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Haßfurt
Inklusion

Mit Musik die Vorurteile weggeräumt

Langen Applaus und Zugabe-Rufe gab es für die Musicalgruppe der Lebenshilfe Haßberge im "Haus des Gastes" in Hofheim. Sie widmete sich in fünf verschiedenen Szenen Themen wie Toleranz und Mitgefühl.
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"Wenn ich einmal traurig bin, lache ich mir dir. Und wir spielen "Her und Hin", mit dem Clopapier". Viel Spaß beim Spielen hatten (von links) Schuldirektor Thomas, Dirigent Tim, Betreuerin Katharina Weidinger, Elena sowie Liedermacher Martin Scherer. Foto: Ralf Naumann
"Wenn ich einmal traurig bin, lache ich mir dir. Und wir spielen "Her und Hin", mit dem Clopapier". Viel Spaß beim Spielen hatten (von links) Schuldirektor Thomas, Dirigent Tim, Betreuerin Katharina Weidinger, Elena sowie Liedermacher Martin Scherer. Foto: Ralf Naumann
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Toleranz, Mitgefühl und Weitsicht: Sind diese Tugenden heute noch gültig? Werden sie praktiziert? Oder sind sie "out" und vom Aussterben bedroht? Jugendliche der Musicalgruppe des Bereiches "Offene Hilfen" der Lebenshilfe Haßberge gaben am Sonntagnachmittag auf diese und noch viele weitere Fragen viele tolle musikalische Antworten bei ihrem dritten Schulmusical. Die wichtigste war gleichzeitig der Titel des inklusiven Musical-Kreativprojekts des Unfindener Liedermachers Martin Scherer: "Wir haben's kapiert - sehr genau!"

Das war am Anfang der Aufführung mit ihren fünf verschiedenen Szenen im Hofheimer "Haus des Gastes" natürlich noch ganz anders. Während Luisa (Kraußer) und Theresa (Dietz) über das "Outfit" von Karin lästern, weil die angeblich "nur Markenklamotten" anhat, und dann zum Entschluss kommmen, "die schönsten können nur wir sein", hat Lucas (Kümmel) nichts besseres zu tun, als sie laut zu
erschrecken. Das lassen sich die beiden Freundinnen nicht gefallen und beschweren sich bei Schuldirektor Thomas (Reitz). "Alle sollen sich lieb haben", reagiert dieser aber so, wie von Luisa und Theresa befürchtet.

Kann "Orakel Futura" (Katharina Veith) in ihrer Sendung "Galaxie TV" Abhilfe schaffen? Mit Hilfe ihrer Glaskugel blickt sie jedenfalls ins geheimnisvolle Universum. "Universum aller Sterne, lasst mich sehen in die Ferne, wo, was hier die Nacht versiegelt, sich in eurem Lichte spiegelt. Hell wird schon, was niemand sah und ich ahne, was geschah. Auch was ist und bald geschieht, vernehmet es aus meinen Lied." Mit der zehn Euro teuren Antwort allerdings, "Alles, alles, alles verändert sich", können sie nichts anfangen. "Wie dumm kann man nur sein?", lacht Maik (Bäuerlein). "Für das Geld kaufe ich mir lieber was zu Essen. Da weiß ich, was ich habe."

Derweil wurde auch bewiesen, dass "ratschende" Männer am Fußballplatz nicht mit ratschenden Frauen zu vergleichen sind. "Das ist was anderes", macht jedenfalls Jonas (Kümmel) vor der Tanzstunde gegenüber Luisa (Dietz) deutlich. "Da geht's schließlich um Sport!". Was ganz wichtig ist, auch wenn es sich angeblich manchmal "ziemlich sinnlos" anhört. Egal: das Thema und die Meinungsverschiedenheit war schnell beendet, die Musik rückte wieder in den Vordergrund. Tango oder Walzer waren für die beiden nach dieser Diskussion jedoch nicht das richtige. Gefragt war vielmehr a "gescheiter" Rock'n' Roll.

In einer anderen Szene weigert sich Maik im Schulchor, dirigiert von Tim (Schanz) mitzusingen und stellt sich bei der Probe absichtlich an den Rand. "Mit denen sing ich net, die sind mir viel zu dumm", lästert er lautstark. Doch scheinbar hatte er schon negative Erlebnisse, was auch Elena (Vogel) bei ihren Vorwürfen gegenüber ihm ("Maik, du alter Motzkopf, sing doch mit") nicht weiß. "Jeder schaut nur auf sich und macht sich über die anderen lustig", sagt er.

Letztlich wurden alle Vorurteile aus dem Weg geräumt, sämtliche Meinungsverschiedenheiten geklärt und Streitereien friedlich gelöst - zumeist musikalisch mit tollen neuen Liedern aus der Feder von Martin Scherer. Sie gaben auch Antworten auf die von ihm am Anfang gestellten Fragen "Was ist gut, was ist schlecht? Was braucht Mut, wer hat Recht? Was ist Wert und was nützt, was verkehrt, was beschützt? Gibt's zu schwach und zu klein? Was ist Krach, was darf sein?"

Mit "Heut ist so ein Tag", "Wie findest du den Rock'n'Roll", "Singen macht froh" oder "Clopapier" sorgte der 57-Jährige sowie vor allem die Musicalgruppe, unterstützt von Jonas Kümmel (10) aus der Grundschule Sand und Luisa Dietz (14) aus der Mittelschule Hofheim, jedenfalls für einen ganz tollen Nachmittag, an dem eines deutlich wurde: Toleranz, Mitgefühl, Respekt und Weitsicht sind gottseidank noch weit verbreitet! Und nicht nur wegen des langanhaltenden Beifalls sowie der Zugabe-Rufe: Alle im Saal haben's kapiert - sehr genau!!!

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