Lembach
Familienunternehmen

Nach vier Generationen ist Ende

Leo und Hildegard Thein haben nach der Brauerei 2011 nun auch die Gastwirtschaft geschlossen. Zur Kirchweih kehrt damit in dem Eltmanner Stadtteil Lembach eine gewisse Ruhe ein. Die Theins haben einiges nachzuholen.
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Ihren herrlichen Hof genießen Hildegard und Leo Thein jetzt  privat. Nach der Brauerei ist jetzt auch die Gastwirtschaft Thein in Lembach  zu. Foto: sw
Ihren herrlichen Hof genießen Hildegard und Leo Thein jetzt privat. Nach der Brauerei ist jetzt auch die Gastwirtschaft Thein in Lembach zu. Foto: sw
"Das sind meine beiden neuen Stammgäste", lächelt Leo Thein und zeigt auf die Modell-Hubschrauber, die in der ehemaligen Gaststube auf den Tischen stehen. Roland und Reiner hat er sie genannt. Leo Thein hat jetzt Zeit für Hobbys, denn nach der Brauerei ist jetzt auch die Gastwirtschaft in Lembach geschlossen. Letzte Woche haben Leo und Hildegard Thein nochmal mit Stammgästen gefeiert, jetzt sind sie endgültig im Ruhestand.

1866 hat Philipp Klarmann die Brauerei in Lembach gegründet, vier Generationen haben sie seitdem weitergeführt. Damit die Familientradition nicht abbricht, ließ sich Leo Theins Mutter als ganz junge Frau in die Pflicht nehmen. Nachdem der Bruder im Krieg gefallen war, warf die Einserschülerin der "Englischen Fräulein" ihre Lebensplanung über den Haufen und übernahm Brauerei und Wirtschaft.

Auch Leo Thein musste früh einsteigen, denn 1968 verunglückte sein Vater tödlich. Für ihn und seine Frau, die er 1976 heiratete, war es selbstverständlich, den Betrieb weiter zu führen, auch wenn es nicht leicht war. Laufkundschaft gibt es in Lembach praktisch gar nicht, und der Ort ist auch zu klein, damit sich eine Wirtschaft alleine durch die Ortsbevölkerung tragen würde. So lebte Thein von der Qualität seines Bieres und von der auswärtigen Stammkundschaft, die er sich erwarb.

Diese Stammkundschaft wusste genau, dass es bei Thein zwei Höhepunkte im Monat gab: die Schlachtschüssel und am Sonntag darauf die Spezialitäten aus dem Holzbackofen. Zu beiden Anlässen musste man sich Platz reservieren, immer war es brechend voll. Werktags war das anders, außer wenn sich Gruppen, wie etwa die Überparteiliche Liste Eltmann, angesagt hatten. Die Kommunalpolitiker schätzten den gemütlichen Gastraum für Versammlungen und Fraktionssitzungen.

So blieb an den übrigen Öffnungstagen die Küche kalt, Brotzeiten wurden zum Thein-Bier serviert. Zwei Ruhetage gönnten sich die Theins in den letzten Jahren. "Aber wirklich frei waren die auch nicht", so Hildegard Thein, denn am Dienstag wurde gebraut, und am Montag musste die Brauerei dafür vorbereitet werden.

Wegen des hohen Arbeitsaufwandes spielte Leo Thein seit seinem 60. Geburtstag mit dem Gedanken, wie und wann denn Schluss sein sollte. Seine Kinder hat er nie gedrängt, den Betrieb zu übernehmen. Beide haben studiert, der Sohn ist Wirtschaftswissenschaftler, die Tochter erfolgreiche Wissenschaftlerin in der Krebsforschung. Weil die Eltern immer viel zu tun hatten und weil Lembach verkehrlich etwas abseits liegt, verbrachten beide die Gymnasialzeit in Internaten.

Der Ausstieg lief in zwei Etappen: Am 9. April 2011 wurde das letzte Bier abgefüllt, seitdem ist die Bierstadt Eltmann um eine Facette ärmer. Dann wurde eine Sanierung der Küche nötig, die Theins schlossen wegen Renovierung. Die neue Küche wurde zwar eingebaut, doch ist sie jetzt das private Reich von Leo und Hildegard. "Die Gerüchte gingen schon, dann haben wir neulich inseriert, dass wir nicht mehr aufmachen".

Mittlerweile ist Leo Thein 65 geworden "und alle Gäste und auch die Lembacher haben Verständnis für unsere Entscheidung", freut sich der Gastwirt. Das wurde auch bei der Abschiedsveranstaltung deutlich. Ortssprecher Horst Röder, Feuerwehrkommandant Erhard Graser und Dritter Bürgermeister Peter Klein dankten der Familie Thein. Alle drei bedauerten zwar, dass Brauerei und Gastwirtschaft nun geschlossen sind, betonten aber auch, dass der Schritt nachvollziehbar sei.

Leo und Hildegard Thein haben sich fest vorgenommen, im Ruhestand vieles nachzuholen, was bisher auf der Strecke blieb. Reisen stehen auf dem Wunschzettel. Leo Thein hat seit Schließung der Brauerei Haus und Hof umfassend renoviert. Als auch das letzte Scheunentor neu gestrichen war, begegnete er in Bamberg Vater und Sohn mit einem Modelflugzeug. "Das könnte mir auch gefallen", dachte er sich, und nun macht er die ersten Flugversuche mit seinen beiden Hubschraubern. Jetzt fahren die Theins erstmal ein paar Tage weg. Sie wünschen der Feuerwehr viel Erfolg bei der Ausrichtung der Kirchweih. Diesmal wird es das Kirchweih essen im Gemeinschaftshaus geben, und Leo Thein hofft, dass nicht nur die Lembacher, sondern auch die auswärtigen Gäste dieses Angebot annehmen. sw


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