Das neue forstliche Gutachten sowie die Verjüngung im Eberner Stadtwald waren bestimmende Themen beim Waldgang des Stadtrats. Anhand des Waldes der Löhr'schen Stipendienstiftung bei Straßenhof erklärten Oberförster Wolfgang Gnannt und Forstoberrat Franz Eder exemplarisch den Ablauf dieses Verfahrens, das alle drei Jahre erfolgt.

Mit besonderem Interesse verfolgte Altbürgermeister Rolf Feulner (CSU) den Waldgang. "Ich war seit 20 Jahren nicht mehr in diesem Wald", erzählt er. "Seitdem hat sich der Wald hervorragend entwickelt." Feulner berichtete, dass der Forst in den 70er Jahren durch einen Tausch zum Stadtwald dazugekommen ist. "Das war eine aufregende Geschichte damals", stellte er fest und berichtete von jenem Tausch zwischen Stadt und Baron Eiring von Rotenhan, in den der staatliche Gutachter Schleier eingeschaltet war. Damals erhielt der Baron den Frickendorfer Wald, was in Brünn und Frickendorf für Aufregung sorgte. Die Firma Heinerle bekam laut Feulner das Gelände aus dem Rotenhanschen Besitz, das sie gewollt hatte, und die Stadt Ebern kaufte unter anderem von Geld aus der Jakob-Löhr'schen-Stipendienstiftung sowie aus dem Erlös des Verkaufs der so genannten Unterpreppacher Schafswiese an die Bundeswehr den Schönlau'schen Wald. "Wir haben dann die Leute damals mit Bussen zu einem Waldfest herangekarrt", erinnerte sich Feulner weiter. "Das war eine tolle Sache.
Und seitdem heißt hier ein Stück Wald Frickendorfer und Unterpreppacher Wald."

Bei der Besichtigung gab es zwischen den Forstleuten Gnannt und Eder und den zuständigen Revierjägern Josef Steinmetz und Wolfgang Jagla immer wieder Diskussionen. Gerade beim Thema Waldverjüngung, so merkte man deutlich, stoßen zwei Sichtweisen aufeinander. Die Förster und Waldbesitzer sehen es gerne, dass sich der Wald auf natürliche Weise verjüngt: Junge Bäume sollen möglichst ohne Verbiss durch das Wild oder Verfegen (wenn sich das Wild daran reibt) mindestens 1,20 Meter groß werden. Auch wollen sie, dass ein gesundes Mischverhältnis zwischen den Baumarten herrscht. Die Jäger dagegen sähen lieber den ein oder anderen Zaun, hinter dem Verjüngung stattfindet: "Sonst müssen wir irgendwann alles abschießen, was sich im Wald bewegt", befürchtet Wolfgang Jagla.

Doch ganz so einfach schwarz-weiß ist die Situation dann auch wieder nicht, wie sich beim weiteren Gang durch den Stadtwald zwischen Straßenhof und Jesserndorf zeigte. So sahen die Waldbesucher besonders an den Stellen, an denen verschieden bewirtschaftete Waldgebiete aneinander grenzen, deutlich, warum in manchen Waldgebieten stärker verbissen wird. "Der Unterschied im Essensangebot macht's", beschrieb es Franz Eder mit einem Augenzwinkern: "Wenn Sie die Wahl hätten zwischen nichts und einer üppig gedeckten Tafel, wo würden Sie hingehen?"

Ein weiteres Problem, das sich nicht nur im Stadtwald Ebern, sondern in ganz Bayern und Mitteleuropa zeigt, ist das Eschentriebsterben. Wolfgang Gnannt veranschaulichte den Stadträten an einem befallenen Baum die Auswirkungen, die der erst 2010 identifizierte Gefäßpilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen, auf die Eschen hat. Doch wie soll in einem Wald die Verbreitung eines Pilzes gestoppt werden?
 
Nichts tun, ist das Beste


"Das Laub vernichten, wäre eine effektive Möglichkeit, ist aber in einem Wald nicht durchführbar", erklärten Gnannt und Eder. Also sei das Sinnvollste, für die Forstbeamten, nichts zu tun. "Mit der Zeit entwickeln sich resistente Bäume", hieß es, womit sich das Problem sozusagen wieder von selbst erledige.

Doch wenn der Pilz einen schon älteren Baum befällt, bleibt den Förstern nichts anderes übrig, als den Baum zu entnehmen, bevor das Holz entwertet wird. Das Holz selbst ist dabei nicht infektiös. Auch hier zeige sich wieder einmal, so Franz Eder, wie wichtig ein guter Mischwald ist. Und dieser ist das Ziel der Förster vor Ort. "Wir wollen das, was wir an großen Bäumen oben haben, unten auch wieder, und auf keinen Fall den Wald artenärmer nachkommen lassen", lautete Eders Bilanz. Wolfgang Gnannt ergänzte "Wir haben die Weichen gestellt, der Wald zeigt uns jetzt, was er kann. Jetzt müssen Jagd und Pflege ihren Teil beisteuern."