Ebelsbach
Konzert

Posaunisten faszinieren in Ebelsbach

Das "Consortium Musicum" ließ in der Ebelsbacher Magdalenenkirche aufhorchen. Posaunen-Professor Harry Ries erklärte die Instrumente.
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Vielseitig und kreativ zeigten sich die Vollblutmusiker auf ihren Posaunen und Instrumenten und vergrößerten hier das Tonvolumen des Flügelhorns über den Trichter der Baßtuba. Von links Dion Kowalski, Dominique Steins, Harry Ries und Luc Scholtes. Foto: Günther Geiling
Vielseitig und kreativ zeigten sich die Vollblutmusiker auf ihren Posaunen und Instrumenten und vergrößerten hier das Tonvolumen des Flügelhorns über den Trichter der Baßtuba. Von links Dion Kowalski, Dominique Steins, Harry Ries und Luc Scholtes. Foto: Günther Geiling
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Außergewöhnliche Klangwelten bot die Kulturgemeinde Ebelsbach-Eltmann zum Abschluss des alten und zum Start in das neue Jahr an. Das Posaunenquartett "Consortium musicum" mit seinem Leiter Harry Ries bot Hörgenuss. Und die Zuhörer staunten über die vielfältige Ausdrucksmöglichkeit dieses Instruments.

Matthias Beck hieß das Posaunenquartett aus den Niederlanden unter Leitung von Professor Harry Ries in der Magdalenenkirche willkommen und beschrieb, dass das Quartett diesmal einen weiten musikalischen Bogen schlagen und die Zuhörer überraschen wolle.


Akustischer Wohlklang in der Ebelsbacher Kirche

Harry Ries selbst stellte die Komponisten und ihre Titel vor und erläuterte die Bedeutung der Werke. Ries ist von der akustischen Qualität der Kirche in Ebelsbach immer wieder begeistert, wie er deutlich machte. Diesmal stellte er "Klangwelten in fränkischer Tradition" vor: "Aber es war wirklich nicht leicht, als Niederländer die fränkische Tradition so zu erfassen, dass es auch interessant ist für Sie als Zuhörer von allgemein bis klassisch." Der Fachmann erläuterte die Posaunen von der kleinen Barockposaune bis zur Bassposaune.

Die Fanfare zum Auftakt "Le vive le Roy" von Josquin des Prez, bei der eine Posaune im hinteren Kirchenraum sich im Wettstreit mit den übrigen drei Posaunen im Altarraum befand, zeigte Klang- und Tonvolumen dieses Instruments.

Harry Ries, der seine besondere Liebe für das Frankenland schon seit langem lebt und als Meister auf der Posaune gilt, stellte ein Stück von Valentin Rathgeber, einem Benediktinermönch aus dem Kloster Banz vor. Kirchenmusik war sein Metier, in einer zweijährigen Auszeit vom Kloster entstanden aber auch weltlichen Kompositionen. Drei kurze, tänzerisch anmutende Werke trugen die Musiker vor. Bei dem folgenden Werk des langjährigen Soloposaunisten der Bamberger Symphoniker, Enrique Crespo, belegten die vier Profimusiker die Ausdrucksmöglichkeit ihrer Posaune und ihre Spielkunst. Stets im lupenreinen Ansatz, bewältigten sie die schwierigsten Passagen mit schnellen Staccati oder Legato-Tonläufen mit Bravour.

Bei Richard Wagners gewaltigem "Wallküren-Ritt" zeigten Harry Ries, Luc Scholtes, Dion Kowalski und Dominique Steins wahres Können. Die Zuhörer ahnten, wie rund 80 Musiker im Orchestergraben des Festspielhauses in Bayreuth klingen.


Posaunen und Alphorn spielen ein Hirtenlied

"Izaro" nannte sich das polnische Hirtenlied, das nun nicht im Männerchor erklang, sondern durch drei Posaunen und das Alphorn. Den meisten Zuhörern war neu, dass genau das Alphorn tief in der fränkischen Heimat verwurzelt ist, wie Ries beschrieb. Es habe seinen Ursprung im Fichtelgebirge am Ochsenkopf und in Bischofsgrün. Bei Ries' Solo auf dem Alphorn ließ sich die Atemtechnik verfolgen.

Dann eine "Weltpremiere" mit dem "Quartett für vier Posaunen" von Hans Mielenz. Der Nürnberger starb 1994. Fast alle seiner Kompositionen sind noch nicht aufgeführt worden. Ries freute sich, dass ihm Notenmaterial in die Hände kam. Nach nüchternem Beginn und drohendem Klang formte sich die harmonische Überleitung ins frische Allegro, bis sogar der Rhythmus in Jazz erklang, weitere energische schnelle Läufe und eine Schluss-Euphorie. Offenbar nicht jedem Zuhörer ging diese eigenwillige Komposition ins Ohr: Aber dies eben auch eine "fränkische Klangwelt".


Herrlicher Ausklang

Die vier Musiker zitierten noch nachweihnachtliche Klänge mit klassischen Tönen und Gospel-Stimmung. Dass in Franken bei vielen Blaskapellen die Böhmische Blasmusik sehr beliebt ist, ließen die Niederländer nicht außer acht und spielten sogar von Ernst Mosch ein Stück. Mit dem gemeinsam gesungenen Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich", klang dieses beachtenswerte Konzert aus, und die vielen Besucher spendeten lang anhaltendem Beifall.
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