Haßfurt
Strafprozess

Rentner pocht auf Urteil und wird empfindlich bestraft

Etliche Male appellierten der Amtsrichter, der Staatsanwalt und zuletzt der Verteidiger an den angeklagten Rentner, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen - vergeblich.
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Der Angeklagte blieb stur, und so kam es, wie es kommen musste: Mit 1000 Euro Geldstrafe und einem sechsmonatigen Entzug der Fahrerlaubnis fiel das Urteil in einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt wegen Fahrerflucht nach einer fahrlässigen Körperverletzung wesentlich härter aus als der vorher ergangene Strafbefehl.

Da der 68-Jährige aus dem Kreis Haßberge gehbehindert ist, konnte er sich nur mit Hilfe von zwei Krücken zur Anklagebank bewegen. Bernd Lieb als Vertreter der Anklage warf ihm vor, am 1. August dieses Jahres kurz vor Mittag eine Fahrerflucht begangen zu haben. Damals war der Senior, von Knetzgau kommend, in die Haßfurter Brückenstraße gefahren. Er wollte nach links in Richtung des Unteren Turms abbiegen. Just als er um die Kurve steuerte, registrierte er plötzlich einen 48-jährigen Fußgänger, der die Fahrbahn überqueren wollte.
Der Fahrer trat auf die Bremse, aber es war bereits zu spät: Der vom rechten Kotflügel Angefahrene fiel rückwärts auf die Straße, berappelte sich jedoch gleich wieder und stand auf. "Du musst doch aufpassen, bevor du über die Straße rennst", schimpfte der Rentner kopfschüttelnd aus seinem Auto heraus. Nach kurzem Halt setzte er seine Fahrt fort.

Dass er auf Grund seiner Gehbehinderung nicht sofort aus seinem Wagen ausstieg, dafür hatten alle Prozessbeteiligten vollstes Verständnis. Trotzdem hätte er so lange warten und eventuell Passanten um Hilfe bitten müssen, bis er sich sicher sein konnte, dass dem Passanten nichts passiert war. Dieses Versäumnis wurde ihm zum Verhängnis, denn die Vorschriften im Straßenverkehr gelten für behinderte wie nichtbehinderte Fahrzeugführer gleichermaßen, wie Richter Martin Kober deutlich machte.

Wie sich im Prozess herausstellte, wurde der Fußgänger bei dem Zusammenstoß viel schwerer verletzt, als es anfangs den Anschein hatte. Im Haßfurter Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte, dass beide Ellenbogen gebrochen waren. Über drei Wochen waren die Arme geschient, länger als ein viertel Jahr konnte er nicht arbeiten. Jetzt noch müsse er regelmäßig zur Krankengymnastik, sagte der Geschädigte im Zeugenstand.

Dass der verschickte Strafbefehl mit einem zweimonatigen Fahrverbot in Anbetracht dieser gravierenden gesundheitlichen Folgen sehr milde war, darüber waren sich alle Juristen einig. Mit Engelszungen versuchten zuerst der Richter und dann Rechtsanwalt Hans André, den Rentner zur Rücknahme seines Einspruchs zu bewegen (bei Rücknahme wäre der Strafbefehl rechtskräftig geworden). Aber alles fruchtete nichts, der uneinsichtige Senior beharrte darauf, keine Schuld zu haben, und schlug den gut gemeinten Rat der Fachleute in den Wind. Der Verurteilte bekam eine Woche Zeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

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