Haßfurt

Promille-Radfahrer muss Strafe zahlen

"Gang und Kehrtwendung sicher, Sprache deutlich, Bewusstsein klar" heißt es in einem ärztlichen Untersuchungsbericht. Verfasst wurde der Report für einen 53-jährigen Arbeitslosen, den die Polizei mit 2,27 Promille vom Fahrrad geholt hatte. Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte den Hartz-IV-Empfänger.
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Das Amtsgericht in Haßfurt. Foto: FT-Archiv
Das Amtsgericht in Haßfurt. Foto: FT-Archiv
Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen á zwölf Euro (1800 Euro) verurteilt.

Bereitwillig erzählte der Angeklagte den Tathergang. Am 21. Juli dieses Jahres traf er sich etwa um 16 Uhr mit einigen Kumpels auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Haßfurt. Dort zischten sie in feucht-fröhlicher Runde ihre Bierflaschen. Zwischendurch gab es etliche "Schnäpsle", erinnerte er sich.

Nach gemütlichen Stunden, es war schon kurz nach neun Uhr abends, hatten alle genug getankt und jeder ging seiner Wege. Der ledige Mann aus dem Maintal schwang sich auf seinen Drahtesel und trat kräftig in die Pedale. Doch ausgerechnet an diesem Tag nahm die Polizei in der Zeiler Straße in Haßfurt eine Verkehrskontrolle vor. Jeder Radler wäre wohl durchgewinkt worden, aber der trinkfeste Mann war, wie es so schön heißt, polizeibekannt. Er musste absteigen, eine Blutentnahme über sich ergehen lassen und erhielt eine Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Dabei, so meinte der Beschuldigte, habe er damals die Situation noch voll im Griff gehabt.


Eine Straftat

Viele Menschen wissen nicht, dass man eine Trunkenheitsfahrt - was eine Straftat darstellt - auch mit dem Fahrrad begehen kann! Die absolute Fahruntüchtigkeitsgrenze für Radfahrer liegt nach höchstrichterlicher Rechtsprechung bei 1,6 Promille. Wenn diese Grenze überschritten wird, ist Schluss mit lustig und der Staatsanwalt tritt auf den Plan.

Für den Trinker war das nicht neu. War er doch erst wenige Wochen zuvor - ebenfalls auf seinem Rad - in reichlich benebeltem Zustand ertappt worden. Im Mai zeigte die Blutanalyse einen Wert von 2,32 Promille und im Juni hatte sein Alkoholpegel fast schon einen Rekordwert: 3,8 Promille! Die Amtsrichterin Ilona Conver, die sich immer wieder mit Verkehrssündern befassen muss, kommentierte trocken: "sportlich".


Erheblich vorbelastet

Das umfangreiche Vorstrafenregister mit elf Einträgen zeichnete das Bild eines Kleinkriminellen. Immer wieder mal gab es Verurteilungen wegen Diebstählen, und der Mann saß schon hinter Gittern.

Abschließend sprach die Gerichtsvorsitzende dem Mann ins Gewissen: "Sie gefährden nicht bloß sich selber, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer." Sie appellierte an ihn, zu einer Drogenberatungsstelle zu gehen, um seine Suchtprobleme anzugehen. Da sich der Verurteilte mit dem Richterspruch zufrieden zeigte, kann man davon ausgehen, dass er nach einer Woche wohl rechtskräftig wird.

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