Haßfurt
Amtsgericht

Panik beim Blick in den Spiegel

100 Tagessätze zu je 65 Euro muss ein junger Autofahrer bezahlen, weil er betrunken einen schweren Unfall auf der A 70 verursacht hatte.
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Die Angst bleibt: die geschädigte 55-Jährige gerät noch immer fast in Panik, wenn sich von hinten ein anderes Fahrzeug nähert. Foto: Marcus Führer, dpa
Die Angst bleibt: die geschädigte 55-Jährige gerät noch immer fast in Panik, wenn sich von hinten ein anderes Fahrzeug nähert. Foto: Marcus Führer, dpa
Den 27. März wird eine 55-jährige Angestellte aus dem Landkreis Schweinfurt wohl ihr Lebtag nicht vergessen können. Wie gewohnt fuhr sie in ihrem Fiat Brava auf der A 70 zu ihrer Arbeitsstelle, als ein Albtraum wahr wurde: Von hinten schoss ein Audi TT mit hoher Geschwindigkeit heran und rammte ihr Auto so heftig, dass es sich mehrmals überschlug und schließlich im rechten Straßengraben liegen blieb. Dafür musste sich der damals alkoholisierte Unfallverursacher (27 Jahre alt) nun vor Gericht in Haßfurt verantworten. Das Urteil: 6500 Euro Geldstrafe und 13 Monate Führerscheinentzug.

Laut Polizeibericht ereignete sich der Unfall um 5.48 Uhr. Die Frau befand sich zwischen Haßfurt und Knetzgau mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 140 Stundenkilometern auf der rechten Fahrbahn. Der auffahrende Sportwagen muss regelrecht herangerast sein. Nach dem Aufprall kamen beide Autos heftig ins Schleudern. Während der Audi-Fahrer mit Bagatellverletzungen davonkam, trug die Frau schwere Verletzungen davon: Mit einer Gehirnerschütterung, einem Schleudertrauma und Prellungen wurde sie ins Haßfurter Krankenhaus eingeliefert.
Vor Gericht wurde das Unfallopfer als Zeugin vernommen. Nichtsahnend hatte sie das Autoradio angeschaltet und hörte einen Sportbericht. Was dann genau passierte, konnte sie nicht sagen, weil sie infolge des Unfalls bewusstlos war und erst wieder im Krankenzimmer zur Besinnung kam.


Psychische Probleme

In der Folgezeit hatte sie nicht nur mit den körperlichen, sondern auch mit den psychischen Auswirkungen zu kämpfen. In der ersten Zeit, schilderte die dreifache Mutter, habe sie sich gar nicht mehr getraut, sich hinters Steuer zu setzen. Und auch jetzt, nach über einem halben Jahr, kriege sie wahnsinnige Angst, wenn sie auf der Autobahn unterwegs sei und im Rückspiegel sehe, dass sich ein anderes Fahrzeug nähere.

Der Rechtsanwalt Hubertus Krause gab für seinen - nicht vorbestraften - Mandanten eine ausführliche Stellungnahme ab. Demnach war der junge Mann von seinem Wohnort im Maintal am Vorabend nach Sennfeld bei Schweinfurt gefahren, um dort ein Fußballspiel zu besuchen. Nach dem Spiel nahm er sich ein Taxi und ließ sich zur Diskothek kutschieren. Und da muss er tief ins Glas geguckt und ganz erheblich über den Durst getrunken haben.


Bitte um Verzeihung

Wie der technische Angestellte zu seinem Auto zurückkam, daran kann er sich angeblich nicht mehr erinnern. Und wie es genau zu dem Auffahrunfall kam, beteuert er, wisse er ebenfalls nicht mehr. Eine in der Klinik entnommene Blutprobe ergab, dass er 1,76 Promille intus hatte. Der Angeklagte, der vor Gericht nicht den Eindruck eines Verkehrsrowdys vermittelte, übernahm ohne Abstriche die volle Verantwortung für das Verkehrsunglück und bat im Gerichtssaal die damals schwer verletzte Autofahrerin in aufrichtigem Ton um Verzeihung.
Seitens der Anklage plädierte Ilker Özalp auf eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 65 Euro, die Verteidigung hielt 90 Tagessätze für ausreichend. Mit ihrem - rechtskräftigen - Urteilsspruch von 100 Tagessätzen lag die Vorsitzende Ilona Conver dazwischen. Zusätzlich bleibt der seit dem Unfall eingezogene Führerschein weitere fünf Monate im Gewahrsam der Polizei.

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