Ebern
Premierenveranstaltung

Oldtimertreff Ebern: Alte Liebe rostet nicht

Wenn an Fronleichnam die Freunde älterer PS-Pretiosen in Eberns Altstadt aufmarschieren, erleben sie nicht nur ein Premiere, sondern treffen auch einen besonderer Vertreter dieser Spezies - Bernhard Fischenich.
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Bernhard Fischenich, einst Chef bei FTE und jetzt Kfz-Sachverständiger, mit zwei seiner vielen Mercedes-Oldtimer. Fotos: Ralf Kestel
Bernhard Fischenich, einst Chef bei FTE und jetzt Kfz-Sachverständiger, mit zwei seiner vielen Mercedes-Oldtimer. Fotos: Ralf Kestel
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Er, Jahrgang 1947, seine Lieblinge zum Teil ein paar Jahre älter: Wenn an Fronleichnam Oldtimer aus ganz Deutschland gen Eberns Altstadt und nicht mehr nach Schloss Eyrichshof steuern, gehört Bernhard Fischenich zu den Menschen deren Herzen eine höhere Tourenzahl anzeigen.

Kein Wunder, er kommt in einer Knutschkugel, einer BMW Isetta, und hat auch keine weite Anreise. Der einstige Vorsitzende des Automobilclubs und frühere Chef von FTE automotive hat ein Faible: alte Autos. Über 20 Exemplare davon hat er in diversen Scheunen und Garagen ringsum Ebern stehen.


Ford mit Baujahr 1938

Sein ältestes Stück, ein Ford A (Baujahr 1938), bleibt ebenso unter Verschluss, wie ein Jeep Mercedes G, diverse Volkswagen und Mercedes, wie ein W 140, den Fischenich als "tolles Teil mit allem Schnickschnack" beschreibt, weil ihn auch Helmut Kohl während seiner Zeit als Bundeskanzler benutzt hat.

Der neue Ausstellungsort für Oldtimer in der Altstadt ist ein Testlauf, wie Organisator Gotthard Schleicher, Oldtimer-Beauftragter beim ADAC Nordbayern, zuversichtlich vorausschaut, nachdem man in den letzten Jahren stets im Eyrichshöfer Schlosspark und -hof zu Gast gewesen war.

Bis zu 700 Oldtimer tuckerten stets dorthin. Für den neuen Standort muss selektiert werden. "Ab Baujahr 1985 und älter", so Schleicher ist die Zufahrt zur Innenstadt frei. Neuere Modell müssen sich außerhalb ihr Parkplätzchen suchen. "300 bis 400 Fahrzeuge passen schon rein", gibt sichGotthard Schleicher zuversichtlich.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) war von der Idee, auf den Marktplatz umzuziehen, von Anfang an begeistert. "Das bringt Leben in die Stadt und setzt Impulse für die Gastronomie." Der organisatorische Aufwand für den AC Ebern steigt enorm gegenüber dem eingrenzenden Mauern von Schloss Eyrichshof. "Da sind massenhaft Helfer im Einsatz", wusste Bernhard Fischenich schon vor der Abschlussbesprechung am gestrigen Montagabend. Zwischen 30 und 40 AC-Leute werden es im Verlauf des Tages sein.

"Der Marktplatz wird schnell voll sein", ist sich Fischenich sicher. Nicht nur mit Autos, auch mit vielen Liebhabern der glänzenden Chrom-Raritäten.

Manche fühlen sich dabei in die Zeit zurückversetzt, als sie ihr erstes Auto ihr Eigen nannten. "Ein VW Käfer kostete damals 5000 Mark, jetzt steht einer von meinen seit 25 Jahren rum und ist bis zu 20 000 Euro wert", weiß Fischenich, der nunmehr ein Büro als Kfz-Sachverständiger betreibt und "viele Wertgutachten macht". Auch beim Citroen 2 CV, den "Enten", sei dies so: "Gute Exemplare sind bis zu 40 000 Euro teuer."


Gute Geldanlage

Anlage- statt Auslaufmodelle?"Natürlich steigen die meisten im Verlauf der Zeit im (Liebhaber-)Wert", gibt der Autofan zu, aber: "Von meinen Autos wird keines verkauft."

Er sammle, so lange er denken könne. "Wenn ich einen sehe, der mir gefällt, den ich haben will und der Preis passt, dann kauf' ich ihn", beschreibt der gelernte Maschinenbauer, der seit 1988 in Ebern lebt, seine Leidenschaft, wozu auch "das Schrauben" gehört. Ich freu' mich einfach, wenn ich sie am Laufen halte und ärger' mich, wenn einmal einer stottert." Fischenich werkelt und poliert gerne. Den Einbau einer Hebebühne hat er fest im Visier. "Das muss jeder Yuppie wissen, der so eine Mühle fahren will, dass er damit nicht nur seine Freude hat." Allein an Ersatzteile zu kommen, sei gar nicht so einfach, auch wenn es im Internet dazu viele Foren gebe.

Seine über 20 Modelle hält Fischenich konsequent am Laufen. "Ich habe aber nur eine rote Nummer. Alle anzumelden, wäre ein Wahnsinn ."


Auf Flüssen unterwegs

Ein Modell hat Fischenich aktuell besonders ins Herz geschlossen. Sein Amphicar, das nur in geringer Stückzahl hergestellt wurde. Über Pfingsten war er damit bei Stuttgart und 32 weiteren dieser Kombination aus Straßen- und Wasserfahrzeug auf dem Neckar unterwegs, an Ostern in Holland und am Wochenende erst wieder in Schweinfurt. "Jetzt knirscht es etwas im Getriebe", freut sich der Tüftler schon über die nächste Herausforderung.
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