Haßfurt
Trauer

Politiker und Freunde trauern um Cordula Kappner

Cordula Kappner hatte sich stets einem umfassenden Bildungsauftrag verschrieben. Und so behalten sie auch politische Vertreter und Freunde in Erinnerung.
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Landrat Wilhelm Schneider würdigte die Verdienste von Cordula Kappner sowohl als erste Leiterin des BIZ, als auch durch ihre Forschungen zur Geschichte jüdischer Familien aus dem Landkreis Haßberge. Foto: Sabine Weinbeer
Landrat Wilhelm Schneider würdigte die Verdienste von Cordula Kappner sowohl als erste Leiterin des BIZ, als auch durch ihre Forschungen zur Geschichte jüdischer Familien aus dem Landkreis Haßberge. Foto: Sabine Weinbeer
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"What a wonderful world" intonierten Sopran-Saxophon und Gitarre am Ende der Trauerfeier für Cordula Kappner gestern im großen Saal der Stadthalle in Haßfurt. Viele Freunde und Weggefährten, politische Funktionsträger und Mitforschende, sogar Gäste aus den USA nutzten die Gelegenheit, zusammen mit den beiden Brüdern einer Frau zu gedenken, die "Menschen weltweit ihre Geschichte zurückgegeben hat", wie es Mark Rosenthal aus San Francisco formulierte.

Trotz vieler Brüche sei das Leben von Cordula Kappner schlüssig gewesen, so Landrat Wilhelm Schneider. Sie habe sich einem umfassenden Bildungsauftrag verschrieben und diesen sowohl bei den Schülern im Bibliotheks- und Informationszentrum, als auch gegenüber der Gesellschaft durch ihre Forschungen zur jüdischen Geschichte im Landkreis umgesetzt. Bildung dürfe nicht zu abgehoben sein, erklärte sie zeitlebens. Als Leiterin des BIZ sah sie es als ihre Aufgabe, bei den Jugendlichen Kritikfähigkeit zu entwickeln. Aufgeschlossen und konsequent habe man sie erlebt, Paul Maar habe im BIZ gelesen, lange bevor er richtig bekannt wurde, und auch Karl-Heinz Deschner, der von vielen angefeindet wurde, gab sie ein Podium für die Lesung seiner Werke. "Nie war ihr ein Thema zu heiß, wenn es denn die Menschen bewegte", erinnerte sich Wilhelm Schneider. Sie habe dem BIZ seine ganz eigene Prägung gegeben.


Bedeutsames Lebenswerk

Die Forschung, die sie in ihrer Freizeit betrieb, das sei ein historisch bedeutsames Lebenswerk, würdigte der Landrat. Immer unterstützt von den Landräten seit Walter Keller zeichnete sie "mit Hartnäckigkeit und ungeheurer Hingabe" die Geschichten von Männern, Frauen, Kindern und ganzen Familien und Gemeinschaften auf, die früher zu den Orten im Landkreis Haßberge gehörten und dann verschwanden. Die Geschichten, die sie so aufzeichnete, "erschließen, wie eine große Menschenvernichtungsmaschinerie im Alltag vor sich gehen kann. Wie sich Nachbarschaft in Feindschaft, Nähe in Schroffheit, Toleranz in feiges Mit-Tätertum wandeln kann". Ihre Forschungsergebnisse hätten aber auch gezeigt, dass es Beispiele für Heldentum gab.

Noch 2015 habe sie mit rund hundert Familien in Verbindung gestanden, die ihre Wurzeln im Landkreis Haßberge hatten. Immer habe sie dabei finanziell unabhängig sein wollen. Alle Forschungen, alle Reisen nach Israel, in fast alle Konzentrationslager in Europa, habe sie immer selbst finanziert, betonte der Landrat. Das Landratsamt habe unterstützt bei der Erstellung von Ausstellungen, beim Druck von Broschüren und Büchern. Diese Zusammenarbeit habe sicher auch dazu beigetragen, dass sie sich entschloss, ihre Sammlung im jüdischen Museum in Kleinsteinach zu lassen.


Forschungen sind heilige Arbeit

Dieses Museum und der Raum, der ihren Forschungen dort eingeräumt wird, bezeichnete Israel Schwierz als besondere Art, ihr Andenken zu pflegen. Im Auftrag der Familie Hecht aus Israel verlas er außerdem eine Grußadresse, in der es unter anderem hieß "ein großes Licht hat aufgehört zu leuchten". Kappners Forschungen seien auch eine heilige Arbeit gewesen, denn sie hätten den Familien ermöglicht, die Jahrtage ihrer Vorfahren zu begehen und die Totengebete zu sprechen.

Auch Mark Rosenthal sah sich als Stellvertreter vieler Familien weltweit, die durch Cordula Kappner ihre Wurzeln wiederfanden. Seine lagen in Aidhausen. Von tiefer Humanität sei ihre Arbeit geprägt gewesen und sie habe sogar "ein geheimes Netzwerk deutscher Hochschulstudenten" gebildet, die sie für ihre Forschungen einspannte, wenn diese auf Reisen gingen.

Als "eigenwillige, stark Persönlichkeit von aufrechtem Gang, mit klarem Blick, einer furchtlosen Seele und einem liebenden Herzen" bezeichnete sie ihre Freundin Irmtraud Neuberth. Auch als sie schon sehr von ihrer Krankheit gezeichnet war, habe sie sich noch empört über Rechtsradikalismus, Fundamentalismus und Ungerechtigkeit jeder Art.

Mark Rosenthal forderte die Anwesenden auf, die Arbeit von Cordula Kappner fortzusetzen, durch den Einsatz für Verfolgte und Geflüchtete.

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