Maroldsweisach
Flüchtlingskrise

Migrationswellen jeweils gut bewältigt

SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal animierte seien Zuhörer bei einer Diskussionsveranstaltung in Maroldsweisach zur Aufgeschlossenheit gegenüber den Neuankömmlingen. Frühere Bevölkerungswanderungen hätten das gesellschaftliche Leben bereichert.
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Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD). Foto: Barbara Herbst
Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD). Foto: Barbara Herbst
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"Die Flüchtlingskrise - schaffen wir das oder schafft sie unsere Bevölkerung" - Unter dieser Fragestellung hatte der SPD-Ortsverein Maroldsweisach am Freitag, 20.November, zu einem öffentlichen Diskussionsabend eingeladen.
Ortsvereinsvorsitzende Susanne Kastner konnte dazu die beiden Maroldsweisacher Bürgermeister begrüßen, Wolfram Thein, ebenfalls SPD, aber auch Harald Deringer, CSU. An der Diskussion beteiligten sich laut einem Bericht des SPD-Ortsvereins auch etliche Ehrenamtliche, die im Markt Maroldsweisach als Helfer zugewiesene Flüchtlinge betreuen. Kastners besonderer Gruß galt dem SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal, der aus Würzburg gekommen war. Die einstige Vizepräsidentin des Bundestags, Susanne Kastner, umriss die aktuelle Problematik der Flüchtlingskrise und merkte an, dass der Zustrom Fremder gerade im Blick auf die jüngsten Terrormeldungen aus Paris für Betroffenheit und Verunsicherung in der Bevölkerung sorge.


Einseitige Medienberichte

MdL Rosenthal begann sein Referat mit der Feststellung, dass an der Stimmung im Lande die "oft einseitigen Medienberichte" viel Anteil hätten: Eine gute Nachricht wird schnell langweilig, Horrormeldungen und Brandanschläge hingegen ließen sich erfolgreicher vermarkten. Tatsächlich aber gebe es sie mehrheitlich, die guten Erfahrungen und erfolgreichen Integrationsprojekte.
Als langjähriger Oberbürgermeister von Würzburg konnte Rosenthal aus eigener Anschauung berichten, wie in zwei Stadtteilen die Integration so gelungen sei, dass aus Ghettoregionen heute begehrte Wohnviertel geworden sind.
Der Landespolitiker stellte fest, dass die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ohne das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung nicht möglich sei. Gegenüber Fremden und Ungewohntem gebe es, wie er einräumte, immer zunächst Vorbehalte und Widerstände. Wo diese überwunden werden, so zeigte er sich überzeugt, gibt es Bereicherung und positive Entwicklung in der Gesellschaft.
Der Blick in die Vergangenheit zeige, dass es in der Bevölkerung immer schon Wanderbewegungen gegeben hat: Die Menschen seien aus ihren Heimatorten dort hingegangen, wo sie Arbeit für ihren Lebensunterhalt gefunden haben. Auch aus Bayern seien lange Zeit Menschen ins Ruhrgebiet gezogen, weil sie dort Arbeit fanden.
"Die zahlenmäßig höhere Zuwanderung aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Russlanddeutschen haben wir erfolgreich bewältigt", sagte Rosenthal. Die Anwerbung der sogenannten Gastarbeiter habe zu einer Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens geführt. "
Wer könnte sich heute die Gastronomie vorstellen, so fragte er, "ohne die Italiener, Griechen und so weiter? " Cappuccino, Pizza und italienisches Eis genössen die Menschen hierzulande ganz selbstverständlich überall, als seien sie schon immer hier üblich.


Sorge um soziale Standards

In der Diskussion wurden von Ängsten und Vorbehalten in der Bevölkerung berichtet. Man sorge sich, dass die finanziellen Belastungen durch die Aufnahme der Asylbewerber künftig den Staatshaushalt so belasten könnten, dass soziale Standards und der Erhalt der Infrastruktur vernachlässigt würden. Auch die Gefahr höherer Kriminalität und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wurden genannt.
Rosenthal verwies auf die Feststellung des Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU), dass sich bei den Asylanten keine höhere Kriminalitätsrate ergeben habe. Die oftmals geäußerte Angst vor der Begegnung mit Flüchtlingen ist aus seiner Sicht unbegründet.
Auf die Frage, ob jemand schon einmal konkret persönlich vor einem Flüchtling Angst hatte, wurde dies von allen verneint. Stattdessen wurde auf Medienberichte verwiesen, in denen solche Situationen geschildert wurden. Damit war die Debatte wieder dort angekommen, wo Georg Rosenthal seine Ausführungen begonnen hatte: bei der Neigung der Medien, Schreckensnachrichten zu transportieren.
Aus dem Helferkreis wurde die Einladung ausgesprochen, Flüchtlingsfamilien aufzusuchen und ihr Schicksal kennenzulernen. Zudem schilderten die Helfer Beispiele von entmutigendem Bürokratismus der Behörden. Auch die beiden Bürgermeister hatten, wie sie anmerkten, von Fehlentscheidungen und Organisationsmängeln erfahren, vertraten aber die Meinung, dass man aus solchen Fehlern lernen könne.
Insgesamt wurde festgestellt, dass man in Deutschland die Probleme um die Flüchtlingsfrage lösen und bewältigen könne. Dazu mache der Blick auf die positiven Erfahrungen aus der Vergangenheit Mut. hk




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