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Ebern
Medizin

Not mit den Ärzten

Die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung, die ärztlichen Bereitschaftsdienste für den Landkreis in Haßfurt zu zentralisieren, stoßen in Ebern auf Widerstand. Nun soll der Stadtrat eine Resolution abfassen.
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Bei den Notdiensten bahnen sich gravierende Veränderungen an. Foto: Eckehard Kiesewetter
Bei den Notdiensten bahnen sich gravierende Veränderungen an. Foto: Eckehard Kiesewetter
Ein kollektiver Notruf hallt durch die Haßberge. Die Bürger im Osten des Landkreises fürchten um die Sicherheit ihrer medizinischen Versorgung und ziehen allerhand Hebel, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen: Flammende Appelle in den sozialen Netzwerken, klar, beispielsweise durch einen User von infranken.de, der mit "Epino" zeichnet: "Eberner Patienten in Not."

Aber auch durch eine Unterschriftenaktion der CSU und der Frauenunion, oder durch eine Petition, in der mehrere Kommunen das kollektive Gewicht der künftigen "Baunach-Allianz" schon mal auf eine erste Nagelprobe stellen wollen. Nun liegt auch noch ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion für die Sitzung des Stadtrats am Donnerstag vor. Dieser soll eine Resolution erlassen.


Der Bevölkerung brennt es unter den Nägeln, denn sie weiß, dass höhere Gewalten drauf und dran sind, am Bereitschaftsdienst der zunehmend schwindenden Zahl der Allgemeinmediziner in der Region herumzudoktern.
Nach dieser "Operation", so zeichnet sich ab, werden die Menschen in der Region weitere Wege in Kauf nehmen müssen, wenn an den Wochenenden der Hausarzt dringend nötig wäre, aber nicht erreichbar ist.
Hintergrund sind die Bestrebungen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), den hausärztlichen Bereitschaftsdienst neu zu organisieren. Seit Monaten liefen deshalb Gespräche mit den im Landkreis ansässigen Haus- und Fachärzten, denn den Dienst in drei Dienstgruppen (Ebern, Haßfurt, Hofheim) wie bisher wird es bald nicht mehr geben. Auch dass der Arzt den Bereitschaftsdienst grundsätzlich in den eigenen Räumen leistet, dürfte bald der Vergangenheit angehören.

Mehrere Jahre lang hatten sich die Ärzte im Kreis Haßberge der Idee einer zentralen Bereitschaftspraxis erfolgreich widersetzt, doch nun scheinen sie sich den Zwängen zu beugen. Hintergrund sind sicher die Kosten, vor allem aber die Personalprobleme, denn etliche Arztpraxen in der Region stehen altersbedingt zur Übergabe an, aber es fehlt an Nachfolgern. Das gilt den Angaben zufolge vor allem in den Dienstgruppen Ebern und Hofheim, wo es zu wenig Ärzte für den Bereitschaftsdienst gibt.


Zentrale Anlaufstellen

Um diesem Missstand Abhilfe zu schaffen, will die KVB Bereitschaftspraxen als zentrale Anlaufstellen installieren. Nach ursprünglichen Plänen sollte solch eine Praxis ein Einzugsgebiet von etwa 150 000 Einwohnern bzw. potenziellen Patienten erreichen. Eine Praxis hätte man dann beispielsweise in Schweinfurt eingerichtet und Fahrdienste dorthin angeboten.

Dieses Damoklesschwert haben Kreispolitiker wohl in Gesprächen abbiegen können, doch nun deutet alles darauf hin, dass es künftig nur noch eine Bereitschaftspraxis für den Landkreis geben soll, und die wird dem Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken angegliedert. Dort will man dann, um fehlende Dienstzeiten aus dem Notarzt-Reservoir unter den Hausärzten aufzufangen, sogenannte Poolärzte einsetzen.
Nach Haßfurt, so wird argumentiert, muss niemand im Landkreis weiter als 30 Kilometer und länger als 30 Minuten fahren. Das sei zumutbar.


Ebern als Standort?

Nicht zumutbar, finden viele Menschen im Raum Ebern, die sich im Falle eines Leidens nicht über Gebühr quälen und nicht noch lange Fahrt- und Wartezeiten in Kauf nehmen wollen. Die SPD-Fraktion, vertreten durch Brunhilde Giegold, fordert den Eberner Stadtrat jetzt in einem Eilantrag auf, das Thema Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst für die Region Ebern in der nächsten Stadtratssitzung zu behandeln und mit den Ärzten vor Ort und der Kassenärztlichen Vereinigung in Verhandlung zu treten. Es geht um eine Lösung, die Ebern in den Mittelpunkt rückt.

Die Antragsteller erwarten längere Fahrten und Wartezeiten, denn: "Es stehen nach der heutigen Planung der Kassenärztlichen Vereinigung nur noch Bereitschaftspraxen in Haßfurt, Schweinfurt, Coburg, Bamberg, Scheßlitz und Burgebrach zur Verfügung." Der Eberner Raum läge irgendwie ungeschickt mittendrin. Giegold und Co. schlagen daher vor, im Stadtrat eine Resolution zu verabschieden, die eine landkreis- und regierungsbezirksübergreifende Lösung für ein "Zwischengebiet" auf der Basis der angestrebten "Baunach-Allianz" schafft.
Die SPD schlägt Ebern als Standort für einen weiteren Bereitschaftsdienst vor, um auch für dieses "Zwischengebiet" eine gute Versorgung der Patienten zu gewährleisten. "Dadurch könnte die ländliche Region zwischen den bestehenden und geplanten Bereitschaftspraxen ohne große Fahrdienste versorgt werden," schreiben die SPD-Vertreter in ihrem Eilantrag an den Stadtrat.

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