Die Begeisterung war beiderseitig: "Wir würden ja noch etwas spielen, wenn Sie aufhören würden zu klatschen", lauteten die ersten Worte von Moderator und Violoncellist Andreas Priebst, nachdem die letzten Takte von Mozarts wohl berühmtester Komposition verklungen waren.

"Eine kleine Nachtmusik", die so gar nicht kleine, in der Musikwissenschaft mit vielen Unbekannten behaftete, Serenade für Streicher in G-Dur hatte den Schlusspunkt einer großen Abendmusik gesetzt.

Stammpublikum


Die "Capella Musica Dresden" präsentierte sich am Samstag zum wiederholten Mal in der Konzertreihe "Musik in fränkischen Schlössern". Die stets prominent besetzten Veranstaltungen haben ihre Stammhörerschaft gefunden, die, wie Autokennzeichen am Vorplatz zu erkennen gaben, auch außerhalb des Haßbergkreises zu Hause sind.

Veranstalterin Anne Meiners weiß, dass das Dresdener Ensemble "zu den Lieblingen des Publikums gehört". Unter der Leitung von Kontrabassist Helmut Branny bildete es sich 1995 aus Musikern, die hauptberuflich einem der ältesten und traditionsreichsten Orchester, als das die Staatskapelle gilt, angehören. Die einstige kurfürstliche Hofkapelle steht seit kurzem unter der Leitung von Chefdirigent Christian Thielemann, der von München nach Dresden wechselte.

Eines Dirigenten bedurfte es bei der kammermusikalischen Soiree der Capella hingegen nicht. Hier agierten Profis, denen kurze Blicke genügten, um in einträchtiger Harmonie und exzellent erfrischender Weise wundervolle Klänge zu zaubern.

Fachkundiges Publikum


Fachleute begegneten sich aus beiden Richtungen. Im vorderen Teil des großen Festsaals gaben die mit weit reichender Opern- und symphonischer Erfahrung ausgestatten Musiker Kostproben ihres Könnens - auf den Stühlen, die bis an die hintere, mit großen bemalten Stoffbahnen bespannte Wand reichten, lauschten gebannt geübte Konzerthörer. Kein versehentlicher Klatscher in der ersten Satzpause störte die konzentrierte Aufmerksamkeit.

Zum Ambiente des 18. Jahrhunderts passten die Kompositionen von Mozart, Haydn und Leclair. Das Publikum ließ es sich schmecken, bevor es kulinarische Köstlichkeiten vom festlichen Büfett der Schlossherrin Monica von Deuster-Fuchs zu Bimbach und Dornheim genoss.

Das gut zweistündige Programm, das mit Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) so fantastisch endete, hatte mit dessen Divertimento in F-Dur begonnen. Es folgte eine Sonate für zwei Violinen von Jean-Marie Leclair (1697 - 1764), dem Begründer der französischen Violinenschule. Susanne Branny (Violine), Jörg Kettmann (Violine), Michael Schöne (Viola), Andreas Priebst (Violoncello) und Leiter Helmut Branny (Kontrabass) boten einen vollendeten Ohrenschmaus, der mit sichtbarer Freude am Musizieren einherging.

Haydns bekanntestes Klavierkonzert


Vor der Halbzeit gesellte sich als Solist Jobst Schneiderat, vielseitiger Musiker und seit 26 Jahren Solorepetitor an der Semperoper, zum Ensemble. Von Joseph Haydn (1732 - 1809) erklang das Klavierkonzert in D-Dur, "das bekannteste Klavierkonzert von Haydn", wie Priebst locker moderierte. Der Mann am Flügel erwies sich als Solist, der das dreisätzige Konzert mit Geschmeidigkeit, aber auch spielerischer Poesie zelebrierte. Selbst schwierige Kantilenen spielte er mit scheinbarer "Coolness", wie das wohl nur einem erprobten Repetitor gelingt.

"Eine kleine Nachtmusik" sollte programmgemäß die Zuhörer in den Abend entlassen, stattdessen kündigten die eingangs erwähnten Worte einen weiteren Höhepunkt an. Das Publikum meinte, den vierten Satz dieser allseits beliebten Mozart-Musik nochmals genießen zu dürfen. Aber die Akteure hatten anderes im Sinn: "Wir möchten der Veranstalterin Anne Meiners ein ganz persönliches Ständchen bringen." Damit kündigte Priebst den unerwarteten "Star des Abends" an.

Ein Ständchen für die Mutter


Bettina Meiners, 16-jährige Tochter der Erfinderin von "Musik in fränkischen Schlössern", sang ein Lied aus dem Kinofilm "Die Kinder des Monsieur Mathiew", begleitet vom Sextett der Dresdner Orchestermusiker. Ein zu Herzen gehender Gesang der stimmgeschulten jungen Sängerin aus Ibind rührte nicht nur die Mutter am Vorabend ihres Geburtstags an. Strahlend lächelnd verbeugte sich Bettina, die ihre ersten Erfahrungen als Solistin einst im Kinder- und Jugendchor von Matthias Göttemann, unter anderem als "Engel" in Händels Messias, gesammelt hat. Ihre Darbietung als Zugabe dieses abendlichen Schlosskonzertes brachte ihr die Anerkennung der Zuhörer und der Musiker.

Zu den Stammhörern von "Musik in fränkischen Schlössern" gehören Margaretha Schmitt aus Hambach und ihre Mutter Maria Schmitt aus Hesselbach. Beide Frauen kommen regelmäßig aus dem Landkreis Schweinfurt in die Haßberge, um die Konzerte in "bewohnten Schlössern" zu besuchen. "Ich finde es toll, dass man bei schöner Musik auch in die Privatsphäre der historischen Schlösser schnuppern kann", sagte die Tochter, die "von Anfang an mindestens eines der Konzerte pro Jahr" besucht und der Schloss Eyrichshof besonders gefiel. Ihre Mutter erinnert sich gern an Schloss Birkenfeld oder an Kirchlauter, wo sie "Graf Stauffenberg kennenlernen konnte".