Haßfurt
Schultheater

Modernes Leben in dramatischen Szenen

Die "Greifswalder Straße" liegt in Franken. Zumindest für die Dauer der Aufführung der Theatergruppe am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt. Die Gymnasiasten spielten das Theaterstück "Auf der Greifswalder Straße" von Roland Schimmelpfennig im Silberfisch am Schulzentrum in Haßfurt und machten damit Eindruck. Über den großen Beifall freute sich Regisseurin Katrin Hiernickel mit ihren Laienspielern und der Projektband.
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Fantastische und teils surrealistische Momente gibt es in dem Theaterstück "Auf der Greifswalder Straße" von Roland Schimmelpfennig, mit dem die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt unter der Regie von Katrin Hiernickel und die Projektband unter der Leitung von Alexandra Weber schon bei der Premiere einen großartigen Erfolg feierten. Im Vordergrund Jakob Stuhlfelder als Hans. Foto: ul
Fantastische und teils surrealistische Momente gibt es in dem Theaterstück "Auf der Greifswalder Straße" von Roland Schimmelpfennig, mit dem die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt unter der Regie von Katrin Hiernickel und die Projektband unter der Leitung von Alexandra Weber schon bei der Premiere einen großartigen Erfolg feierten. Im Vordergrund Jakob Stuhlfelder als Hans. Foto: ul
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"Ich bin sehr beeindruckt", sagte Ines Heiduk aus Wülflingen bei der Premiere. "Vor allem bin ich überrascht, wie selbstbewusst die Schüler agieren und wie gut sie das Stück schauspielerisch umgesetzt haben."

Besonders fasziniert war die Zuschauerin von den Großstadtszenen, aus denen sich das Stück zusammensetzt. "Bestechend war, wie ‚durchgepeilt‘ die Figuren sind, die der Autor gezeichnet hat, und wie sie neben der Spur laufen. Am besten gefällt mir, dass die Probleme der Jugend skizziert werden", sagte Ines Heiduk. "Das Stück zeigt auf, dass viele alleine sind und trotzdem versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Das ist es, was die heutige Jugend lernen muss: ihren Weg zu finden."

Millieustudie

Mit der metaphysischen Milieustudie "Auf der Greifswalder Straße" hatte Katrin Hiernickel kein leichtes Stück für die Elftklässler ihres Grundkurses "Dramatisches Gestalten" in der Q11 gewählt. Die Jugendlichen erarbeiteten diese Studie zusammen mit Schülern der achten bis zehnten Klasse und Abiturienten.

Roland Schimmelpfennig, einer der meistgespielten deutschen Dramatiker der Gegenwart, beleuchtet in 63 Szenen einen Tag in der Greifswalder Straße in Berlin. Es sind Schlaglichter, surrealistische und fantastische Momente in den 24 Stunden im Leben so unterschiedlicher Personen. Sie treten ins Bühnenlicht, geben ein Stück aus ihrem Leben preis und verschwinden wieder. Erst scheinen die Personen unabhängig voneinander zu agieren, bis sich für den Zuschauer verblüffende und melodramatische Zusammenhänge eröffnen.

Schlaglichter auf Einzelschicksale

Ein Mann sucht seinen Hund. Rudolf träumt, er habe noch 24 Stunden zu leben. Simona wird von einem Hund gebissen, und Bille stirbt, ohne es zu merken. Hans singt Lieder in Sprachen, die er nicht versteht, während Babsi die ganze Nacht über Fotos macht. Ein junger Mann zündet als Liebesbeweis eine Kette an und ein Bauarbeiter findet einen eingemauerten Tauflöffel. Eine Frau wird immer dünner, obwohl sie mehr isst, und ein Mann hat den Kontakt mit seinen Freunden verloren.

Episoden im Leben der Alltagsfiguren, in denen sich Wahn und Witz ihrer Zwangshandlungen aus Liebe und Leere widerspiegeln, und in denen Träume, Sehnsüchte sowie menschlichen Abgründe der modernen Gesellschaft offenbar werden.

Das Packende an der ersten Aufführung war, wie die Schüler ihre Rollen lebten. Schließlich hatten sie immer nur Minuten für ihren Auftritt. Doch von Szene zu Szene schälten sie den Charakter "ihrer" Figur mehr und mehr aus dem Undurchsichtigen heraus.

Grandios, weil überaus authentisch, agierten Lorenz Schneidmadel als Rudolf, der nur noch 24 Stunden zu leben hat, Maxine Korn als Bille und Julia Ringer als Maika, die für einen dramatischen Ausgang sorgt. Aber auch Dorina Mühr als Babsi, Laura Dürbeck, Laura Schneider, Luisa Steinhäuser und Katharina Rudolph als Radiomoderatorinnen sowie Felicia Jilke und Larissa Henke als junge Frauen verkörperten ihre Rollen mit Bravour. Nina Dorbrands zu dünne Frau ließ dem Publikum direkt Schauer über den Rücken laufen.

Humoristische Akzente wiederum setzten Markus Korb als Rocker sowie Moritz Schuck, Carolin Eichmann und Jonas Thelenberg als Rumänen. Unterlegt mit Liedern und Musik der Projektband (Leitung Alexandra Weber) erlebten die Zuschauer eine faszinierende Aufführung. Katrin Hiernickel leistete als Regisseurin gute Arbeit und war beim langen Schlussapplaus stolz auf die Akteure. Hatten sie doch die Hauptprobe und größtenteils auch die Generalprobe selbst organisieren und eigenverantwortlich leiten müssen, da Katrin Hiernickel durch einen Unfall verhindert war. "Sie haben das großartig gemacht", betonte sie.

Die Mitwirkenden

Die Mitwirkenden: Jonas Pfeufer, Elisabeth Melber, Lorenz Schneidmadel, Markus Korb, Annika Büchner, Oliver Kupczyk, Nina Dorband, Felicia Jilke, Larissa Henke, Julia Ringer, Maxine Korn, Tina Männling, Sophia Rein, Moritz Schuck, Jakob Stuhlfelder, Paulina Heumann, Laura Dürbeck, Luisa Steinhäuser, Katharina Rudolph, Jessica Schmidtke, Lisa-Marie Behrendt, Lea Sidon, Lara Appel, Marius Teufel, Dorina Mühr, Michael Schwarz, Carolin Eichmann, Moritz Schuck, Jonas Thelenberg, Laura Schraudner, Laura Schneider, Leitung/Regie: Katrin Hiernickel.
Die Projektband: Moritz Thelenberg, Carolin Hümpfner, Anna-Lena Friedrich, Peter Friese, Herbert Selig, Frank Lehrl, Daniel Heil, Simon Sperl. Leitung Alexandra Weber.
Gesang: Luisa Steinhäuser, Lea Sidon, Jakob Stuhlfelder, Sophia Rein, Markus Korb, Jörg Thelenberg, Alexandra Weber.
Technik: Paul Mentzel und Andreas Scherbach, Leitung: Jörg Thelenberg
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