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Ebern
Altstadfest

Schabernack macht froh

Die Kleinkunstbühne war in diesem Jahr eine reine Männerzone. Vor allem den Franken selbst karikierten die Künstler mit scharfer Zunge. Das Publikum war gut gelaunt.
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Stefan Eichner alias "Das Eich" beim Franken-Reggae Foto: Johanna Eckert
Stefan Eichner alias "Das Eich" beim Franken-Reggae Foto: Johanna Eckert
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Auf Kultur wird am Eberner Altstadtfest sehr großen Wert gelegt. Auch auf die Bierkultur, um nur einmal die wichtigste Unterart des Oberbegriffs für diese Festivität zu nennen. Da gab es im Vorhinein sogar eine Online-Abstimmung, um mit dem Gebräu auch wirklich alle Geschmäcker zu treffen. Ansonsten gab es ganz beiläufig auch noch die verbalen kulturellen Überschläge, die sich abseits der Hauptverkehrsachse, im Rathaushof, abspielten.

Votings brauchte es dafür nicht. Tourismus-Fachkraft und Festleitung Helen Zwinkmann entschied alleine, wer auf dieser Bühne ein Stelldichein geben darf. Im Gegensatz zu letztem Jahr mussten die Damen in diesem Jahr zu Hause bleiben - auf Darstellerseite natürlich. Aber das war überhaupt nicht bedauerlich.


Das Schlaflied der Clubberer

Jörg Kaiser durfte zum ersten Mal in seinem Leben die Eberner zum Lachen bringen und ihr Altstadtfest genießen: "Schön habt ihr es hier", lobte der Süd-Nürnberger das Festchen. Für Kleinkinder zum Einschlafen empfiehlt er übrigens die Stadionhymne des Zweitligisten 1. FC Nürnberg: "Das spielen die beim Club vor jedem Spiel. Bei der Mannschaft zumindest hilft's." Zum Glück laberte er nicht nur den ganzen Abend lang Quatsch, sondern leistete auch etwas Aufklärungsarbeit. In Sachen "Wie tickt der Franke eigentlich?" konnte er seinen Beitrag leisten.

"Kennen sie das Frankentourette?", fragte er das Publikum am Samstagabend. "Wenn einem der dumme Spruch einfach immer so rausrutscht. Wie bei einem Franken eben." Warum der Franke nie zum Zahnarzt geht? Weil er ein Pessimist sei. Anstatt des strahlenden Lächelns "brauchen wir knirschende Zähne. Franke sein, ist einfach ein Geburtsfehler. Wir kommen schon schlecht gelaunt heraus", zog Jörg Kaiser sich und sein Völkchen die ganze Show lang immer wieder durch den Kakao, "uns kann man es nie recht machen."

Trotzdem war die Stimmung super, der kuschelige Rathaushof bis fast aufs letzte Eckchen besetzt. Nur als der Regen meinte, auch beim Kabarett dabei sein zu müssen, verzogen sich einige der gut gelaunten Besucher. Aber der Rest nahm es mit Humor und mit Regenschirm. Denn "Das Eich" (Stefan Eichner), "Frankensima" (Philipp Simon Goletz) und Atze Bauer machten nicht weniger Stimmung und Dummheiten als der Neuling Jörg Kaiser.

Der Franke und die Lockerheit ...

In seinem Outfit für die Bierwochen, die zeitgleich mit dem Eberner Altstadtfest starteten, galoppierte Stefan Eichner mit seinem Schwachsinn daher. Spielen wollte er in Ebern, bis ihn die Security an den Haaren aus dem Hof zog, denn: "Nach 45 Minuten bin ich ja grad mal auf Betriebstemperatur und dann muss ich schon wieder aufhören." Aber alles ging gut - fast alles. Denn mit dem Franken-Reggae wollte Stefan Eichner der lachenden Publikumsschar eigentlich etwas von dem jamaikanischen, lockeren Lebensgefühl beibringen, doch das ging in die Hose. Nicht umsonst musste er fragen: "Mensch, habt ihr Eberner auch irgendein Scharnier am Körper zum Bewegen?" Die Antwort gab er sich selbst: "Nein, ihr seid aus einem Ding mit der Bierbank geschnitzt."

Wenn Atze Bauer nicht gerade auf einer hübschen Kleinkunstbühne steht, dann sitzt er daheim in Höchstadt und "kompostiert" so seine Melodien. Saxophon, E-Gitarre und Fußtrommel sind des Liedchaoten Instrumente. Mit dem Mund macht er nur Blablabla und seine Frisur, die ist wahrhaftig außergewöhnlich. Er gab sich viel Mühe und hat es versucht, ein ganz spezielles Ebern-Lied zu schreiben. "Der Text ist recht neu, der ist von vorhin", war seine Intro. Und dann? "Wo hat Jürgen Hennemann viel zu labern? In Ebern. Wohin kommen nur die besten Gäst'? Auf's Altstadtfest. Wo gibst du dir den Rest? Am Altstadtfest. Wo braucht so mancher morgen ein Attest?

Am Altstadtfest." Würde man Ebern einfach in der Aussprache anders betonen, musste Atze Bauer feststellen, dann wären auch seine Reime eindeutig besser ausgefallen. "Selten blöd, aber ich zieh das jetzt durch", war nicht nur Atze's Motto, sondern auch das Publikum war bei jedem Schabernack glücklich dabei.

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