Haßfurt
Caritas-Sommerfest

Musik verbindet die Völker in Haßfurt

Tatjana Gorzny aus Eschenau möchte einen "Chor der Nationen" gründen. Dafür machte sie schon einmal Werbung bei den Asylbewerbern im Landkreis Haßberge. Das Caritas-Sommerfest für Deutsche und Ausländer wird gerne angenommen.
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Tatjana Gorzny aus Eschenau (rechts) möchte einen "Chor der Nationen" gründen und stellte ihr Projekt beim Sommerfest von Ausländern und Deutschen des Caritasverbandes für den Landkreis Haßberge in Haßfurt vor. Yeshi Getie (links) aus Äthiopien hörte dabei aufmerksam zu. Fotos: Ulrike Langer
Tatjana Gorzny aus Eschenau (rechts) möchte einen "Chor der Nationen" gründen und stellte ihr Projekt beim Sommerfest von Ausländern und Deutschen des Caritasverbandes für den Landkreis Haßberge in Haßfurt vor. Yeshi Getie (links) aus Äthiopien hörte dabei aufmerksam zu. Fotos: Ulrike Langer
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Es war ein schönes - und trotz des Umstands, dass die meisten Besucher Flüchtlinge waren - ein fröhliches Fest: Das gemeinsame Sommerfest von Ausländern und Deutschen des Caritasverbands für den Landkreis Haßberge, des Freundeskreises Asyl und der Schwangeren-Beratungsstelle des Sozialdienstes Katholischer Frauen im Garten des Julius-Echter-Hauses in Haßfurt ließ die Asylbewerber für ein paar Stunden ihre teils sehr bedrückende Situation vergessen.

Speisen aus den Heimatländern

Dieses Jahr waren alle Besucher aufgefordert gewesen, Speisen aus ihren Heimatländern zuzubereiten und mitzubringen. So konnten sie die verschiedensten Köstlichkeiten aus vielen Ländern der Erde genießen. Doch nicht nur über das Essen kann man sehr viel über ein Land erfahren.
"Fremde Kulturen sind auch über Lieder besser zu verstehen", sagte Tatjana Gorzny aus Eschenau, wo derzeit Flüchtlinge aus Armenien und Afghanistan leben.

"Ich singe für mein Leben gerne und weiß, dass gemeinsames Singen, die Musik und der Klang der Stimmen verbinden können. Daher möchte ich einen Chor der Nationen gründen", erzählte sie. "Wir können einander besser verstehen, wenn wir die Lieder der anderen kennen, und wir können gerade aus den Volksliedern die Seele eines Volkes erspüren."

Erstes Treffen am 1. August im evangelischen Gemeindehaus in Haßfurt

Die Idee wird vom Caritasverband, vom Ergosom-Verein und vom evangelisch-lutherischen Dekanat Rügheim unterstützt. So findet am Samstag, 1. August, von 9 bis 12 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Haßfurt das erste Treffen statt. "Wir werden mit einem Frühstück beginnen, um uns kennen zu lernen, und anschließend singen", sagt die Chorleiterin. Sie stellt sich vor, dass mit einem deutschen Volkslied oder auch nur mit Klängen begonnen wird. Später sollen bei den Treffen immer ein Frühstück aus einem anderen Land zubereitet und auch aus diesem Land ein Lied gesungen werden. "So kann ein Stückchen Heimat miteinander geteilt werden", sagte Tatjana Gorzny.

Dass Singen zur Integration beiträgt, zeigte der Auftritt des Chors der Singschule von Monika Schraut in Zeil. Er führte mit Ausländerkindern aus der Caritas-Mittagsbetreuung der Grundschule Zeil-Sand das Mini-Musical "Max der Roboter" von Anja Gossen auf. Diese mit sehr viel Beifall bedachte Darbietung fand im Rahmen des Aktionstages "Musik in Bayern" statt, die heuer unter dem Motto "Musik kennt keine Grenzen" steht.

Später bereicherten Thomas Barthelmes (Gitarre/Gesang) vom gleichnamigen Musik-Coaching aus Haßfurt, Michael Kögler (Gitarre/Gesang) und Angelo David (Percussion) das Sommerfest überwiegend mit Eigenkompositionen von Thomas Barthelmes. Er ist auch in der Betreuung der Flüchtlinge in Haßfurt ehrenamtlich engagiert und gibt einem jungen Syrer die Möglichkeit, bei ihm mitzuspielen. Er hat ihn bereits mehrmals zu Auftritten mitgenommen.

Außerdem präsentierten Margot und Kurt Weigand aus Haßfurt eine Powerpoint-Präsentation über Syrien. Das im Freundeskreis Asyl ehrenamtlich engagierte Ehepaar hat die Patenschaft für einige Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak übernommen, die in Haßfurt wohnen. "Wir haben zweimal Syrien bereist und wollen mit unseren Bildern zeigen, wie das Land früher einmal aussah, was mittlerweile zerstört wurde und dass es wirklich Gründe für die Bevölkerung gibt, von dort zu fliehen", teilte Margot Weigand mit.

Rund 520 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis Haßberge

Hildegard Wolf von der Caritas-Asylberatung berichtete, dass derzeit rund 520 Asylbewerber im Landkreis wohnen. "Es ist gut, dass wir viele dezentrale Unterkünfte haben", sagte sie, "denn so bilden sich in den einzelnen Gemeinden Helfer kreise, die sich um die einzelnen Asylbewerber kümmern." Syrer erhielten sehr schnell Asyl und holten anschließend ihre Familien hierher, um dann eine Wohnung und eine Arbeitsstelle zu suchen. "Gerade jetzt suchen wir dringend eine Wohnung oder ein Haus für Mohammed Jaser aus Syrien, dessen Frau in Kürze mit den sieben gemeinsamen Kindern in den Landkreis kommt", erklärte Hildegard Wolf. Wer ein solches Objekt vermieten kann, sollte sich mit der Caritas in Haßfurt in Verbindung setzen.

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