Memmelsdorf
Bauprojekt

Neues Gemeindehaus ist fast fertig

In entsteht ein Gemeinschaftsprojekt, das viele helfende Hände und Ideen vereint. Der Clou ist ein Kunstprojekt an der Außenfassade.
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Fast fertig? Bis zum 25. Juni 2017 dauert es noch. Dann wird das Gemeindehaus, wo gegenwärtig Ehrenamtliche am Werkeln sind, eingeweiht. Rundum ist das Gebäude mit Kunstwerken biblischer Geschichten versehen.  Fotos: Helmut Will
Fast fertig? Bis zum 25. Juni 2017 dauert es noch. Dann wird das Gemeindehaus, wo gegenwärtig Ehrenamtliche am Werkeln sind, eingeweiht. Rundum ist das Gebäude mit Kunstwerken biblischer Geschichten versehen. Fotos: Helmut Will
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In alten Pfarrhäusern war früher alles unter einem Dach. Die Wohnung des Pfarrers, Gemeinderäume, Büro und Archiv. Das Pfarrhaus in Memmelsdorf - derzeit entsteht dort der Neubau eines Gemeindehauses- hat schon einige Mieter erlebt, da über längere Zeit hinweg nur die Räume im Erdgeschoss wurden von Gemeindegruppen genutzt wurden. Seit dem Jahr 2004 wohnte in dem Haus niemand mehr, es war renovierungsbedürftig.


Von langer Hand geplant


Konkrete Überlegungen für eine künftige Nutzung hatte der Kirchenvorstand hierzu schon im Jahr 2007 angestellt und die Planung begann. In die Überlegungen wurden Gemeindeglieder, Baufachleute und die Landeskirche eingebunden. "Seit 2014 bauen wir endlich, mit viel Eigenleistung, sagte Pfarrerin Sonja von Aschen, "aber trotzdem bleiben enorme Kosten". Mit etwa 400 000 Euro wird das Projekt zu Buche schlagen.
"Ungefähr ein Drittel, also circa 150 000 Euro bekommen wir von der Landeskirche und wir hoffen auf eine Eigenleistung im Gegenwert von circa 80 000 Euro", sagt die Pfarrerin. Die restlichen Kosten von etwa 170 00 Euro muss die Kirchengemeinde selber aufbringen und hofft hier auf viele weitere Spenden.

Dass seit Baubeginn einiges geschehen ist, kann man sehen. Auf einer Fläche von 15 auf acht Metern wurde ein neues Gebäude errichtet. Immer wieder, vor allem an Samstagen, konnte man seit langer Zeit beobachten, dass am Gemeindehaus zahlreiche freiwillige Helfer beschäftigt waren, darunter auch Pfarrerin von Aschen und Bürgermeister Helmut Dietz (SPD). Das Gesicht der Pfarrerin "erstrahlt," als sie sagt, dass bisher Spenden von etwa 10 000 Euro eingegangen sind.


35 Bilder an der Fassade

Im Jahr 2013 sei das "Bilderprojekt" angepackt worden. Mit dem Künstler Gerhard Mayer habe man jemandem gefunden, der sich viele Gedanken über das Projekt gemacht hätte. Er sei erst einmal einige Zeit durch Memmelsdorf gelaufen, um den Ort auf sich wirken zu lassen, bevor er erste Vorschläge unterbreitete. "Was wir heute an der Fassade des Hauses sehen, ist meiner Meinung nach ein gelungenes Stück Kunst, was andere auch so sehen." Zwei Spenden in Höhe von je 1000 Euro und eine über 500 Euro wurden für die Bilder gegeben, freut sich die Geistliche. Sie weiß, dass es für die Gemeindeglieder interessant ist, was die Kunstwerke, die rund um an der Fassade des Gebäudes zu sehen sind, kosten. "1000 Euro pro Bild, insgesamt 35 000 Euro sind das." Sie kommt nochmals auf die Bilder zu sprechen und sagt: "Das Schöne ist, wenn man aus der Kirche herauskommt, sieht man die Bilder als Bilder und wenn man näher kommt, zerfallen sie."

Biblischen Geschichten werde man nicht gerecht wenn man nur von weiten auf die Bilder blicke. Um sie zu verstehen müsse man "tiefer bohren" und "dazu laden die Bilder durchaus ein", so die Geistliche.
Fasziniert ist sie von dem Kunstprojekt: "Dieses besticht durch seine inhaltlichen Aussagen auf biblische Geschichten." Zunächst erschienen die Kunstwerke auf den ersten Blick klar und einfach. Nehme man sich aber Zeit und den Vorsatz, die nötigen Informationen, um biblische Geschichten verstehen zu wollen, erkenne man, dass sie viele Farbfacetten haben und dass sie vieles sind, nur nicht einfach. "In den biblischen Geschichten stecken Erkenntnisse über Menschen an sich und als Geschöpf Gottes. Und das zu erkennen und zu erfassen, ist keine einfache Sache", sagte die Pfarrerin.


Etwa 50 Helfer

An diesem Samstagvormittag sind sechs Frauen und Männer am Gemeindehaus tätig. "Insgesamt beträgt der Helferstamm so um die 50 Personen", sagte Sonja von Aschen und beziffert die bisher geleisteten freiwilligen Arbeitsstunden auf 1870. "Ich danke allen Menschen, die helfen, die Vision des Gemeindehauses Realität werden zu lassen und hierbei schweißtreibende Arbeit mit Kopf und Hand verrichten", sagt Sonja von Aschen.
Bei einem Rundgang im Gemeindehaus, vom Dach bis zum Keller, wird deutlich, dass das Haus "durchgeplant" wurde, mit viel Raum für Veranstaltungen mit Nebenräumen, sanitären Anlagen und Kellerräumen.


Viele Ideen fließen ein

Als Architektin steht Renate Schubart-Eisenhardt zur Verfügung, die sich als aktives Gemeindemitglied einbrachte. "Wir hatten ja nicht unbedingt einen Fertigstellungstermin festgelegt, weshalb wir noch während der Bauzeit unsere Vorstellungen individuell anpassen konnten", erläutert die Pfarrerin. Begeistert ist sie davon, dass sich viele Laien und Fachleute mit Ideen einbrachten.
Ziel sei es gewesen, im Erdgeschoss einen möglichst großen Raum mit behindertengerechtem Zugang zu schaffen. "Das konnten wir verwirklichen. Neben dem Raum haben wir im Erdgeschoss noch Platz für eine kleine Küche, einen kleinen Abstellraum, ein behindertengerechtes WC und den Flurbereich mit der Treppe nach oben", erläutert Sonja von Aschen.
Im Obergeschoss gebe es noch einen Gemeinderaum und zwei WCs. Der Keller ist fast noch der alte, da das neue Gebäude auf dem Keller des vorherigen Pfarrhauses errichtet wurde.
"Unser Gemeindehaus in Memmelsdorf ist ein lange dauerndes Projekt. Wir werden in den nächsten Monaten zur Vollendung kommen, am 25. Juni 2017 soll es eingeweiht werden", sagt die Pfarrerin. In dem Gebäude stecke viel Schweiß und Energie.


Einweihung im Juni

Die Verwirklichung eines solchen Projektes gestalte sich ganz anders als bei einem Familienhaus. "Da reden viele mit, was sinnvoll und gewollt ist, nach zweieinhalb Jahren ist das Haus immer noch nicht fertig, weil jeder Schritt überlegt sein will und das Geld da sein muss, damit am Ende etwas den Erfordernissen des Hauses Entsprechendes herauskommt."
Klar sei, dass sich durch die enorme ehrenamtliche Mitarbeit der Bau in die Länge zieht, aber ehrenamtliche Arbeit sei ein unverzichtbarer Baustein des Hauses. Dass die Gemeindemitglieder, Laien wie Fachleute so gut mitziehen freut die Pfarrerin, die in Untermerzbach ihr Pfarrhaus hat und Seelsorgerin für den gesamten Gemeindebereich Untermerzbach ist.
"Das Gemeindehaus in Memmelsdorf ist ein gutes Projekt und ich freue mich schon jetzt, wenn wir dieses mit neuem Gemeindeleben erfüllen", sagt Sonja von Aschen.


Der Künstler

Die Bilder am neuen Gemeindehaus Memmelsdorf mit biblischen Motiven stammen von dem 1962 in Mittenwald geborenen Künstler Gerhard Mayer, der in Nürnberg wohnt. Er absolvierte von 1987 bis 1993 ein Studium der freien Grafik und Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Von 2003 bis 32004 hatte er einen Lehrauftrag an dieser Akademie.
Die Bilderserie am Gemeindehaus Memmelsdorf beziehe sich direkt auf dem historischen Bilderzyklus im Innenraum der gegenüberliegenden Kirche, sagt Mayer. Die 31-teilige Malerei mit Ölfarbe auf Aluminium sei bisher die einzige, welche im Außenraum installiert wurde.


Herausforderung zwischen Nähe und Distanz

Die Motive sind, so der Künstler weiter, dem neutestamentarischen Bilderzyklus der Kirche entnommen.
Jeder einzelne Pinselstrich enthalte ein Spektrum an Farbverläufen und Schattierungen. Dadurch werde die Bildfläche in Portionen zerlegt, die sich erst in der Überlagerung wieder zu einem Motiv vereinen.
Dadurch könne der Betrachter beim Verlassen der Kirche, noch der Ansicht der historischen Bildmotive gegenwärtig, einen direkten Bezug zu dem farbintensiven Bilderzyklus auf der Fassade des Gemeindehauses herstellen. Beim Annähern würde sich die Motivik immer wieder auflösen.
Der Betrachter werde aufgefordert, sich die Arbeit aus der Nähe und der Distanz zu erschließen.
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