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Zeil am Main
Garten

Rosige Blütenträume an der Zeiler Stadtmauer

Der Rosengarten des Zeiler Ehepaars Martin und Christa Schlegelmilch ist ein Blickfang. Ein Besuch im historischen Grabengarten an der Stadtmauer.
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Rosen über Rosen: Ein Blick in den historischen Grabengarten der Familie Schlegelmilch an der Zeiler Stadtmauer.  Fotos: Martin Schlegelmilch
Rosen über Rosen: Ein Blick in den historischen Grabengarten der Familie Schlegelmilch an der Zeiler Stadtmauer. Fotos: Martin Schlegelmilch
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Martin und Christa Schlegelmilch waren nicht immer passionierte Gärtner. "Bevor wir angefangen haben, war a Blümla halt a Blümla", erzählt Christa Schlegelmilch und lacht, während ihr Mann Martin (69) gutmütig die Augen verdreht.



Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Die beiden sind mittlerweile Profis und pflegen ihren historischen Grabengarten an der Zeiler Stadtmauer mit Hingabe. Wenn das Wetter passt, ist Martin Schlegelmilch dort vier bis fünf Stunden täglich zugange. "Für mich ist es Entspannung. Es tut der Seele und dem Rheuma gut", schwärmt Christa Schlegelmilch. Ihre große Leidenschaft gilt (historischen) Rosen: Mindestens 40 verschiedene Rosensorten wachsen auf dem 150 Jahre altem Familienbesitz.


Von der Futterrübe zur Rose

Christa Schlegelmilchs Großvater hat hier Futterrüben vorgezogen, die Großmutter Gemüse für die Versorgung der Großfamilie angepflanzt. In der nächsten Generation hat Christa Schlegelmilchs Vater, Hubert Jellen, seine Passion fürs Gärtnern entdeckt. "Mein Vater hat jeden Zentimeter mit Gemüse bepflanzt." Ihre Mutter habe sich vor lauter Kohl, Karotten und Bohnen kaum retten können, erzählt sie und lacht.

Als das Grundstück an der Stadtmauer auf sie überging, war für die 64-Jährige eines von vornherein klar: "Ich wollte einen Blumengarten, der sich leicht bewirtschaften lässt." - Ein Schock für den Vater. Der konnte sich immerhin damit trösten, dass der ursprüngliche Plan der Tochter, einen englischen Garten anzulegen, nicht aufging.


Fränkisch statt englisch

Der angefragte Gartenarchitekt beschied dem Ehepaar Schlegelmilch ganz klar, dass britische, verschlungene Gartenwege nicht nach Zeil passten. Er hat gesagt: "Sie haben einen fränkischen Garten an einer fränkischen Stadtmauer. Da passt kein englischer Garten, sondern da muss ein streng formaler Garten mit Beeteinfassungen aus Buchsbaum her", erinnert sich die pensionierte Chemie- und Biologielehrerin.

Christa Schlegelmilch ließ sich überzeugen, zumal sich der Traum von vielen Rosen und Pavillons trotzdem verwirklichen ließ.

Anfang der 90er Jahre beauftragten die Schlegelmilchs eine Gartenbaufirma damit, ihren grünen Traum nach den Plänen von Christa Schlegelmilch anzufertigen. Der Garten ist dreigeteilt: Vorne ist ein Freizeitbereich mit einem großen Nußbaum, wo die Familie heute oft und gerne zusammenkommt. In der Mitte wird Gemüse angepflanzt und hinten schließt eine kleine Streuobstwiese an.

Die größte Hürde bei den Bauarbeiten war dann allerdings nicht - wie vermutet - das Gefälle im Garten, sondern Hubert Jellen. "Als die Arbeiter mit großem Gerät anrückten, ist mein Vater die ganze Zeit zwischen den Baggern und Lastern herumgebollert. Also haben wir ihn zwei Wochen in den Urlaub geschickt und die Arbeiter zur Eile angetrieben", erinnert sich Christa Schlegelmilch lachend.


Erste Pflanzung verhagelt

Weil das Ergebnis erst einmal recht kahl war (durch die Bodenarbeiten war fast alles Grün verschwunden), setzte Christa Schlegelmilch Tomatenpflanzen ein - ihre erste Arbeit im neuen Garten. "Ich weiß noch, das war an einem Nachmittag im Mai um 15 Uhr und ich war total stolz. Zwei Stunden später hat es gehagelt." Bei der Erinnerung biegt sich das Ehepaar vor Lachen. Die Rückschläge von damals sind längst vergessen.

Der Garten blüht und gedeiht und auch Hubert Jellen lernte ihn lieben und pflegte den Stadtmauergarten liebevoll bis zu seinem Tod 2007. Nun ist die nächste Generation am Zug. "Aber wir lassen uns von dem Garten nicht nerven", wirft Martin Schlegelmilch ein. "Wenn wir verreisen, muss der Garten auch mal ein paar Tage ohne uns auskommen", ergänzt der pensionierte Berufschullehrer. Obwohl - ganz allein ist er nie, der Garten. Von Flora und Fauna abgesehen, gibt es im Frühjahr und im Sommer etliche Zaungäste, die die Blumenpracht bewundern. Und es gibt Christa Schlegelmilchs Schwester Ulrike Steigner und ihren Mann Günter, die sich ebenfalls sehr im Garten einbringen. "Wir bewirtschaften den Garten als Großfamilie und jeder hat seine Aufgabe", erklärt Christa Schlegelmilch.

Der Schwager ist für den Anbau und die Pflege des Gemüses verantwortlich, die Schwester verarbeitet es. Christa Schlegelmilch selbst ist für die Rosen, das Beschneiden der Obstbäume und das Hochziehen der Pflanzen zuständig. Und Ehemann Martin? Der sorgt auf den rund 900 Quadratmetern für Sauberkeit und Ordnung. Bei der Ernte hilft die Familie zusammen.

Und wie haben es die Schlegelmilchs auf die Tourismusseite www.frankens-paradiese.de geschafft? "Wir wurden so lange gedrängt, bis wir uns angemeldet haben", erzählt Martin Schlegelmilch trocken.