen die vier Kilometer lange Wanderung nach Bramberg geschafft hat. Er musste an mindestens drei Bächen einen Übergang finden und auf jeden Fall die Staatsstraße 2278 überqueren. Kurz danach wurde er von einem Radfahrer am Donnerstagmorgen mitten auf der Kreisstraße gesichtet und in dem angrenzenden Wiesengrund in Sicherheit gebracht. Hunger litt er unterwegs sicher keinen. Allerlei Grünzeug, besonders Löwenzahnblätter und anderes Grünzeug gab's zuhauf.

Große Wiedersehensfreude herrschte vor allen bei der kleinen Leni, die mit ihrer Mutter den Ausreißer in Bramberg abholen konnte.

Die Sommers bauen jetzt darauf, dass die Reiselust ihres Vierbeiners für längere Zeit beendet ist. Dem Schildkrötengehege wird gerade vorsichtshalber eine weitere Sandsteinlage aufgesetzt.

Vorkommen Griechische Landschildkröten sind vor allem im Mittelmeerraum und den angrenzenden Ländern bis auf eine Höhe von 1500m beheimatet. Unter besonders günstigen Umständen werden sie etwa 20 Zentimeter lang und 100 Jahre alt. Männchen haben eine höhere Lebenserwartung als Weibchen.

Import Vor Jahrzehnten waren die Schildkröten oft ein beliebtes "Mitbringsel" aus dem Urlaub. Sie konnten auch zu erschwinglichen Preisen in Zoogeschäften erworben werden. Seit 1975 gibt es nach dem "Washingtoner Abkommen" ein generelles Handelsverbot für aus der Natur entnommene Tiere. Auch nachgezogene Tiere unterliegen der behördlichen Meldepflicht.

Papiere Seit 1996 werden EU-Papiere verlangt Ohne diese Unterlagen ist eine Weitergabe in der gesamten EU illegal,

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