Haßfurt
Strafprozess

Randalierer zündet Arrestzelle in Haßfurt an

Wegen einer durchzechten Nacht stand ein 33-Jähriger nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt: Zeche geprellt, Drogen genommen und dann auch noch in der Arrestzelle gezündelt.
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz
Es ist schon starker Tobak, was Staatsanwalt Ralf Hofmann dem 33-jährigen Angeklagten vorwarf. Am 30. November 2013, so der Vertreter der Anklage, habe der Mann sich bei seiner Festnahme durch die Polizei aggressiv gewehrt, sodann die Beamten übelst beleidigt und als krönenden Abschluss nachts seine Arrestzelle in der Polizeiinspektion in Haßfurt in Brand gesteckt. Nach einstündiger Verhandlung entschied das Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt unter Vorsitz von Richterin Ilona Conver, ein Sachverständigengutachten einzuholen, um zu klären, ob der Angeklagte schuldfähig oder psychisch so erkrankt ist, dass er in ein psychiatrisches Krankenhaus muss.
Was sich an jenem Abend vor nunmehr eineinhalb Jahren abspielte, geschah im Anschluss an einen Kneipenbesuch in der Kreisstadt.
Der Beschuldigte konnte sich auf Nachfrage der Vorsitzenden nicht mehr erinnern, was und wie viel er an diesem Tag getrunken hatte, meinte aber: "Es war an der Grenze zum Vollsuff." Zudem, beantwortete er eine Frage der Schöffin, habe er damals Drogen geschnupft.
Laut Anklageschrift ging der heute im Schweinfurter Raum lebende Mann aus der Gastwirtschaft, ohne die Zeche von 29,90 Euro zu bezahlen. Der Wirt rief die Polizei und kurz darauf stellte eine Polizeistreife den Zechpreller in der Oberen Vorstadt. Als die Ordnungshüter den Betrunkenen kontrollierten, hatte der keinen Ausweis dabei und weigerte sich, seine Personalien anzugeben. Er dachte gar nicht daran, der Aufforderung zu folgen und in das Polizeiauto einzusteigen. Vielmehr wehrte er sich mit Händen und Füßen gegen seine Festnahme. Er schlug unkontrolliert um sich und beleidigte die Polizisten mit Kraftausdrücken. Der damals 32-Jährige spuckte sogar einem Beamten ins Gesicht.

Hoher Schaden, zwei Verletzte

Natürlich half dem Wüterich die ganze Gegenwehr nichts und kurz vor 23 Uhr landete er in der Arrestzelle der Polizeiinspektion in Haßfurt. Nach einer kurzen Ruhephase zündete er mit einem Feuerzeug die Matratze an. Es gab kein offenes Feuer, aber dichter Qualm und Rauch verbreiteten sich in mehreren Räumen und im Flur. Wie der Staatsanwalt vortrug, erlitten zwei Beamte eine leichte Rauchgasvergiftung und der angerichtete Sachschaden betrug mehr als 13 000 Euro.
Von der Strafrichterin gefragt, ob er sich zur Sache äußern wolle, zog der Angeklagte richtig vom Leder. Er sei damals nur auf dem Weg zum Geldautomaten der Bank gewesen, um sich Bargeld für seine Zeche zu holen, erklärte er. Die Streifenpolizisten hätten ihn "überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Sie haben mir den Kopf auf die Motorhaube geknallt und wollten mich absichtlich quälen", sagte er mit sichtlich erregter Stimme.
Als die Schöffen und der Staatsanwalt nachfassten, erzählte der Arbeitslose, dass er oft einen unerträglichen Druck im Kopf spüre. Der lasse erst nach, wenn er Alkohol oder Drogen konsumiere. Als Kind, schilderte er rückblickend weiter, sei er schwer misshandelt worden und in der Grundschule habe er schon Selbstmordgedanken gehabt. Als er vor Tränen kaum weitersprechen konnte, unterbrach das Gericht die Sitzung.

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