Haßfurt
Interkulturalität

Pädagogik der Vielfalt

Vertreter der Kindergärten im Landkreis Haßberge sammelten bei einer Tagung in Haßfurt Ansätze für die gelingende Integration von Kindern mit Fluchterfahrung.
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In einem Workshop beschäftigten sich die Leiter der Kindertageseinrichtungen mit der Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrung. Die Referentinnen Sabine Dörr (im Bild) und Sarah Lange gaben den Erzieherinnen wichtige Impulse für deren Arbeit.   Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
In einem Workshop beschäftigten sich die Leiter der Kindertageseinrichtungen mit der Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrung. Die Referentinnen Sabine Dörr (im Bild) und Sarah Lange gaben den Erzieherinnen wichtige Impulse für deren Arbeit. Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
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Zweimal im Jahr treffen sich die Leiter der 62 Kindertageseinrichtungen des Landkreises Haßberge zur Dienstbesprechung im Landratsamt. Neben organisatorischen Belangen gibt es laut Mitteilung der Pressereferentin des Landrats, Monika Göhr, dabei stets einen inhaltlichen Teil, sozusagen eine "Mini-Fortbildung" für die pädagogischen Fachkräfte: vergangenen Donnerstag zum Thema interkulturelle Erziehung.
Im Zuge der aktuellen Flüchtlingssituation wird die gesamte Bevölkerung des Landkreises verstärkt mit dem Thema Interkulturalität konfrontiert. Über die Medien und Gespräche der Erwachsenen nehmen auch die Kinder Anteil an der momentanen Lage.
Zudem werden in 22 Kindergärten des Landkreises bereits rund 50 Kinder mit Fluchterfahrung betreut.
"In zunehmend mehrsprachigen und multikulturellen Gesellschaften ist interkulturelle Kompetenz ein wichtiges Bildungsziel, um ein friedliches und konstruktives Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Traditionen zu gestalten", so Kindergarten-Fachaufsicht Katharina Tschischka. Deswegen sei die interkulturelle Erziehung im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan fest verankert.


Workshop

Mit Sarah Lange und Sabine Dörr, zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg vom Lehrstuhl Allgemeine Pädagogik, hatte das Jugendamt zwei kompetente Referentinnen gewonnen. In einem Workshop wurden Strategien und pädagogische Materialien vorgestellt, mit deren Einsatz man den Herausforderungen von Interkulturalität im pädagogischen Alltag einer Kindertageseinrichtung begegnen kann. In einem ersten Austausch konnte festgestellt werden, dass die Einrichtungen bereits über viele Ressourcen verfügen, die Grundlage für eine Pädagogik der Vielfalt sind.
Nach einem Theorieteil zum Kulturbegriff wurden zwei Säulen herausgearbeitet, die in der aktuellen Situation - Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrung - von großer Bedeutung sind: Den Kindern und den Eltern Zeit zum "Ankommen" zu geben in einer für sie neuen und anderen Kultur ist, so Dörr, Grundlage für eine gelingende Integration. Auch beim Spracherwerb ist die Zeit ein nicht zu vernachlässigender Faktor.
Eine "Schweigephase" des Kindes sei kein Zeichen von Stillstand, sondern Ausdruck dafür, dass das Kind viele neue Eindrücke verarbeite. Ebenso sei die Pflege der Herkunftssprache wichtig, um die "neue", zweite Sprache gut lernen zu können. In den Einrichtungen sollten daher neben vielfältigen Materialien zum Erlernen der deutschen Sprache, auch verschiedene Medien in der Muttersprache der Kinder angeboten werden.
Die Leiter der Kindertageseinrichtungen konnten wichtige Impulse für die Arbeit mit ihren Teams vor Ort mitnehmen und sehen sich gut aufgestellt, um den aktuellen gesellschaftlichen - pädagogischen Herausforderungen mit höchster Professionalität begegnen zu können.
Weiterhin wurde Mathias Tuffentsammer als neuer Mitarbeiter des Jugendamtes vorgestellt. Ab Januar wird der Diplom-Pädagoge als pädagogischer Qualitätsbegleiter allen Kindertageseinrichtungen im Landkreis Haßberge zur Verfügung stehen.
Der Landkreis nimmt an einem Modellprojekt des Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration teil, welches zum Ziel hat, eine weitere Professionalisierung der frühpädagogischen Fachkräfte und eine systematische Qualitätssicherung und -entwicklung zu begleiten. red

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