Eyrichshof

Martina Schwarzmann bügelt keine Unterhosen

So begeisterte die Musikkabarettistin Martina Schwarzmann 1500 Fans im Eyrichshöfer Schloss mit ihrem Programm "Gscheid gfreid".
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Tochter Lawinia und Baron von Rotenhan bei der Begrüßung von Martina Schwrzmann.Foto: Ralf Kestel
Tochter Lawinia und Baron von Rotenhan bei der Begrüßung von Martina Schwrzmann.Foto: Ralf Kestel
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Kabarettisten gelten oftals potenzielle Weltverbesserer. Mit Witz und Hintersinn, mit Pointen und Parodien kämpfen sie gegen den Irrsinn. Das Wort ist ihre Waffe, auch wenn sie wissen, dass sie damit Korruption ebenso wenig aufhalten können wie Panzer oder heimtückische Drohnen. Manches Mitglied der Kabarettisten-Gilde wird deshalb zum Zyniker, genießt auf Kosten der Zuhörer das grausame, aber folgenlose Spiel mit der geschliffenen Pointe.


Der Traum vom kleinen Glück

Einige freilich wählen genau den anderen Weg - werden nicht zum Chef-Zyniker, sondern zum Botschafter der Hoffnung. Bei ihnen darf das Publikum nicht nur befreit lachen, sondern auch noch vom Glück träumen - zumindest so lange, bis die Scheinwerfer auf der Bühne erlöschen.

Dass die Hoffnung auf Glück inmitten einer Welt voller Katastrophenmeldungen dennoch keine naive Flucht sein muss - das beweist die Musikkabarettistin Martina Schwarzmann mit ihrem aktuellen Programm "Gscheid gfreid". So auch am Samstagabend im Schlosshof vor 1500 Zuhörern, einer bemerkenswerten Besucher-Schar, da Schwarzmann vorher schon Heldritt und Kulmbach aufgetreten ist.

Schon der Titel des Programms ist eine unmissverständliche Botschaft. Ihre Gitarre, ein Mikrofon - mehr braucht Martina Schwarzmann nicht, um ihr Publikum in Bann zu ziehen mit ihren Geschichten und Liedern, die scheinbar banale Szenen aus dem Alltag erzählen und dennoch nicht banal sind.

Denn genau in dem, was der Normalbürger so treibt in seinem Alltag zwischen Aufzucht des nervigen Nachwuchses und dem gelebten Alptraum namens Familienfeier erkennt Schwarzmann im Grunde genau die gleichen Gesetzmäßigkeiten, die auch auf der großen Bühne der Welt gelten.

Die Schlussfolgerungen aber, die Martina Schwarzmann aus diesen Beobachtungen zieht, sind das Entscheidende. Sie lässt sich einfach nicht in den Zynismus treiben - auch dann nicht, wenn sie eigentlich mal wieder am Rande des Nervenzusammenbruchs steht.

Mit entwaffnender Logik entdeckt sie in den kleinen Widrigkeiten des Alltags Erkenntnisse, mit denen sich die Welt verblüffend einfach erklären lässt.


Burschikoser Tonfall

Ihr gesamtes Programm ist eigentlich eine einzige Hymne auf das Leben - getarnt freilich mit burschikosem Tonfall. Wild entschlossen sucht sie auch im vermeintlichen Unglück, im Stress des Alltags eine positive Seite.

Einige Kostproben gefällig? Als Kabarettistin hat sie ihren Traumberuf ergriffen. "Drei, vier Auftritte im Monat und noch ein bisschen Zeitung austragen, des longt, dacht' ich. Und jetzt kumma so viel Leit, dass sogar die Stühl' ganz hinten besetzt sind", urteilte sie über den vollbesetzten Schlosshof, wobei Akustik und Verständlichkeit in den hinteren Reihen ob des Straßenlärms litten.

Zu ihrer Montur sagte sie, dass sie die Klamotten auf dem Flohmarkt erstanden hat. "Fesch is des, dass es so was auch nuch gibt", staunte eine Bekannte über des Kleidla aus den 70er Jahren. Wegen künftiger Einkäufe plädierte sie dafür, dass in Todesanzeigen Größe und Gewicht des Verstorbenen angegeben werden. "So findest die perfekten Klamotten."


Die lieben Verwandten

Hart ins Gericht ging sie mit ihren Verwandtschaft ("Manchmal mag ich's gar ned glaubn, dass wir den gleichen Ursprung habn."). Im Verwandtenkreis gibt's Leut, die seit zehn Jahren im Sterben liegen, es aber nicht durchziehen, oder solche Kniebohrer, die sich fragen, ob sich die Pille noch lohnt. "Bei drei Mol im Jahr."
Zu Beginn hatte Hermann Freiherr von Rotenhan begrüßt und Tochter Lawinia einen Blumemstrauß übergeben, weil seine Kinder immer gefragt hatten: "Papa, welcher Spaßvogel kommt denn heuer?"

Es war die Schwarzmann, die besser Lachmann hieße, da ihre Pointen saßen. In einem Punkt versteht sie aber keinen Spaß: Filmen mit Handy-Kameras mag sie gar nicht und verbot es strikt. "Das ist live und da sag' ich Sachen, die ich sonst nicht sagen darf. Außerdem will ich nicht, dass meine Kinder, das dann auf Youtube entdecken."

Noch eine Bemerkung dürfte einige der Zuhörer nachdenklich gestimmt haben. Vor Einbrecherbande, die am hellichten Wohnungen ausräumen, habe sie keine Angst. "Wenn die zu uns kimma, gehn die gleich wieder und sogn: Da warn scho welche doo", veräppelte sie sich selbst angesichts des häuslichen Chaos' daheim.
Denn Aufräumen lohnt erst nach Tagen. Die Erkenntnis der Hausfrau: Eine Salami, die unter den Tisch gefallen ist, hinterlässt beim Wegkehren eine Meter lange Fettspur. Lässt man sie ein paar Tage dort liegen, ist das nicht mehr der Fall.

Dass andere Frauen mit der Sauberkeit pingeliger sind, weiß die Oberbayerin aber schon. "Bei denen schaut's aus wie geleckt. Alles picobello. Und wenn sie nicht mehr wissen, was sie tun sollen, fangen sie mit dem Bügeln an - bügeln Unterhosen. "I hob gar ned gwusst, dass man Unterhosen bügeln koo!"

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