Eltmann
Kommunalpolitik

"Original" und "Schlitzohr" prägte Eltmann mit

 Mit 48 Jahren im Stadtrat war Josef Schwemmlein einer der dienstältesten Mandatsträger in Bayern. Jetzt nahm das Urgestein, um das sich Anekdoten ranken, Abschied aus dem Eltmanner Gremium. Er ist einer von sieben bisherigen Stadträten, die dem Gremium ind er neuen Wahlperiode nicht mehr angehören.
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Der Senior am Ratstisch und der junge Bürgermeister: Nicht selten wies Stadtrat Josef Schwemmlein (rechts) den Bürgermeister auf besondere Dinge hin und gab wertvolle Informationen. Foto: Günther Geiling
Der Senior am Ratstisch und der junge Bürgermeister: Nicht selten wies Stadtrat Josef Schwemmlein (rechts) den Bürgermeister auf besondere Dinge hin und gab wertvolle Informationen. Foto: Günther Geiling
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Mit Josef Schwemmlein räumt ein wirkliches Urgestein seinen Ratssitz in Eltmann. 48 Jahre lang gehörte der CSU-Mann dem Stadtrat an. Er zählte zu den dienstältesten Räten von Bayern, wenn nicht in ganz Deutschland. Erstmals war er im Jahre 1966 in den Stadtrat gewählt worden, und gerne hätte er noch die Jubiläumszahl 50 erreicht. Dies hätten ihm auch etliche seiner Mitstreiter gegönnt. Aber der Wähler entschied anders, am Ende reichte seine Stimmenzahl nicht mehr aus. Josef Schwemmlein hat in dieser langen Zeit unter drei Bürgermeistern gedient. Von 1966-1978 unter Hans Schömig, von 1978 bis 2002 unter Heinz Krönert und seit 2002 unter Michael Ziegler.

Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) bezeichnete Schwemmlein als "Original", das im neuen Stadtrat fehlen werde. "Du warst wirklich der einzige Stadtrat mit eigenem Chauffeur." Damit spielte der Bürgermeister darauf an, dass er oft mit Josef Schwemmlein auf dem Beifahrersitz durch die Stadt fuhr und auf Probleme aufmerksam gemacht wurde, "denn unser Josef hatte stets das Ohr am Bürger und wusste eigentlich über alles in der Stadt Bescheid."

Mit Euphorie zur Sache

Die Anekdoten über das Auftreten von Josef Schwemmlein in den fast fünf Jahrzehnten seines Wirkens sind zahlreich. "So kam er oft schon früh nach seiner Stallarbeit noch mit Gummistiefeln in das Rathaus und wollte mit Euphorie seine Meinung sagen, was er schon wieder von den Bürgern gehört hatte", betonte sein Bürgermeister. Dass er damit natürlich auch schon am frühen Morgen so manche Gerüche aus dem Stall mitbrachte, war dann selbstverständlich. Das störte ihn aber anscheinend gar nicht und wenn doch einer von den Angestellten etwas "brummte", entgegnete er ihm "jetzt könnt ihr ja mal richtig durchlüften."

So mancher wunderte sich, woher er seine vielen Informationen bekam. Wer aber aufmerksam durch Eltmann ging, sah ihn öfter auf seinem Motorrad durch die Stadt flitzen. Sein besonderes Interesse galt dabei immer den Baustellen, auf denen er alles unter die Lupe nahm und dann natürlich im Stadtrat die neuesten Nachrichten, aber auch Beschwerden, vorbringen konnte.

Heute weniger Reibereien

Josef Schwemmlein stellt durchaus Veränderungen in der Stadtratsarbeit fest. "Heute geht es im Gremium viel ruhiger und sachlicher zu. Früher gab es mehr Kampfabstimmungen und Auseinandersetzungen."
Er erinnert sich an schwierige Entscheidungen. Dazu zählt er den zweiten Rathausumbau, der damals umstritten war und doch gelungen sei. Mit der Entscheidung für das "Ritz" in Eltmann sei es ähnlich gewesen.

Schwemmlein ist, wie er sagt, heute froh über die gute Entwicklung der Stadt in den letzten Jahrzehnten und kommt dabei beispielhaft auf die Ansiedlung der Papierfabrik Palm zu sprechen: "Ich zolle noch heute unserem ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger Heinz Krönert alle Hochachtung, dass er es mit den Grundstücksgeschäften für diese Firma so gut geschafft hat." Schwemmlein erinnerte an das schwierige Genehmigungsverfahren und die Unterschriftenlisten wegen Ängsten um das Grund- und Trinkwasser oder auch wegen Luftemissionen. Trotzdem habe der Stadtrat am Ende einstimmig diese Betriebsansiedlung beschlossen, über die heute doch alle glücklich sind."

Das Geld aller Bürger

Schwemmlein war während seiner Stadtratszeit in vielen Ausschüssen tätig, anfangs im "Flur- und Körausschuss", wo er auch die Bullen mit heraussuchen durfte - eine Tatsache, die sich jüngere Bürger gar nicht mehr vorstellen können. Eines seiner Spezialgebiete war der Rechnungsprüfungsausschuss, in dem er in den letzten Jahren sogar den Vorsitz war.

So gab "Schlitzohr" Josef Schwemmlein seinen weiter amtierenden Stadtratskollegen den rat mit auf den Weg: "Denkt immer daran, das Geld, das ihr ausgebt, gehört nicht euch, sondern der ganzen Bevölkerung."
Von 1996 bis 2014 war Schwemmlein darüber hinaus "weiterer Bürgermeister-Stellvertreter" und kam in Einsatz, wenn einmal der Erste Bürgermeister und auch seine zwei Stellvertreter nicht erreichbar waren.
Bruno Wittig (CSU) bezeichnete Schwemmlein als spontanen Ratgeber und "lebenden Kalender, der viele Beschlüsse auf der Festplatte seines Gehirns abgelegt hatte und sie jederzeit aufrufen konnte". 48 Jahre im Rat seien eine große Seltenheit.

"Sieben auf einen Streich" nehmen den Hut

"Wir werden ganz sicher öfter mal unsere alten Stadträte vermissen. Politik braucht nicht nur Programme, sie braucht auch Gesichter", sagte Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) bei der Abschluss-Sitzung, bei der sieben Stadträte aus dem Gremium verabschiedet wurden.
Sie waren, wie Bürgermeister Ziegler meinte, " ein Beispiel für Kommunalpolitiker, die sich über Jahrzehnte um das Allgemeinwohl gekümmert haben". Für ihn als jüngeren Bürgermeister sei es wichtig gewesen, auf den Sachverstand der erfahrenen Stadträte zurückgreifen zu können. "Womit unsere Stadt heute punkten kann, an all dem haben sie mitgewirkt.
Allen voran würdiget er Josef Schwemmlein, der die Stadtpolitik über sechs Wahlperioden hinweg mitgestaltet hatte.

36 Jahre waren Rosl Pflaum und Georg Köbrich (beide SPD) im Stadtrat. Auch sie gehören dem Gremium zukünftig nicht mehr an. Rosl Pflaum war in zahlreichen Ausschüssen tätig. Bürgermeister Michael Ziegler stellte heraus, das sie als "soziales Gewissen" galt und mehr die "ärmeren Leute" im Hinblick auf Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten im Blick hatte. Sie habe ehrenamtlich auch viele Rentner beraten. Dem ehrenamtlichen Engagement werde sie sicher treu bleiben.
Auch Georg Köbrich hat sich in etlichen Ausschüssen des Stadtrats verdient gemacht. Der Sportverein und die Vereine seien ihm sehr am Herzen gelegen. Er habe immer wieder sein Wissen eingebracht, sei oft in das Rathaus gekommen und seine Gespräche mit der diplomatischen Redewendung begonnen: "Bürgermeister, gehe ich recht in der Annahme, dass ...".

24 Jahre lang gehörte die Rektorin a.D. Sieglinde Funck dem Gremium an. Bürgermeister Ziegler würdigte ihre soziale und pädagogische Kompetenz, mit der sie immer wieder die Belange der Schulen in Eltmann vertreten und immer wieder betont habe, "vergesst unsere Kinder nicht".

Alois Hofmann aus dem Stadtteil Roßstadt war von 1990 bis 2002 Stadtteilsprecher und von 2002 bis 2014 Stadtrat. Als Mitglied im Bauernverband und als CSU-Ortsvorsitzender sei er ein ehrlicher Ratgeber gewesen und habe insbesondere bei der umfangreichen Dorferneuerung viel an Arbeit geleistet, lobte Bürgermeister Michael Ziegler.

Über zwölf Jahre hinweg war Werner Lang aus dem Stadtteil Roßstad Stadtrat. Er sei Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, habe die Dorfgemeinschaft mitgegründet und als ihr Vorsitzender viele Ideen angestoßen und umgesetzt. Einige Maßnahmen stünden hier die nächste Zeit noch an.

Ludwig Pflaum aus dem Stadtteil Limbach war von 1971 bis 1972 Ortssprecher von Limbach und gehörte dann dem Stadtrat von 2002 bis 2014 an. Er habe als Handwerksmeister viele Ideen eingebracht und auch wohlwollend kirchliche Institutionen und Kindergärten unterstützt, so Ziegler. Auch der neue Kindergarten von Limbach trage seine Handschrift.

Dankesworte an die verabschiedeten Stadträte kamen auch von den Fraktionssprechern. Hans-Georg Häfner (SPD) und gleichzeitig Zweiter Bürgermeister, stellte heraus, dass in Eltmann die Entscheidungen immer zum Wohle der Stadt fielen. Auch Peter Kremer (ÜPL) lobte die außergewöhnliche Zusammenarbeit.






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