Fabrikschleichach
Wissenschaft

Neulich im Steigerwald: Eure Durchlurchtigkeit, ein Foto bitte

Der Titel "Lurch des Jahres 2016" bringt dem Feuersalamander Aufmerksamkeit. Forscher aus Berlin hoffen im Steigerwald auf die Hilfe von Spaziergängern.
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Der Feuersalamander war gefragt bei dem gemeinsamen Pressetermin des Berliner Museums für Naturkunde und dem Forstbetrieb Ebrach. Fotos: Andreas Lösch
Der Feuersalamander war gefragt bei dem gemeinsamen Pressetermin des Berliner Museums für Naturkunde und dem Forstbetrieb Ebrach. Fotos: Andreas Lösch
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Fertig? Ja? Na gut, vielen Dank. Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen. Der Feuersalamander watschelt behäbig davon. Er ist ein höflicher Zeitgenosse. Fürs Foto hatte der schwarz-gelbe Lurch eine Minute lang regungslos auf dem Millimeterpapier ausgeharrt. Dann zog er von Dannen. Versuchte es zumindest, aber da waren ja noch mehr Fotografen. Also schnappte sich die Biologin Carolin Dittrich den Salamander und setzte ihn zurück auf den hellen Untergrund. Nochmal von vorne

Dann war es das: Das Tierchen durfte zurück in sein Habitat nahe dem Wotansborn. Das ist eine Quelle am Erlesbach im Steigerwald bei Fabrikschleichach. Ein kleines Waldstück wie gemacht für den Feuersalamander, den Lurch des Jahres 2016. Mit diesem Titel der "Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde" ist der Feuersalamander im Moment der Star in der Amphibienszene.


Der Steigerwald ist das, was Lurche ziemlich gut finden

Weil noch dazu der Steigerwald eines der größten Vorkommen des Feuersalamanders in Deutschland hat und sich hier noch weitere Amphibien (Synonym für Lurche) wie Gelbbauchunke und allerlei Frosch- und Krötenarten tummeln, kommen immer wieder Forscher her. Die Biologen Mark-Oliver Rödel und Carolin Dittrich vom Museum für Naturkunde in Berlin reisen die rund 430 Kilometer von der Hauptstadt in die beschauliche Gemeinde Oberaurach nicht nur gern, wie sie betonen, sondern tatsächlich auch notgedrungen: "Bei uns gibt es keine Feuersalamander", sagt Dittrich. Der Lebensraum im Norden sei kaum geeignet für die Tiere.

Im Steigerwald dagegen fänden die Amphibien genau das, was sie suchen: naturnahe, nicht allzu tiefe Bachläufe im Quellbereich für das Larvenstadium (in tieferen Gewässern warten Fressfeinde wie Forellen und andere Fischarten) sowie Laubwald mit Totholzbestand (als Rückzugsmöglichkeit und Jagdrevier) für die adulten Tiere.
"Unklar ist noch, wie viele Tiere genau im Steigerwald leben und was ihre Population beeinflusst", sagt Mark-Oliver Rödel. Bei einer Pressekonferenz in Fabrikschleichach am Mittwoch (27. April) hat der Forscher mit seiner Kollegin Dittrich und dem Leiter des Forstbetriebs Ebrach, Ulrich Mergner, das Projekt "Amphibien-Taskforce" vorgestellt. Die Berliner Forscher benötigen für ihre Arbeit viele Daten, die sie alleine nicht erheben können.

Deshalb helfen die Mitarbeiter des Forstbetriebs: Wenn die Waldarbeiter einen Feuersalamander (oder auch eine Gelbbauchunke) entdecken, fotografieren sie sie und notieren den genauen Fundort. Wegen ihrer individuellen Musterung auf dem Rücken (oder dem Bauch bei der Gelbbauchunke) lassen sich die Tiere eindeutig identifizieren.


Jeder kann mithelfen

Carolin Dittrich will diese Daten wissenschaftlich auswerten und so zum Beispiel auf das Wanderverhalten und den Lebensraum der Amphibien schließen. Aber die Forscher brauchen noch mehr Hilfe: Auch die Beobachtungen von Spaziergängern sollen mit einfließen. Dabei geht es laut Dittrich nicht darum, aktiv nach Feuersalamandern zu suchen. Die Tiere sollen, sofern sie zufällig beobachtet werden, lediglich fotografiert werden, ohne sie groß zu beeinträchtigen.

Zusammen mit den Standortdaten können die Beobachter die Daten an die E-Mail-Adresse carolin.dittrich@mfn-berlin.de schicken. Ach ja, und nicht vergessen, den Lurch vor dem Fotografieren um Erlaubnis zu fragen: Gestattet Ihr ein Foto, Eure Durchlurchtigkeit?

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