Ebern
Vernissage

Mit Schleifpapier am Grenzzaun gearbeitet

Die Künstlerin Andrea Thema zeigt mit ihrer Ausstellung in Ebern ihren ganz persönlichen Blick nach "Drüben" in die "Ostzone". Für sie gehörte die innerdeutsche Grenze, die für sie mensch-, tier- als auch umweltverachtend war, zum Leben dazu.
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Begegnungen an der Grenze: Andrea Thema (links) und Renate Ortloff, Kulturbeauftrage am Landratsamt Haßberge, kamen über die historischen Collagen ins Gespräch. Foto: Johanna Eckert
Begegnungen an der Grenze: Andrea Thema (links) und Renate Ortloff, Kulturbeauftrage am Landratsamt Haßberge, kamen über die historischen Collagen ins Gespräch. Foto: Johanna Eckert
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Feierte die Republik am 3. Oktober den Tag der deutschen Wiedervereinigung und den Beginn des gemeinsamen deutschen Weges, so ist doch die Sache mit trennenden Zäunen und Grenzen präsenter denn je. "Wir sind mit Strömen von Flüchtlingen konfrontiert und müssen feststellen, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit erneut versuchen, sich in der Gesellschaft zu etablieren", sagte Kunsthistorikerin Daniela Uher in ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung von Künstlerin Andrea Thema.

Auf ganz eigene Art und Weise hat die Künstlerin Andrea Thema, in Maroldsweisach geboren und nur wenige Meter entfernt vom Grenzzaun aufgewachsen, ihre Erinnerungen an die innerdeutsche Grenze mit Schleifpapier und anderen harten Materialien verarbeitet.

Daraus entstand die Ausstellung "Blick nach DRÜBEN", die bis 15. November im Eberner "Kunsttempel", der Xaver-Mayr-Galerie, zu sehen ist. Diese Ausstellung war unter anderem bereits in Berlin zu sehen und hat sich zur Wanderausstellung entwickelt. Nicht umsonst, denn sie ermöglicht es, sich mit der Geschichte auseinander zusetzen und dafür Verständnis zu wecken.

Es geht auch um Heimat und Fremde. In der Regel stiftet die Heimat "eine fixierte Zugehörigkeit, Identität und damit Kontinuität", erklärte Daniela Uher, die als Freundin von Andrea Thema seit einigen Jahren die Arbeiten der Künstlerin begleitet.

Die Abstraktion von Heimat stellt Andrea Thema mit ihrer Sicht auf die nahen Gleichberge in Thüringen und Landschaftseindrücken aus dem östlichen Grabfeld dar. "Darunter kann man sich etwas vorstellen", meint Ingo Hafenecker vom Bürgerverein. "Man muss sich aber damit beschäftigen", empfiehlt er.
Im Gegensatz zur Heimat bedeutet "das Fremde meist Unruhe, Bedrohung von Identität und Störung der bestehenden Traditionen", zeigte Daniela Uher vom Germanischen Nationalmuseum in ihrer Laudatio am Samstag auf. Wenn es um die Fremde geht, spielt die Künstlerin Andrea Thema mit Farben von Rot-, Ocker-, Braun- über Grau- bis hin zu Schwarztönen.

"Das Grau assoziiert den Stacheldraht, das Braun die Felder und den verminten Niemandsstreifen, das Rot die Toten und das Schwarz die Trauer", so Uher.

Die Farben finden Anklang bei den Gästen der Vernissage. Unter ihnen auch die SPD-Politikerin Susanne Kastner, die wie Andrea Thema aus Maroldsweisach kommt: "Die Galerie ist sehr schön. Die Farben wirken sehr lebendig. Das passt hier hinein", lobte sie die Galeristen und die Künstlerin.

Der Blickfang der Ausstellung ist das kinetische Objekt "Sophia", das gleich beim Betreten der Galerie am Stadtberg ins Auge fällt. Die Universumsscheibe besteht aus drei, sich unabhängig voneinander drehenden Segmenten. "Für Andrea Thema ist es der Blick ins Universum Mensch", stellte Daniela Uher dar. Es ist aber auch ihr Plädoyer für die gegenseitige Achtung und Akzeptanz des anderen und die damit verbundene Würde jedes einzelnen Menschen.

Andrea Thema und die Verantwortlichen der Xaver-Mayr-Galerie sind gespannt, was und wen die Ausstellung anlocken wird.

Die Sache mit dem Schleifpapier ist eine Technik, die derzeit wieder einen Aufschwung erlebt, bestätigte eine Besucherin.

Rückmeldung hat Andrea Thema dazu schon von Schulklassen bekommen: "In Bad Königshofen hat eine Lehrerin die Ausstellung besucht. Sie war so begeistert, dass sie danach mit ihrer Schulklasse ein Kunstprojekt mit Schleifpapier gemacht hat. Ein schönes Kompliment", empfindet Andrea Thema, die selbst als Fachlehrerin und Textilgestalterin an Schulen tätig war. Seit 1986 wirkt sie als freischaffende Künstlerin.


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