Lind
Sicherheitsfaktor

Planungen für eine Schranke in Lind laufen noch

Für die Errichtung einer Schranke am Bahnübergang Lind sind die DB Netz als Eigentümerin der Bahnlinie und der Markt Rentweinsdorf als Baulastträger der Gemeindeverbindungsstraße Rentweinsdorf-Lind zuständig. Dies teilte das Landratsamt in Haßfurt nach dem Unfall am Dienstag mit.
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Das Andreaskreuz wird von Autofahrern immer wieder missachtet, so auch beim Unfall am Dienstagnachmittag. Foto: Ralf Kestel
Das Andreaskreuz wird von Autofahrern immer wieder missachtet, so auch beim Unfall am Dienstagnachmittag. Foto: Ralf Kestel
Seitens der Bahn hieß es, dass die Planungen für eine Halbschranke mit Lichtsignalen weit gediehen, aber noch nicht abgeschlossen sind. Dass sich die Unfallgefahr damit nicht komplett bannen lässt, zeigen Recherchen unserer Zeitung zu anderen Übergängen und Erfahrungen der Polizei und der Bahn.

Einen Ex-Bürgermeister aus dem Haßgau hat es schon erwischt, die ortskundige Postbotin aus dem Dorf auch. Immer wieder kracht es am Bahnübergang. Sieben Mal in den letzten Jahren seit August 2004. Dies haben Recherchen in unserem Zeitungsarchiv ergeben. Am Dienstagnachmittag war es wieder so weit: Zwei Männer aus Untermerzbach im Alter von 28 und 29 Jahren querten die Gleise in einem älteren VW Polo, weder Andreaskreuz noch Geschwindigkeitsbegrenzung beachtend.

So bekamen sie nicht mit, dass just in diesem Moment ein Nahverkehrszug aus Ebern herannahte, der stets zwei Minuten nach der vollen Stunde in Ebern
abfährt, wo er kurz vorher angekommen war.
Meist gingen die Unfälle glimpflich ab. Die "Zaungäste" beim Unfall am Dienstag erinnerten sich aber auch schon an einen Crash mit tödlichem Ausgang, der sich vor 2004 ereignet haben muss. Von 1968 war die Rede.

Immer wieder werden Forderungen erhoben, den Bahnübergang sicherer zu machen. So kündigte Rentweinsdorfs Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) bei einer Bürgerversammlung im Januar 2012 an, dass "der Bahnübergang beleuchtet und beschrankt wird." Geschehen ist seither nichts, passiert schon: Drei Unfälle.

Dass es mit den Terminankündigungen der DB-Netz, die für den Schienenstrang zuständig ist, nicht so genau bestellt ist, hat auch der einstige CSU-Kollege in Ebern, Robert Herrmann, schon erfahren. Der hatte im Dezember 2010 den Bau einer Halbschranke für den nahen Übergang der Ortsverbindungsstraße Ebern-Lind an der Hetschingsmühle "im nächsten Jahr" angekündigt. Die Stadt Ebern hat dazu auch ihre fälligen Geldmittel auf Seite gelegt. Passiert ist bislang ebenfalls nichts. Der zuletzt genannte Termin: Oktober 2015. Arbeitstrupps wurden bislang aber noch nicht beobachtet.

Und so kündigte auch am gestrigen Mittwoch ein Bahnsprecher in München wieder an, dass "die Planungen zur Umrüstung des Bahnübergangs Lind laufen. Wir stehen in engem Kontakt mit der Marktgemeinde. Der Bahnübergang soll mit einer Halbschranke und einer Lichtzeichenanlage aufgerüstet werden".


Grunderwerb notwendig

Aktuell seien noch einige Grundstücksfragen zu klären, da von Nachbarn einige Quadratmeter benötigt werden.
Regelmäßig begutachtet wird die Situation vor Ort bei den Verkehrsschauen, die vom Landratsamt angesetzt werden, teilte der Sachverständige der PI Ebern, Tobias Kern, mit. Dabei wurden schon Verbesserungen vorgenommen, wie die Verbesserung der Sichtbedingungen auf die Bahnlinie durch Zurückschneiden der dortigen Hecke. Auch Verbesserungen in der Vorwegweisung und Beschilderung wurden bei der Sonderverkehrsschau, nach dem Unfall im Juni, beschlossen.

Kern weiter: "Der Bahnübergang Lind ist eine innerörtliche Querung einer untergeordneten Dorfstraße mit sehr geringem Verkehrsaufkommen. Der Bahnübergang ist übersichtlich ausgeführt (ausreichende Sicht in beide Richtungen) und entsprechend beschildert (Andreaskreuze etc.). Zusätzlich ist aus beiden Richtungen die Geschwindigkeit auf 10 km/h begrenzt. Züge befahren den Bahnübergang ebenfalls mit verringerter Geschwindigkeit und machen durch Pfeifsignal auf sich aufmerksam."
Kerns Fazit: "Wenn sich jeder an die Vorgaben hält, dürfte eigentlich nichts passieren."


Auch Lichtsignale übersehen

Seit Einführung des Stundentakes Mitte 2011 kam es entlang der gesamten Strecke Breitengüßbach-Ebern nach Zählungen unserer Redaktion zu acht Unfällen und einem Beinahe-Unfall am ampelgeregelten Bahnübergang in Treinfeld, als im Frühjahr 2015 ein Traktorfahrer bei Rotlicht erst nach dem Warnsignal des Zuges eine Vollbremsung vor dem Bahnübergang machte und damit einen Zusammenstoß gerade noch verhinderte. Dass Lichtsignalanlagen kein Allheilmittel sind, zeigte sich im August in Baunach, als dort ein Senior Lichter und Zug übersah. Immer wieder zu Unfällen kommt es am Übergang nahe dem Reckendorfer Bahnhof oder dem Leucherhofer Weg.

"Der beste Bahnübergang ist der, den es nicht mehr gibt", meinte dazu ein Bahnsprecher, der darauf verweist, dass "wir in

Bayern in den vergangenen 25 Jahren die Anzahl an Bahnübergängen halbiert, von 7000 auf aktuell rund 3500. Dennoch hat das Flächenland Bayern mit Abstand die meisten Bahnübergänge. Dies korreliert mit der Anzahl von Unfällen".


Landratsamt begrüsst Schranke

Die Hälfte dieser Übergänge sei nur durch Andreaskreuz gesichert und nicht beschrankt. "Schranken stellen aber auch keine absolute Sicherheit dar." Grundsätzlich wäre der Ausbau des Bahnübergangs mit einer Lichtzeichenanlage aus verkehrsrechtlicher Sicht zu begrüßen, heißt es dazu aus der Verkehrsbehörde am Landratsamt.
Eine Schranke kostet nach Bahnangaben eine halbe Million Euro, ein schwerer Unfall möglicherweise Menschenleben.


Chronologie der Unfälle am Bahnübergang in Lind


22. September 2015 VW Polo mit zwei Insassen aus Untermerzbach fährt aus der Ortsmitte kommend in Zug; Beide schwer verletzt.

9. Juni 2015 Dacia mit einem aus Burgpreppach stammenden Rentner am Steuer fährt von der Ortsmitte kommend in Zug, der den Bahnübergang schon fast passiert hatte;

4. Dezember 2012 BMW-Fahrer, der aus der Marktgemeinde stammt, fährt von der B 279 kommend in Zug

29. April 2010 Postbotin aus der Marktgemeinde fährt von der Ortsmitte kommend in Zug;

12. Dezember 2008 20-jähriger Corsa-Fahrer rutscht aus der Ortsmitte kommend auf glatter Fahrbahn bei Bremsversuch gegen Zug;

30. November 2006 Transporter fährt von Lind in Richtung Rentweinsdorf auf den Übergang und wird am Heck noch vom Zug gestreift;

26. August 2004 42-jähriger Corsa-Fahrer aus der Region übersieht von der B 279 kommend den Regionalzug und prallt gegen einen der Waggons.





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