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Eyrichshof
Aktionstag

Ruine Rotenhan: Der Tag für Geotop war ein Flop

Bundesweit war am Sonntag zum Besuch markanter Geotope aufgerufen worden. Rund um die Ruine Rotenhan bei Ebern verhallte dieser Appell ungehört. Dabei bietet Bayerns Nummer 44 mehr als nur sehenswerte Gesteinsformationen. Sie führt auch zurück in die Geschichte, als die Bischöfe in Bamberg und Würzburg über Kreuz waren.
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Die Ruine Rotenhan führt ins Mittelalter und die Erdgeschichte.Foto: Ralf Kestel
Die Ruine Rotenhan führt ins Mittelalter und die Erdgeschichte.Foto: Ralf Kestel
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Am Sonntag haben Sie etwas verpasst. Aber damit stehen Sie nicht alleine. Denn: Alle haben ihn verpasst. Die Rede ist nicht vom Eberner Kirchweihmarkt, der zwar schwach beschickt und besucht war, aber immerhin wahrgenommen wurde. Gemeint ist der "Tag des Geotops", der bundesweit ausgerufen war. Am einzigen Geotop der Region neben dem Staffelberg und den Mainauen bei Ziegelanger, der Ruine Rotenhan, verhallte der Ruf aber ungehört, wie mehrere Stichproben am Sonntag ergaben. Kein Mensch da.

Was auch nicht verwunderte, denn kaum jemand wusste von diesem Aktionstag, der seit 2002 alljährlich am dritten Sonntag im September begangen wird. Kein Plakat, keinerlei Werbung lockte zum Besuch dieser einzigartige Gesteinsformation, die Zeugnis über Jahrmillionen an Geschichte ablegt.

Dabei hätte sich dieser Ort von erdgeschichtlicher Bedeutung, so die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf, doch einfach mit Kirchweih-Werbung und -programm
verknüpfen lassen. Geführte Wanderungen vom Bahnhaltepunkt über den Marktplatz und die Bahnhofstraße, vorbei an Judenfriedhof und Schloss Eyrichshof zur Ruine Rotenhan, wo es fachkundige Informationen gegeben hätte. Das wär's doch gewesen. Vielleicht im nächsten Jahr.

Laut Umweltministerium besuchen pro Jahr eine Million Menschen Bayerns 100 schönste Geotope, wozu auch die Rotenhan als Nr. 44 zählt. Die Umweltministerin wollte ihre Rolle über sanften Tourismus zum 30. Jubiläum des Geotopschutzes in Bayern stärken. "Die Kenntnis unserer Natur- und Erdgeschichte ist wichtig für das Verständnis der Gegenwart. Der Blick in die Erdgeschichte ermöglicht auch, den Klimawandel besser zu begreifen." Geotope seien attraktive Ziele für einen naturverbundenen und naturnahen Tourismus, einmalige Zeugnisse der Erdgeschichte und Fenster in die geologische Vergangenheit. Auf Fels gegründete Archive der Natur.

Seit dem offiziellen "Ritterschlag" zum Geotop durch Ministerialrätin Christine von Seckendorff während der Fußball-WM anno 2006 kümmern sich Helfer der Wandergruppe des Bürgervereins mit Arbeitseinsätzen um die Anlage, die nicht nur geologische Bedeutung, sondern auch historisch-militärische Bedeutung besitzt und nun an der Schnittstelle mehrerer Wanderwege liegt, die dafür sorgen, dass sich zumindest abseits der Jubeltage einige Besucher darin verlieren. Als "Highlight des Burgenwinkels", so der frühere Bürgermeister Herrmann, kümmern sich auch die Stadt und der Naturpark um die Pflege. Fehlt noch die Werbung.


Über die Ruine, deren Standort und Geschichte

Der Ruinen-Standort liegt im Küstenbereich eines Meeres, das vor 200 Millionen Jahre Süddeutschland überflutet hatte und dessen Sedimente sich zum Ton- und Sandstein verfestigten. Auf und aus diesem Sandstein ist die Burg Rotehan entstanden. Die ist um 1200 aus machtpolitischen Gründen mit großem Aufwand gebaut worden, denn sie sollte provozieren.

Da sich das Bistum Bamberg immer weiter gen Westen in Bereiche des Würzburger Bischofs ausweitete, bedrohten die Freiherren von Rotenhan, die am Bamberger Hof zum inneren Kreis der Macht gehörten, mit ihrer trutzigen Burg das nahe Ebern, damals ein aufstrebendes würzburgisches Städtchen. 1322 wurde es dem Würzburger Bischof zu bunt. Er schwärzte die Rotenhans beim Kaiser an, eroberte die Burg und ließ sie schleifen.

Weitere Informationen finden Sie hier!



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