Oberschwappach
Friedenswallfahrt

Oberschwappacher strampeln für den Frieden

54 Radler aus Oberschwappach setzen bei einer Tour nach Polen im Sattel ihrer Drahtesel Zeichen. Nächstes Jahr geht's weiter.
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Die Oberschwappacher haben unterwegs Tagesetappen bis zu 135 Kilometern gemeistert. Fotos: privat
Die Oberschwappacher haben unterwegs Tagesetappen bis zu 135 Kilometern gemeistert. Fotos: privat
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Die polnische Grenzstadt Görlitz war Ziel der ersten Etappe einer Friedenswallfahrt, deren zweite Etappe im nächsten Sommer weiter bis nach Tschenstochau in Polen führen soll. Thematischer Mittelpunkt der spirituellen Impulse auf der Radwallfahrt mit 54 Teilnehmern aus Oberschwappach war das Gedenken des Jahres 2015 an 70 Jahre Kriegsende, Holocaust, Flucht und Vertreibung sowie 25 Jahre Wiedervereinigung.

Dass das Thema Flucht und Vertreibung im Jahr 2015 hierzulande so hautnah zu erleben sein wird, hatte bei den Vorbereitungen niemand geahnt. So gab es auf der Radwallfahrt Gedenken an Vergangenes, aber auch viele Gebete und Bitten aus aktuellem Anlass und Überlegungen, wie jeder einzelne sich beim Thema Flucht und Vertreibung einbringen kann.
Alles begann mit der traditionellen Radwallfahrt von Oberschwappach nach Vierzehnheiligen, der sich auch in diesem Jahr wieder etwa 100 Radler anschlossen.
Bei einem "Friedensfest" vor dem Gnadenaltar in der Basilika , so berichteten einige Teilnehmer, "erkannten wir, dass der Friede zuerst bei uns selbst beginnen muss und der Heilige Geist das Seine dazutut".


In Vierzehnheiligen getrennt

Am zweiten Tag trennten sich die Wege der Wallfahrtsgruppe. Ein Teil machte sich auf den Heimweg, den anderen Teil zog es Richtung Osten, genauer gesagt, nach Kloster Marienthal, welches nahe der deutsch-polnischen Grenze liegt. Auf der 88 km langen Tagestour durch den Frankenwald besuchten die Radpilger den Altvaterturm, der einst als Erinnerungs- und Begegnungsstätte von Heimatvertriebenen errichtet worden war und als Ort der Versöhnung gilt unter dem Motto "Vergessen können wir nicht, aber Verzeihen".


Dank für Friede und Wohlstand

"Mit einem Gefühl der Dankbarkeit, dass wir in Frieden und Wohlstand leben dürfen", heißt es m Bericht der Pilgergruppe weiter, erreichte die Gruppe Probstzella, wo sie der Pfarrer mit offenen Armen begrüßte. In der evangelischen Kirche wurde gebetet und gesungen.
Der Weg führte am dritten Tag die Saale entlang nach Bad Kösen (116 km). Die Rad-Pilger beschäftigten sich auf dieser Etappe mit dem inneren Frieden, den zu finden als ein lebenslanger Prozess angesehen werden muss. Mittags kehrten sie in Jena ein. Am Etappenziel in Bad Kösen, so heißt es in dem Bericht weiter, "wurden wir von unseren Tour-Guides auf die dortige Burg gejagt, um noch ein paar Höhenmeter extra zu absolvieren".
Tag vier der Pilgerreise begann mit einem Morgenimpuls im Naumburger Dom, wo der ortsansässige Pfarrer spontan eine kleine Andacht abhielt. Diese wurde, wie auch alle anderen Impulse, von den Wallfahrtsmusikanten mitgestaltet. Durch die gewaltige Akustik im Dom unterstrichen die Musiker die Stimmung. Auch waren sie auf der Wallfahrt das ein oder andere Mal für "Gänsehaut-Feeling" verantwortlich.


In der Nikolaikirche

Am Ende der 78 Kilometer langen Etappe an diesem sehr heißen Tag, erreichten die Radler Leipzig. Bei einer Führung in der Nikolaikirche erfuhren sie einiges über die Friedensgebete, die der Anfang der friedlichen Revolution in der DDR waren und schließlich zur Wiedervereinigung führten. So war zu hören, dass ein führender Sicherheitsbeamter damals sagte: "Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten."
Nach einem Bummel durch Leipzig genossen viele im historischen Auerbachkeller ein gemütliches Abendessen.
Das Pflaster im 135 Kilometer entfernten Großenhain erinnerte ans Mittelalter und war eine Bewährungsprobe für Sattel und Hinterteil. Doch auch diese Strapazen wurden von allen gut überstanden. Durch die fleißigen Helfer im Begleitfahrzeug wurden die Akteure obendrein stets mit genügend Getränken versorgt, um den heißen Temperaturen zu trotzen.


135 Kilometer am Stück

Auf der längsten Etappe dieser Wallfahrt wurde den Pilgern den Angaben zufolge durch die Impulse klar, dass Christen aufgerufen sind, Menschen, die ihre Heimat, unter welchen Umständen auch immer, verloren haben, willkommen zu heißen, sie zu unterstützen und ihnen zu helfen, eine neue Heimat zu finden. Einer der Pilger: "Gerade in diesen Tagen wird uns dies auch wieder ganz besonders bewusst, wenn wir an die vielen Flüchtlinge denken, die in unseren Landkreis kommen und Zuflucht suchen".
Das nächste Ziel der Radwallfahrt war Dresden, das die Gruppe über den malerischen Elbe-Radweg, vorbei an Meißen, nach 60 Kilometern erreichte. Eine Führung und eine anrührende Andacht in der Frauenkirche, der Besuch der neuen Synagoge der Jüdischen Gemeinde, die Begegnung mit zwei Juden und ein arabisches Abendbuffet waren besondere Erlebnisse an diesem tag.
Auf dem Weg nach Bautzen standen Verzeihen und Versöhnen im Fokus der Gedanken. In einem ehemaligen Stasi-Gefängnis gewannen die Teilnehmer bei einer eindrucksvollen Führung Einblicke in den Gefängnisalltag der Stasi-Gefangenen.
Mit der Ankunft am nächsten Nachmittag in Görlitz endete die erste Hälfte der Friedenswallfahrt nach Tschenstochau. Überglücklich über das Ankommen feierten alle Wallfahrer im Park einen Impuls, bei dem alle Impulselemente der Wallfahrt aufgegriffen und zu einem Großen, Ganzen zusammengefügt wurden. Übernachtet wurde die kommenden zwei Nächte im malerischen Kloster Marienthal, von wo aus noch Ausflüge unternommen wurden.
Hauptorganisator der Wallfahrt war Manfred Vogt. Martina Schierling und Traudi Oppelt hatten die tiefgehenden spirituellen Impulse vorbereitet.

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