"Lieber Gott, ich schlag vor, mir sachng Du zuänanner." Diesen Titel trägt das neueste Buch von Wilhelm Wolpert, das in Kürze erscheint. In gewohnt humorvoller Art, aber auch mit ernsthaften Gedanken angereichert, hat der Mundartdichter aus Haßfurt seine "fränkischen Gebetli" in Gedichten und Prosatexten zu Papier gebracht.
"Glaube ohne Humor ist bigott, und Humor ohne Glaube wäre lächerlich", zitiert Wilhelm Wolpert bei einem Gespräch über sein 14. Buch den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und bringt dabei sein Anliegen auf den Punkt. "Wir können ohne Glauben nicht leben, und auch der Humor gehört zum Leben einfach dazu", sagt er.

Hintersinnig und frech


Fast sein ganzes Leben hat sich der 74-jährige Mundartautor mit dem Humor beschäftigt und in seinen Texten die Franken witzig, hintersinnig, frech und einfallsreich charakterisiert, wofür er 2007 mit dem Frankenwürfel ausgezeichnet wurde.
Nun hat er seine im Lauf mehrerer Jahre gesammelten "Gebete" in einem Buch zusammengefasst. "Die positive Resonanz auf einzelne Reime oder Geschichten, die ich bei Kreuzbergwallfahrten oder bei der ,Sinnzeit' (der besonderen Gottesdienstreihe der Familienseelsorge des katholischen Dekanats Haßberge, d. Red.) vorgetragen habe, hat mir dazu Mut gemacht", erklärt er zu seiner Motivation für sein neuestes Buch. So entstand das neueste Buch, das auf 88 Seiten "Fränkischa Feiertagsgebetli", "Fränkischa Stoßgebetli", "Freilich aa ernsthafta Überlegunga" und "Fromma, fränkisch-fröhlicha Gebetli" enthält.

Sünde an der Scöpfung


Wie immer setzt sich der Autor auch kritisch mit verschiedenen Aspekten auseinander, zum Beispiel mit der Gier, der Gedankenlosigkeit, der Überheblichkeit oder dem Egoismus der Menschen. Auch hat er sich Gedanken darüber gemacht, wie sich der Mensch an Gottes unbeschreiblicher Schöpfung versündigt. Die Prunksucht in der Kirche, die Leere in den Gotteshäusern, die Frage, ob man, auch wenn man nicht mehr in der Kirche ist, in Gottes Kirche drin sein darf, oder der Zölibat haben den Dichter beschäftigt. Wobei sein Zukunftsromänchen "Zölibazi", in der die katholischen Pfarrer gezwungen werden zu heiraten, besonders zum Nachdenken anregt.
"Meine Kritik an aus meiner Sicht überholten Vorstellungen ist wohlwollend gemeint, nicht destruktiv", erklärt Wilhelm Wolpert, der glaubt, dass jeder ordentliche Mensch vor Gott bestehen kann. Besonders freut ihn, "dass es jetzt den fröhlichen Glauben gibt, aa bei die geistlichng Herrn. Und dass mir nix mehr, wie früher, von oben runter abgekanzelt wern." Außerdem ist er der Meinung: "Ees is sicher, lieber Gott, wenn mir lachng, iss es dir angenehm. Warum sonst häst du uns als eenzicha Lebewesen die Fähigkeit derzu gäbm?".

Glaube und Gemeinschaft


Die "Gebete" hat er für diejenigen geschrieben, die verunsichert sind und mit den Religionsgemeinschaften nicht mehr viel anfangen können. "Ich hoffe, dass sie dazu beitragen können, Ängste abzubauen und lockerer mit dem Glauben, mit Gott und den Religionsgemeinschaften umzugehen", betont Wilhelm Wolpert. Denn ein Glaube ohne Gemeinschaft ist für ihn undenkbar.
Er selbst kennt jede Menge Gebete und Liedtexte, die ihm (und vielen anderen wahrscheinlich auch) nichts mehr sagen. Er wünscht sich, dass seine "Gebetli" die Leser ansprechen. Von seinen Gedanken, die darin eingeflossen sind, gefallen ihm selbst die am besten, in denen das Wort danken vorkommt. "Wir leben in einer so wunderbaren Welt und sind zumindest hier in Deutschland so reich, dass wir ruhig öfter einmal Gott danken sollten."
Sein Verhältnis zu Gott beschreibt er als "persönliche, ehrliche und zuversichtliche Beziehung". Denn "sonst hätte ich ihm ja nicht das Du angeboten", meint er schmunzelnd in Bezug auf den Titel seines Buches.

Zum neuen Buch


Das Buch "Lieber Gott, ich schlag vor, mir sachng Du zuänanner - Mei fränkischa Gebetli" von Wilhelm Wolpert, für das Helmi Scheuring das Titelbild entwarf, erscheint am 17. Oktober (Montag) im Verlag M. Naumann, Hanau. Das Werk hat 88 Seiten und kostet 13 Euro.
Ein Fernsehbeitrag über Wilhelm Wolpert und sein neues Buch wird am Dienstag, 11. Oktober, 17.30 Uhr, im Bayerischen Fernsehen in der "Frankenschau aktuell" gesendet.
Die zwei folgenden Gedichte sind kleine Kostproben aus dem Buch: "Weniger redn, mehr sagen: Also, ich muss scho sag, Herr, des war heut in der Kirch net es Gelbe vom Ei.
Natürlich, net ä jeder Pfarrer kann gut predig, des seh ich scho ei. Herr, schick uns Pfarrer, die wu Bescheid wissn, vo dem, was sa redn. Mir macherts aa nix, wenn sa ä Fraa wärn oder wenn sa eena heier derf tätn."
"Was kummt dernach? Was kummt nachng Tod, Herr, warum secht uns des keins? Gibt's kein Läbm nachng Tod oder gibt's vielleicht doch noch eins? Ich gläb, wenn du gewollt häst, dass alles versinkt in Nacht, dann häst du uns Menschen doch erst gar net gemacht. Hoffentlich gibt's ke Zeit mehr und ke Zahl, dort bei dir.
Den Zustand könna mir uns gar net vorstell auf Erden hier. Geld braucht mer dort kenns, es hat aa noch kenner äwas mitgenumma. Aber es muss aa ohne Geld schö sei. Es sinn noch ke Beschwerden kumma. Es iss doch scho komisch, jeder Mensch möchert gern wiss, wie's nachng Sterbm, o Herr, bei dir da drüben wohl iss. Kenner wäß was. Stimmt des mit dem Himmel am End sogar? Ich bin fei aa neugierig, aber ich dräng mich net vor."