Obertheres
Bürgerversammlung

Obertheres plant seine Vorhaben akribisch

Die Bürger und der Bürgermeister von Obertheres setzten sich einen Abend lang zusammen und besprachen die Machbarkeitsstudie all der Vorhaben, die in naher Zukunft geplant sind. Ganz klamm ist die Gemeinde nicht, muss aber trotzdem vorsichtig vorgehen.
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Soll die Turnhalle des TV Obertheres (im Bild) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden oder soll sie saniert und nach dem Neubau einer Turnhalle zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden? Diese und weitere Fragen zur Dorfentwicklung von Obertheres standen in der Bürgerversammlung zur Diskussion. Foto: Ulrike Langer
Soll die Turnhalle des TV Obertheres (im Bild) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden oder soll sie saniert und nach dem Neubau einer Turnhalle zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden? Diese und weitere Fragen zur Dorfentwicklung von Obertheres standen in der Bürgerversammlung zur Diskussion. Foto: Ulrike Langer
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Wie soll die Gemeinde Theres ihre vielen anstehenden Aufgaben lösen respektive finanzieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Bürgerversammlung in der Turnhalle in Obertheres, die von über 120 Bürgern besucht wurde.
Für Bürgermeister Matthias Schneider ging es vor allem darum, möglichst viele Meinungen aus der Bevölkerung zu bekommen. Am Ende der dreieinhalbstündigen Versammlung zeigte er sich sehr zufrieden über das Interesse und die Diskussionsbeiträge.

Planungsbüro stellt Machbarkeitsstudie vor

Zunächst wurden die Anwesenden ausführlich über die "Machbarkeitsstudie als Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Innenentwicklung bei öffentlichen Einrichtungen im Ortsteil Obertheres" des Architekturbüros Perleth aus Hambach (Landkreis Schweinfurt) informiert, das verschiedene Problemfelder untersucht hat.
Denn die Schule benötigt eine neue Turnhalle, die Feuerwehr braucht ein neues Gerätehaus und weitere Räume, weil sie künftig stützpunktartige Aufgaben wahrnehmen muss, der Schafhof muss saniert oder abgerissen werden, die Bevölkerung soll ein Dorfgemeinschaftshaus bekommen und der Viehhof könnte im Zuge der Dorferneuerung neu belebt werden.

Joachim Perleth und seine Kollegin Christiane Wichmann erläuterten die dem Gemeinderat bereits mehrfach vorgestellten Ergebnisse aus Gesprächen mit Zuschussgebern, unzähligen Ämtern und den örtlichen Vereinen.
Die Kurzfassung lautet: Sollte die jetzige Turnhalle abgebrochen oder zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden, eine neue Turnhalle sowie ein Spielplatz und ein Allwetterplatz neu errichtet werden, lägen die Kostenrichtwerte abzüglich der Förderung bei rund 1,8 bis 2,1 Millionen Euro.
Die Sanierung des Schafhofs würde sich abzüglich der Fördermittel auf 340 000 bis 474 000 Euro belaufen. Sollte jedoch die Holzkonstruktion des vorhandenen Anbaus schadstoffbelastet sein, müsste er abgebrochen werden.

Eventuell vom einem europäischen Fonds profitieren

Wenn im Viehhof unter dem Motto "Leben in historischen Mauern" eine Veranstaltungshalle, eine Freifläche für Veranstaltungen und ein Kulturhaus als Haus der Vereine mit Mehrzweckräumen, Seminarräumen, Räumen für den Bürgerdienst Theres und die Bürgerbuszentrale entstünden und die Feuerwehr integriert würde, läge der Kostenrichtwert bei 7,5 Millionen Euro. Doch eventuell könnte die Gemeinde vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) profitieren und die bestmögliche Förderung von rund 3,17 Millionen Euro erhalten.
Zudem hat sich die Gemeinde auch um eine "Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus" beworben. "Sollte das Projekt Viehhof realisiert werden, würde die Gemeinde durch den Wegfall anderer Projekte 2,6 bis 3,6 Millionen Euro sparen", sagte Christiane Wichmann. "Dann würden sich die Mehrkosten zwischen 733 000 Euro und 1,7 Millionen Euro bewegen." Die Entscheidung für die Realisierung des Viehhof-Projekts, so Joachim Perleth, sei für die Gemeinde sicher nicht einfach. "Aber was dann entstehen könnte, würde Obertheres megamäßig nach vorne bringen", sagte er und machte dem Gemeinderat Mut, das "große Ziel" in Etappen anzugehen.

Manuela Weigl warb für das Viehhof-Projekt. "Warum sollten wir mehrere Hunderttausend Euro in den Schafhof investieren, obwohl er jedes Jahr Verluste bringt?", fragte sie. Andererseits stelle sich ihr die Frage, ob nach einer Umnutzung der Turnhalle zu einem Dorfgemeinschaftshaus wirklich alle Bedürfnisse der Vereine und der Wunsch der Bürger, private Feiern abzuhalten, abgedeckt werden könnten. "Meiner Meinung nach bietet der Viehhof für alles die beste Lösung", erklärte sie.
Auch Petra Wagner gefällt das Projekt Viehhof. "Ich hätte keine Angst vor großen Schulden, die über viele Jahre abbezahlt werden könnten", sagte sie.
Alfred Schmitt sprach die Folgekosten an, die allerdings noch nicht berechnet sind. Joachim Perleth betonte aber, dass "wir nichts weglassen können". Eine neue Turnhalle für den Schulsport, ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein Dorfgemeinschaftshaus würden auf jeden Fall benötigt. Doch dann würden sich auch die Energiekosten reduzieren.
Der Bürgermeister gab die jährliche freie Finanzspanne der Gemeinde abzüglich der Pflichtaufgaben mit rund 204 000 Euro an. "Ganz blank sind wir nicht", teilte er mit. Ohne Kredite könnten zwar keine Investitionen geleistet werden; doch dann erhalte die Gemeinde auch einen Gegenwert.
Der frühere Bürgermeister Hans-Peter Reis favorisierte ebenfalls den Viehhof und den Abbruch der Turnhalle mit Neubau an gleicher Stelle. Angesichts der niedrigen Zinsen müsse die Gemeinde keine Angst vor neuen Schulden haben.

Ist ein Alten- und Pflegeheim geplant?

Rudi Firsching wollte wissen, ob die Gemeinde ihre Fühler auch nach anderen Nutzungsmöglichkeiten des Viehhofs wie dem Bau eines Alten- und Pflegeheims ausstrecke. "Es gibt immer wieder einmal eine Anfrage", antwortete der Bürgermeister, "aber die Gemeinde müsste das Grundstück verschenken." Ziel der Dorferneuerung sei nun einmal auch die Schaffung eines Dorfgemeinschaftshauses, das in Obertheres fehle. Der Neubau einer Turnhalle und eines Feuerwehrgerätehauses seien keine Ziele der Dorferneuerung. "Sollten wir eine neue Turnhalle in Form eines Mehrzweckgebäudes errichten, würden wir keine Fördermittel erhalten", gab er an.
"Das Rückgrat einer Gemeinde ist das Bürgerengagement, doch der Egoismus nimmt zu", sagte Alfred Schmitt. Doch Matthias Schneider erwiderte, dass es viele Bürger gebe, die sich "unheimlich engagieren". Auch Ludwig Hahn war der Ansicht, dass sich gerade im Zuge der Dorferneuerung immer wieder Leute einsetzten, um etwas aufzubauen. "Es muss was passieren, damit der Ort für die Einwohner und auch für Neubürger interessant und zukunftsfähig wird", betonte er. Die Ideen zum Viehhof passten dazu, auch wenn die Gemeinde ihre finanziellen Möglichkeiten gut prüfen müsse.

Motivation für alle vom Kommandanten der Feuerwehr

Walter Klein vermisste zwar Wortmeldungen der Vereine, die doch mehr Platz bräuchten und diesen am Viehhof bekommen könnten. Aber auch er war der Ansicht, dass sich die Bürger, wenn sie denn gefordert würden, engagieren würden. Der Kommandant der Feuerwehr, Stefan Hartling, setzte noch eins oben drauf: "Wir Feuerwehrleute wollen etwas verändern, wir sind motiviert und wir werden unsere Arbeitskraft nächstes Jahr wieder für ein Projekt zur Verfügung stellen!"

Der Bürgermeister, der sich für dieses Angebot bedankte, stellte schließlich fest: "Ich favorisiere das Viehhof-Projekt, weil es einen Mehrwert ergibt und weil der Viehhof ein Stück Geschichte darstellt. Für mich wäre es ein bisschen fahrlässig, diesen Teil der Geschichte dem Erdboden gleichzumachen. Stattdessen sollten wir überlegen, wie wir den Viehhof beleben können, damit jeder etwas davon hat, und wie wir die Fördergelder erhalten."
Als Zuschüsse des Amtes für ländliche Entwicklung zur Dorferneuerung in Obertheres, Buch und Wagenhausen könnten laut Schneider in Buch 650 000 Euro, in Obertheres 800 000 Euro, davon 250 000 Euro für Einrichtungen, die der Dorfgemeinschaft zugutekommen, und in Wagenhausen150 000 Euro erwartet werden. In Obertheres gebe es, wenn der Viehhof saniert werden sollte, nochmals 150 000 Euro Zuschuss.

Wahl des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft

Am 25. November wird der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft um 19 Uhr im Mehrzweckgebäude in Buch gewählt. Ihm gehören drei Bürger aus Obertheres, zwei Bürger aus Buch und ein Bürger aus Wagenhausen sowie dementsprechend viele Stellvertreter an. Wahlvorschläge sind bis 24. Oktober an die Gemeinde zu richten. Wählbar sind alle Bürger der drei Ortsteile; wählen dürfen aber nur Bürger, die ein Grundstück in dem Dorferneuerungs-Gebiet besitzen.

Schneider teilte weiter mit, dass der Ruheforst, eine moderne Form der Urnenbestattung, im Wald links der Kreisstraße von Obertheres nach Buch, bis Ende 2015 abschnittsweise in Betrieb genommen werden soll. Träger ist die Gemeinde Theres, während Achim Graf von Beust als Eigentümer des Walds den Ruheforst auf einer Fläche von rund 20 Hektar für die Dauer von 99 Jahren betreiben wird. Der Wald wird auch weiterhin begehbar sein.

Heuer hat die Gemeinde 15 220 Euro für die Erneuerung und Ergänzung der Spielplätze sowie 1700 Euro für den Unterhalt investiert, wobei der Bauhof 181 Stunden geleistet hat.

Nochmals sprach Matthias Schneider allen, die an der Sanierung der Aussegnungshalle mitgearbeitet hatten, seinen Dank aus. Immerhin hatten Erwachsene der Feuerwehr 40 Stunden, die Jugend der Feuerwehr 46 Stunden und die Bürger unter der Regie von Rudi Firsching 225 Stunden ehrenamtlich gearbeitet, der Bauhof 30 Stunden mitgewirkt und Klaus Dindorf die Figur des auferstandenen Christus für 357 Euro gegen Witterungseinflüsse behandeln lassen.

Knapp eine Million Euro wird in das Gewerbegebiet investiert

Wie der Bürgermeister weiter mitteilte, investiert die Gemeinde knapp eine Million Euro in die weitere Erschließung des Gewerbegebiets in Obertheres. "Das ist ein Schweinegeld, das aber gut angelegt ist", sagte er. "Denn dadurch haben wir einen Betrieb in der Gemeinde gehalten, der sonst weggezogen wäre." Derzeit plane eine private Firma, Bauland zu erschließen, und wer Bedarf an einem Grundstück habe, solle sich bei der Gemeinde melden. Da sich ein Bürger über den "Schweinegeruch" beschwerte, der immer wieder Anwohner in Obertheres belästigt, erklärte Matthias Schneider, dass der landwirtschaftliche Betrieb in Untertheres alle Anforderungen erfülle. Er werde aber mit dem Landratsamt klären, ob der Landwirt auf freiwilliger Basis Verbesserungen herbei führen könne.
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