Mit Körbchen und Lexika bewaffnet stehen sie da, 30 Naturliebhaber und Hausmannskostfanatiker, und warten voller Vorfreude auf den Mann der Stunde. Kaum ist Lothar Krieglsteiner aus dem Auto ausgestiegen, findet er sich inmitten seiner liebsten Untersuchungsobjekte wieder, die ihm aus besagten Körbchen entgegengestreckt werden - Pilze.
Eigentlich sollen die erst noch gefunden werden, denn im Rahmen der zweiten "Eberner Pilztage" begibt sich der Experte mit allen Interessenten auf große Schatzsuche. Doch auch so mancher Gartenfund gibt eben einiges her, und so erklärt der Biologe mit Doktorgrad noch vor Aufbruch, dass der Grünblättrige Schwefelkopf giftig ist, und besser auf keinem Teller landen sollte.

Ab ins Gebüsch


In überschaubaren Grüppchen geht es dann ab durch die Hecke und rein in den Wald. Ein kleiner Wettkampf entbrennt: Wer findet den exotischsten Pilz? Die Köpfe stets nach unten geneigt, suchen Krieglsteiners Gefährten den belaubten Boden ab. Große Hoffnungen hat der Experte allerdings nicht: "Pilze mögen feuchtes Klima und keine großen Temperaturschwankungen. Tagsüber 20 Grad, nachts 15, dann sprießen sie."
Mit diesem Wunschklima kann das diesjährige Kirchweihwochenende gewiss nicht dienen, deshalb scheint sich die Prophezeiung des Kenners vorerst zu bestätigen: Es landen nicht grade viele verschiedene Pilze in den Körben der Sammler. Wer jedoch immer wieder ihren Weg kreuzt, ist ein huttragender Holzbewohner mit braunem Kopfschmuck und rosaroten Lamellen - der rehbraune Dachpilz. "Nach was riecht der denn?", fragt Krieglsteiner und schickt das Fundstück auf Nasenrundfahrt. Er blickt in ratlose Gesichter. Nach einem Gewürz? "Rettich!", löst er das Rätsel auf. "Ha!", geht die Erleuchtung reihum und beim wiederholten Schnuppern kann jeder den prägnanten Geruch erkennen. Die meisten Wanderer sind vor allem darauf aus, appetitliche Speisepilze (er)kennen zu lernen.

Klappern im Wind


Tatsächlich kann Krieglsteiner einen echten Leckerbissen präsentieren, den gemeinen Klapperschwamm. Der hat nicht nur einen Hut, sondern gleich dutzende, die sich spatelförmig übereinanderschieben. Wenn der Wind durch die Hüte fährt, schlagen die Fruchtkörper aneinander und der Pilz "klappert" - daher der Name. "Ein vorzüglicher Speisepilz", lobt ihn der Biologe. "Ich find den richtig lecker, dafür lass' ich eine Marone gerne stehen."
Zu den wichtigsten Pilzen, die man kennen muss, zählt Krieglsteiner aber gerade nicht die genießbaren, sondern vielmehr die hochtoxischen, tödlichen: "Grüner und weißer Knollenblätterpilz, spitzbuckeliger und orangefuchsiger Raukopf. Wenn man die erkennt und stehen lässt, ist man schon mal auf der sicheren Seite."
Am Ende des Streifzugs kommt etwa auf jeden Teilnehmer eine entdeckte Art. Dr. Krieglsteiner nimmt sich die Zeit, jedem Finder die seine zu erklären. Der Stiel eines bestimmten Pilzes ist besonders biegsam und faserig. Als Krieglsteiner nach der Art fragt, und die korrekte Antwort erhält, strahlt er: "Toll, Sie erkennen jetzt schon Rüblinge!"

260 Arten gezeigt


Zur Ausstellung am Sonntag gesellen sich zu den Eberner Findlingen noch einige aus der Rhön und aus Thüringen dazu. "Ich habe mal durchgezählt, wir kommen auf rund 260 Arten", erzählt der Fachmann. Stellvertretend für den Co-Veranstalter (neben VHS und Tourismus- und Werbegemeinschaft), den Bund Naturschutz, ist auch der Kreisvorsitzende Klaus Mandery vor Ort. Er plant, nachdem die Pilztage mit so großer Begeisterung angenommen wurden, eine kleinere Frischpilzausstellung auf dem ehemaligen Kasernengelände aufzuziehen. Für diejenigen, die kein ganzes Jahr auf die Rückkehr des "Pilzpapstes" warten können.