Ebern
Engagement

Molto, ein Wort und das Miteinander

Dank des Kindergartens Lauter und des Helferkreises Asyl erfahren Flüchtlingskinder in Ebern, wie Integration funktionieren kann.
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Clown Dirk Bayer versteht es, die Flüchtlingskinder aus der Reserve zu locken und zum Mitmachen zu animieren. Sprachprobleme spielen bei der Kommunikation mit seiner lustigen Handpuppe rasch keine Rolle mehr. So wird der Nachmittag im Asylbewerberheim in Ebern zu einem schönen Erlebnis für alle Beteiligten. Foto: Tanja Roppelt
Clown Dirk Bayer versteht es, die Flüchtlingskinder aus der Reserve zu locken und zum Mitmachen zu animieren. Sprachprobleme spielen bei der Kommunikation mit seiner lustigen Handpuppe rasch keine Rolle mehr. So wird der Nachmittag im Asylbewerberheim in Ebern zu einem schönen Erlebnis für alle Beteiligten. Foto: Tanja Roppelt
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Ebern Sobald die Kiste vom Tisch auf den Boden plumpst, ist das Eis gebrochen: Das multikulturelle Publikum lacht sich schief. Viele von ihnen können zwar noch kein deutsch, aber die Sprache von Clown Dirk Bayer ist international - Späße versteht jeder. Und so kommen 70 Kinder und 60 Erwachsene, Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine, Albanien und Äthiopien an einem Nachmittag im Dezember in ihrer Gemeinschaftsunterkunft für ein paar Stunden auf andere Gedanken.

Ermöglicht hatte den Auftritt des Bamberger Theaterpädagogen, Schauspielers und Clowns Bayer der Kindergarten Lauter. Dessen Leiterin Anette Müller hatte die Aktion "Kinder malen große Künstler" initiiert, die dabei entstandenen Bilder versteigert und 200 Euro erlöst.

Dieses Geld spendete der Kindergarten dem Helferkreis Asyl in Ebern, in dem sich eine Handvoll Ehrenamtlicher vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge im Frühjahr 2014 zusammengetan hat. "Wir heißen Menschen aus Krisengebieten bei uns willkommen und zeigen ihnen, dass ihr Schicksal uns nicht unberührt lässt", sagt stellvertretend für den Helferkreis Anna Luckhardt. "Wir wollen, dass die Flüchtlinge über die staatliche Grundversorgung hinaus Hilfe erhalten und Zugang zu unserem Gemeinwesen finden."


200 Flüchtlinge vor Ort

Mittlerweile arbeiten 35 Frauen und Männer im Helferkreis zusammen. Die steigende Zahl der Ehrenamtlichen kam zum rechten Zeitpunkt: Seit gut einem Jahr sind 200 Flüchtlinge aus Krisengebieten im Stadtgebiet Ebern, in Jesserndorf, Bramberg und Fischbach untergebracht, es ist ein ständiges Kommen und Gehen.

Die meisten wohnen in der alten Eberner Kaserne. Vom Helferkreis bekommen sie Sprachunterricht, Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen, Unterstützung bei der Suche nach einem Kindergartenplatz oder bei den Hausaufgaben. Von Anfang an sammelten die Ehrenamtlichen außerdem Kleidung, Schuhe und Schulsachen, die seit kurzem übersichtlich in einer eigenen Kleiderkammer in der alten Kaserne aufbewahrt werden. Ebenfalls neu ist ein Raum mit gespendeten Nähmaschinen, an denen die Flüchtlingsfrauen arbeiten können.
Anna Luckhardt ist mit ganzem Herzen für die Flüchtlinge im Einsatz. "Im direkten Kontakt erkennt man, wie ähnlich man sich ist. Das Fremde geht schnell weg. Diese Menschen haben so viel durchgemacht. Bei uns können sie Ruhe finden und zugleich Neues lernen", sagt sie.

Im Helferkreis bringt sie sich so wie alle nach den eigenen Fähigkeiten ein. Zum Austausch treffen sich die Ehrenamtlichen einmal im Monat und darüber hinaus bei gemeinsamen Aktionen wie Ausflügen und Festen - oder eben einem Theaterstück mit Clown.


Gute Idee

Kindergarten und Helferkreis hatten beschlossen, den Erlös der Bilderversteigerung für etwas Besonderes auszugeben. Und das bekamen sie von Dirk Bayer geliefert: Mit einem selbst verfassten Stück zum Thema Flüchtlinge und Integration für Kinder ab vier Jahren.

Bayer alias Clown Bonzo arbeitet mit einfachen Mitteln: Er kommt mit einer Kiste auf die Bühne und die fällt erst mal vom Tisch. Lacher! Im Publikum sitzen, aufgeteilt auf zwei Aufführungen, gänzlich unterschiedliche Menschen. Da sind jene, die schon seit einem Jahr in Ebern sind und durch Unterricht oder Schule bereits deutsch können. Doch da sind auch die anderen, die erst vor ein paar Wochen ankamen und naturgemäß kaum etwas verstehen.

Bayer geht auf dieses Thema geschickt ein und hat in seine Kiste jemand gesetzt, der unsere Sprache nicht kann. Er heißt Molto. Das einzige, was der Fremde sagt ist: "Grützlimützli". Immer wieder: "Grützlimützli".
Das Publikum versteht schnell - hier geht es um ein Kommunikationsproblem und die Frage, wie man trotzdem miteinander in Kontakt treten und klarkommen kann. Bayer schafft es mit einer Mischung aus Spaß und Ernst, die Kinder mit ins Boot zu holen. Clownesk animiert er zum Mitmachen und bald wagt sich der ein und andere zum Interagieren auf die Bühne. Mit oder ohne große Worte - und herrlich schokoverschmierten Mündern - zeigen die Kinder dem unsicheren Molto, wie das funktionieren kann mit dem Fremden. Das Eis ist gebrochen, ein Miteinander fernab der großen politischen Bühne im kleinen Rahmen spielerisch gelungen.



Helferkreis Asyl

Finanzierung Der Helferkreis wird von der evangelischen und katholischen Kirche Ebern, der Volkshochschule und dem Weltladen Ebern getragen. Er finanziert seine Arbeit ausschließlich über Spenden und hat zuletzt vom Soroptimist Club Würgau-Fränkische Schweiz 150 Euro bekommen. Auch Privat- und Geschäftsleute unterstützen die Arbeit des Helferkreises. Spendenkonto: Ev. Kirchengemeinde Ebern, Stichwort Asylbetreuung, Sparkasse Ostunterfranken,
IBAN: DE 15 7935 1730 0000 6010 47 - BIC: BYLADEM1HAS. Auf Wunsch werden Spendenquittungen erstellt.


Lichtstube

Sie wird von Ingo Hafenecker vom Heimatmuseum initiiert und betreut und bietet im November und Dezember die Möglichkeit zum gemeinsamen Handarbeiten und Austausch. Immer donnerstags kommt der Helferkreis Asyl mit Frauen aus Afghanistan und der Ukraine dazu. Der letzte Termin ist am Donnerstag, 17. Dezember, um 19 Uhr, Interessenten sind willkommen.
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