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Haßfurt
Handwerk

Mit Klüpfel und Meißel

"Sprechende Steine", für den Friedhof geschaffen, erzählen Geschichte. So erinnert ein Grabmal in Haßfurt an den einstigen Zeiler Steinmetzbetrieb Niebling.
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Um 1931 entstand dieses Bild: der Zeiler Steinmetzmeister Balthasar Niebling ("Balzer") mit Söhnen und einem Mitarbeiter bei den Abschlussarbeiten des Grabmals "Biller" (links)  Foto: Archiv Heinrich Weisel
Um 1931 entstand dieses Bild: der Zeiler Steinmetzmeister Balthasar Niebling ("Balzer") mit Söhnen und einem Mitarbeiter bei den Abschlussarbeiten des Grabmals "Biller" (links) Foto: Archiv Heinrich Weisel
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Alte Inschriften, in Stein gemeißelt oder in Holz eingekerbt, geben oftmals Rätsel auf. Heimat- und Familienforschern, wie etwa dem Zeiler Heinrich Weisel, ist es zu verdanken, wenn es gelingt, diese Spuren der Vergangenheit auszulegen und ihre geschichtlichen Zusammenhänge zu erschließen.
Ein Beispiel dafür ist ein Grabmal aus schwarzem Granit der Haßfurter Familie Biller. Um 1931 wurde es vom Steinmetzbetrieb Niebling in Zeil gestaltet und auf dem alten Friedhof an der Haßfurter Ritterkapelle als Breitstein für die Doppelgrabstelle der Billers errichtet.


AltesBild schafft die Verbindung

Ein historisches Foto (um 1931) aus dem Privatarchiv Heinrich Weisels zeigt die Meisterwerkstatt der Nieblings in Zeil, wohl alle Mitarbeiter, und das gerade zum Abschluss gebrachte erwähnte Grabmal.
Ein Metallkreuz, Sinnbild für Leiden, Sterben und Auferstehung Christi bekrönt den Stein. Durch Gottes Hilfe, so will das Grabmal verdeutlichen, hoffen die Gläubigen Hinterbliebenen auf ein Weiterleben mit den Verstorbenen und auf ein Wiedersehen nach dem eigenen Tod. Eine Blumenranke teilt das Grabmal.

Heinrich Weisel kennt auch die abgebildeten Steinmetze. Zu sehen ist von links Mitarbeiter Franz Scheuring mit einem Stechzirkel als Messwerkzeug in der Rechten. Nicht zu übersehen mit einem Hut auf dem Kopf ist der Steinmetzmeister und Chef des Betriebes, Balthasar Niebling (1875 bis 1952), von den Zeiler Mitbürgern auch "Balzer"genannt . Als Autorität im Betrieb liefen bei ihm die Fäden zusammen. So hält er auf dem Bild vielleicht eine Planskizze in der linken Hand, während er sich an einen Holzständer des Daches anlehnt. Links steht Sohn Georg mit dem Holzklüpfel in der Hand; zur Rechten gestaltet Sohn Heinrich eine Grabinschrift. Da er mit einer Beinamputation aus dem zweiten Weltkrieg zurückkam, konnte er nur noch leichtere Bildhauerarbeiten ausführen.


In Granit gehauen

"Ruhestätte Familie Biller" und darunter die Lebensdaten des 1924 verstorbenen Anton Biller sind in den Granitstein gehauen. 1948 wurde seine Ehefrau hier bestattet. Sie waren die Urgroßeltern der heute in Haßfurt lebenden Nachkommen Leonhard Biller und Juliane Holzinger, geb. Biller, und wohnten mit ihren Kindern in der Unteren Vorstadt in Haßfurt. Sie lebten von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Gleichzeitig arbeitete Vater Anton in der benachbarten Brauerei Hiernickel.

Die später entstandenen Inschriften auf dem Grabsteins erinnern an die Großeltern der heutigen Billers, Leonhard und Julie Biller. Sie bauten in den Nachkriegsjahren Mühle und Sägewerk (heute Obere Mühle 1) weiter aus. Hier hat auch das Generationen-Grabmal seit etwa dem Jahr 1980 einen angemessenen Platz gefunden, nachdem die Ruhestätte im Alten Friedhof an der Ritterkapelle aufgelöst wurde.


Der Name Niebling

Nach den Feststellungen und Recherchen des Heimatforschers Heinrich Weisel trat der Name Niebling erstmals 1738 in Zeil auf. Ein Maurer Johann Georg Niebling aus Untererthal bei Hammelburg heiratete in der Zeiler Pfarrkirche. In seinem Heimatort gab es bereits 1627 einen Steinmetz, und 1664 waren es bereits fünf Familien Niebling. Drei der Familienväter waren ebenfalls Maurer und diese waren zu dieser Zeit gleichfalls als Steinmetze ausgebildet.

Die drei Bände des Zeiler Forschers "Die Zeiler Steinhauer im 17. und 18. Jahrhundert" geben einen Einblick in die Geschichte der Steinmetz- oder Steinhauerzunft in der näheren Heimat. Sie sind eine historische Fundgrube mit genauen Daten und Ereignissen einer Handwerksepoche.

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