Haßfurt
Strafprozess

Messer macht Angst und Ärger

Eine missverständliche Geste brachte einen 42-jährigen Türken vor das Amtsgericht in Haßfurt. Der Beschuldigte hatte Glück.
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Symbolbild Foto: Ronald Rinklef
Symbolbild Foto: Ronald Rinklef
Was bedeutet es, wenn ein Türke sein aufgeklapptes Taschenmesser auf den Tisch legt? Ein 33-Jähriger und dessen Ehefrau fühlten sich durch diese Geste so bedroht, dass die Frau regelrecht panisch reagierte und nächtelang nicht schlafen konnte. Bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Haßfurt sah Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwalt in der Geste keinen bewussten Einschüchterungsversuch. Und Özalp muss es wissen, stammen seine Vorfahren doch aus der Türkei. Ohne Auflagen wurde das Verfahren wegen Nötigung gegen den 42-jährigen Angeklagten eingestellt.

Es war gegen 19 Uhr am 8. Oktober letzten Jahres, als der Beschuldigte, also der Türke, an die Haustür des deutschen Ehepaares klopfte. Da man einander kannte, ließ man ihn herein und die Männer setzten sich zusammen an den Küchentisch. Obwohl die beiden freundschaftlich verbunden waren, war an diesem Abend die Stimmung angespannt und gereizt.
Denn der Mann vom Bosporus fühlte sich von dem anderen Mann übers Ohr gehauen.

Im Kern ging es dabei um den Kauf eines gebrauchten Autos. Eineinhalb Jahre zuvor hatte nämlich der Deutsche dem befreundeten Türken einen Mercedes für 4150 Euro verkauft.

Doch die Freude über den Autokauf währte nur kurz, weil das Fahrzeug größere Mängel hatte, als der Käufer angenommen hatte. Der Wagen musste in die Werkstatt, wo die Einspritzdüsen erneuert wurden. "Eigentlich war der ganze Motorblock kaputt", stieß der Angeklagte erregt hervor. Tausende von Euros habe er in der Folgezeit in das Auto gesteckt.


Geld zurückgefordert

Diese Schäden, sprudelte er weiter, müssten dem ehemals befreundeten Verkäufer zum Zeitpunkt des Kaufs bekannt gewesen sein. Der Türke fühlte sich geprellt und war an dem nämlichen Abend zutiefst erbost. Als Ausgleich forderte er, von dem bezahlten Kaufpreis 2500 Euro zurück. Dabei legte er sein Taschenmesser auf den Küchentisch, wobei die Spitze der Klinge auf ihn selber zeigte.


Anders gemeint

Der Deutsche und seine Frau sahen darin einen Einschüchterungsversuch, mit dem der Türke seiner Forderung Nachdruck verleihen wollte. "Ich weiß ja nicht, was in seinem Kopf vorgeht", beschrieb der Deutsche seinen damaligen Gefühlszustand. Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft aber glaubte dem angeklagten Türken, dass die Messergeste ganz anders gemeint war. Ungefähr so wie: "Bei meiner Ehre" oder "Wenn du mir nicht glaubst, kannst du mich ja abstechen."

Teilweise in türkischer Sprache machte er dem Angeklagten klar, dass dieses Verhalten als Nötigung interpretiert werden kann: "Messer auf Tisch legen - in Türkei nix Problem, in Deutschland großes Problem!"
Da der Mann strafrechtlich über eine weiße Weste verfügt, stellte Amtsrichterin Ilona Conver das Verfahren ohne Auflagen ein. Damit hat sich der Einspruch des Mannes gegen den Strafbefehl gelohnt. Hätte er diesen widerspruchslos akzeptiert, wäre eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 20 Euro, also genau 1000 Euro, fällig gewesen.
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