Eltmann
Neujahrsempfang

Politik und Handwerk im Landkreis Haßberge sind sich einig

Die Firmeninhaber im Landkreis Haßberge wollen Arbeitsplätze für die Flüchtlinge erreichbar machen. Dies wurde beim festlichen Treffen im Klenze-Saal in Eltmann deutlich. Die Kreishandwerkerschaft hat aber auch einige Wünsche an die hiesige Bevölkerung, wie bei dem Empfang deutlich wurde.
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Eine schwungvolle Vorführung bereitete der "Sängerlust"-Jugendchor "Cantarella" den Gästen der Kreishandwerkerschaft.  Fotos: Sabine Weinbeer
Eine schwungvolle Vorführung bereitete der "Sängerlust"-Jugendchor "Cantarella" den Gästen der Kreishandwerkerschaft. Fotos: Sabine Weinbeer
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Volle Auftragsbücher, aber nur wenige Fachkräfte - dieses Spannungsfeld bleibt dem Handwerk im Landkreis Haßberge auch im Jahr 2015 erhalten. Doch gejammert wurde beim Neujahrsempfang nicht, zu dem Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner (Eltmann) am Donnerstagabend in den Klenze-Saal nach Eltmann eigenladen hatte. Hauptredner war in diesem Jahr der Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal (SPD), der frühere Oberbürgermeister von Würzburg.

Eine Gesprächsplattform

Der Empfang soll eine Gesprächsplattform sein, bei der die Handwerksmeister des Kreises Vertreter aus der Politik, von den Schulen und Banken treffen können. An die Politik wendete sich vor allem auch Hans-Georg Häfner mit seinem Appell: "Halten Sie den Bürokratismus so gut wie möglich von uns fern." Seiner Erfahrung nach sind 42 Prozent der Handwerksbetriebe Ein-Mann-Betriebe. Nicht, weil sie zu wenige Aufträge hätten, sondern "weil ihnen vor dem Schreibkram graust". Das Handwerk im Landkreis Haßberge, das sind über 1300 Betriebe, die einen Jahresumsatz von rund 630 Millionen Euro erzeugen. Diesen Stand zu erhalten, sei nicht leicht, so Häfner, obwohl es keine Konjunkturprobleme gebe. "Aber das Jobwunder Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte", betonte er. Doch in der Gesellschaft sei der Drang zum Studium extrem ausgeprägt, oft ohne auf die Eignung und die alternativen Karriere-Chancen zu sehen. Deshalb forderte Häfner mehr Beratung - bei den Schülern wie auch bei den Eltern.

Die Beratung habe die Handwerkskammer fest im Blick, sagte deren Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer. Das unterfränkische Karriereprogramm Handwerk sei sehr stark nachgefragt und erstmals habe man auch guten Zugang zu den Gymnasien. Programme wie "Abi und Auto" stießen auf großes Interesse. Seit drei Jahren werbe man nun auch um Abiturienten. "Ab 2015 bemühen wir uns auch verstärkt um Asylanten und Flüchtlinge", kündigte Lauer an. Erste Erfahrungen zeigten, dass derzeit viele junge, motivierte und lernbereite junge Menschen ins Land kommen und "berufliche Aufnahme ist auch gesellschaftliche Aufnahme", so Lauer. Um Hürden wie Sprache und die Bewältigung von Traumata zu überwinden, seien Netzwerke nötig.

Schneider: Herausforderung und Chance

Diesen Weg unterstütze auch der Landkreis Haßberge, so Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Beste Erfahrungen habe die Berufsschule mit der Vorklasse zum Berufsintegrationsjahr für Asylbewerber und Flüchtlinge gemacht und im Frühjahr werde wohl eine zweite solche Klasse eingerichtet. Der Flüchtlingszustrom sei eine Herausforderung für die Kommunen. "Wir sehen das aber auch als Chance", so der Landrat. Auch er betonte, dass "ein Studium nicht der alleinige Königsweg für jedes Kind" sei und forderte ein Umdenken.

Anerkennung fanden die Initiativen im Landkreis beim Gastredner des Abends, MdL Georg Rosenthal. Er dankte dem Handwerk für die nach wie vor hohe Ausbildungsquote, auch wenn viele junge Menschen anschließend in die Industrie abwanderten. Wie intensiv Schüler auf die Vielfalt der Berufswelt hingewiesen werden können, das habe er als im Ausland beschäftigter Vater an den internationalen Schulen, die seine Kinder zeitweise besuchten, erleben können. Dieser Übergang werde an deutschen weiterführenden Schulen zu oft vernachlässigt. Das Ergebnis seien vergebene Chancen, hohe Abbrecherquoten sowohl an den Universitäten als auch in "Modeberufen", weil junge Menschen erst später entdeckten, welchen passenden Weg es für sie gibt.

Menschen, die in Rente gehen wollen, flexible Lösungen anbieten

Mehr Flexibilität "vor allem im Kopf" mahnte Rosenthal an, gleich, ob es um die Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund geht oder um Arbeitszeitmodelle. Anstelle nur über Rentenaltersgrenzen zu diskutieren, müsse es flexible Lösungen geben, die zu den Berufsbildern und deren Anforderungen passen. Um solche Lösungen auch zu ermöglichen, müssten Politik und Handwerk im Gespräch bleiben; denn "Politik ist nur so gut wie die Informationen, die sie aus der Praxis bekommt", ermutigte Rosenthal zum Dialog, was gleich an diesem Abend rege genutzt wurde.






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