Wonfurt
Konflikt

Loacker-Lösung ist zum Greifen nah

Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" haben die erarbeitete Gütevereinbarung gebilligt. Auch die Gemeinde, das Landratsamt und die Firma stimmen wohl zu - das Ende der Auseinandersetzungen um das Recycling?
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Auf dem Gelände der Firma Loacker: Kabel- und Elektroschrott arbeitet die Firma auf, seit einiger Zeit wegen der Probleme nur noch Kabelschrott. Jetzt ist offenbar eine Lösung gefunden. Dazu gehört sicher, dass das offene Produktionsgebäude eingehaust wird.  Foto: Ulrike Langer /Archiv
Auf dem Gelände der Firma Loacker: Kabel- und Elektroschrott arbeitet die Firma auf, seit einiger Zeit wegen der Probleme nur noch Kabelschrott. Jetzt ist offenbar eine Lösung gefunden. Dazu gehört sicher, dass das offene Produktionsgebäude eingehaust wird. Foto: Ulrike Langer /Archiv
"Wir haben mehr erreicht, als wir gedacht haben." Peter Werner, der Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", freut sich. Er ist zufrieden mit dem Abschluss des von der Bürgerinitiative initiierten Mediationsverfahrens mit der Firma Loacker in Wonfurt, dem Landratsamt Haßberge und der Gemeinde Wonfurt. Angesichts des Erfolges, den die Bürgerinitiative in den drei Sitzungstagen unter der Moderation zweier Verwaltungsrichter aus Ansbach erzielt hat, stimmte auch die außerordentliche Mitgliederversammlung im Pfarrzentrum in Wonfurt am Mittwochabend der Vereinbarung einstimmig zu.

Das geschah in nichtöffentlicher Sitzung. Am Donnerstag informierte die Bürgerinitiative unsere Zeitung über das Zustandekommen der Gütevereinbarung, die als Ergebnis am Ende des Mediationsverfahrens steht und die die Mitglieder der Bürgerinitiative gebilligt haben.

Damit könnte das Problem um die Recyclingfirma Loacker in Wonfurt gelöst werden. Aus der Produktion des Unternehmens, das Kabel- und Elektroschrott aufarbeitet, austretende Schadstoffe hatten die Bürger verunsichert. Sie protestierten und fordern Verbesserungen des Betriebsablaufes, damit sie sicher sein können, dass ihre Gesundheit nicht gefährdet wird.


Anforderungskatalog

An der Mediation von Oktober 2013 bis Februar dieses Jahres hatten Peter Werner und Tom Reinhard zusammen mit dem Anwalt der Bürgerinitiative, Philipp Heinz, und Peter Gebhardt vom Umweltnetzwerk teilgenommen und einen detaillierten Anforderungskatalog an die Firma Loacker gestellt. In der nichtöffentlichen Versammlung am Mittwochabend präsentierten sie den gut 60 der insgesamt 600 Mitglieder den Vertragsentwurf aus der letzten Zusammenkunft am Tag vorher und beantworteten viele Fragen. Einzelheiten des Vertrags dürfe er nicht nennen, sagte Peter Werner gegenüber unserer Zeitung, um die Umsetzung nicht zu gefährden.

Doch gab er an, dass in dem 18-seitigen, eng bedruckten Vertrag in über 40 Einzelpositionen nicht nur festgeschrieben werde, dass der Betrieb der Firma Loacker künftig komplett eingehaust wird. Vielmehr enthält er auch Angaben darüber, wie sichergestellt werden soll, dass die Abluftreinigungsanlagen dauerhaft und zuverlässig funktionieren. Weiterhin geht es darum, bestmögliche Vorkehrungen zu treffen, dass gegebenenfalls schädliche Abfälle erst gar nicht in die Verarbeitung gelangen. Zudem gibt es Regelungen, die verhindern, dass Stäube oder Schadstoffe an den Absaug- und Abgasreinigungsanlagen vorbei in die Umgebung gelangen. "Wir haben manches erreicht und manches nicht erreicht. Doch mit der gefundenen Kompromisslösung sind wir ebenso wie unsere Mitglieder sehr zufrieden", sagte Peter Werner.

Weil insgesamt gegenüber dem Istzustand eine sehr deutliche Verbesserung zu erwarten sei, habe die Versammlung den Vertrag einstimmig gebilligt. Für ihn ist es wichtig gewesen, wie er sagte, dass die Mitglieder über ihren Lebensraum selbst entscheiden konnten. Wobei der Bürgerinitiative nicht nur Wonfurter, sondern auch Haßfurter und Wülflinger Bürger angehören. Die Kommunikation zwischen Loacker und der Bürgerinitiative bleibe auf jeden Fall auch in Zukunft erhalten, betonte Peter Werner.

Auch Bürgermeister Holger Baunacher (CSU) zeigte sich mit dem erzielten Ergebnis "sehr zufrieden". Denn alle der Gemeinde Wonfurt wichtigen Punkte seien behandelt und eine zufrieden-stellende Lösung für alle Beteiligten gefunden worden. Die geforderte Einhausung habe nie groß zur Debatte gestanden, dennoch habe man natürlich Kompromisse eingehen müssen. Wobei die Sicherheit der Bürger stets an erster Stelle gestanden habe. Der Gemeinderat werde am kommenden Montag in seiner nichtöffentlichen Sitzung dem Vertragsentwurf sicher zustimmen. "Ich hoffe, dass durch die Umsetzung wieder Ruhe in Wonfurt einkehrt", teilte Baunacher mit. Gleichzeitig sagte er: "Ich befürworte, dass die Firma Loacker in Wonfurt bleibt, wenn alle Auflagen künftig eingehalten werden."


Wie geht es weiter?

Das weitere Prozedere sieht so aus: Laut Peter Werner hat der Landrat Rudolf Handwerker seine Zustimmung signalisiert. Er selbst war gestern in seinem Amt nicht zu erreichen (Urlaub), und die Behörde gab keine Auskunft zum Thema. Vor Wochen jedoch hatte sich das Landratsamt schon zuversichtlich dahingehend geäußert, dass eine Lösung wahrscheinlich wird.

Auch Loacker stimmt zu. Wie Gerhard Nettinger, der Länderverantwortliche Deutschland der Loacker Recycling GmbH, Götzis (Österreich), mitteilte, wird die Firma Loacker die Mediationsvereinbarung unterschreiben, wenn nach der Bürgerinitiative auch die Gemeinde Wonfurt und das Landratsamt Haßberge dem Vertrag zugestimmt haben. "Ich habe selbst am Mediationsverfahren teilgenommen und stehe zu dem, was im Vertrag steht", teilte er telefonisch gestern mit. "Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, wäre aber noch zufriedener gewesen, wenn das Verfahren schneller hätte abgewickelt werden können." Er geht davon aus, dass die Einhausung des Betriebs und der Einbau der Absaugungsanlagen innerhalb von acht Monaten zu bewerkstelligen seien.

Wenn alle Parteien unterschrieben haben, wird das Landratsamt den Vertrag möglichst kurzfristig in einen Änderungsgenehmigungsbescheid für die Firma Loacker umsetzen. Das wird etwa sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen. Sobald dieser Änderungsbescheid erlassen wurde, hat die Firma Loacker gemäß dem Vertrag maximal acht Monate Zeit, die Maßnahmen, mit denen die Menschen und die Umwelt zukünftig besser geschützt werden sollen, baulich umzusetzen. Die Bürgerinitiative rechnet damit, dass dies bis Ende 2014 der Fall ist.


Die Geschichte der Auseinandersetzungen um die Recyclingfirma Loacker

Zwei Jahre schwelt nun schon der Konflikt um die Firma Loacker in Wonfurt. Vor zwei Jahren war das Problem öffentlich geworden. Bürger in Wonfurt beschwerten sich massiv, dass Staub, der offenbar mit Schadstoffen belastet ist, aus der Produktion der Recyclingfirma in die Umgebung gelangt ist. Die Wonfurter befürchteten gesundheitliche Auswirkungen.


Messungen und Interpretationen

Der Betrieb Loacker liegt am Ortsrand von Wonfurt (genau am Ortseingang aus Richtung Haßfurt). Er recycelt Elektro- und Kabelschrott. Mehrmals ist es im Betrieb zu kleineren Bränden gekommen, die das Problem verschärft haben.

Nach Bürgerprotesten gab es Messungen, die den Verdacht der schädlichen Emissionen zumindest teilweise bestätigt haben. Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde legte die Produktion still, kurz danach hob das Verwaltungsgericht in Würzburg die Anordnung aus Haßfurt auf. Die Produktion ging weiter, allerdings eingeschränkt. Elek-troschrott durfte nicht mehr aufgearbeitet werden, Kabelschrott jedoch weiterhin. Die Firma selbst bemühte sich um Verbesserungen im technischen Ablauf, die die Kritiker als unzureichend bezeichneten.
Es gab weitere Messungen, die teils unterschiedlich interpretiert wurden. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", die sich zwischenzeitlich gebildet hatte, organisierte Protestkundgebungen. Politiker aller Parteien schauten sich vor Ort um, darunter der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag, Christian Magerl (Grüne). Sie alle versprachen ihre Unterstützung.

Lösungsvorschläge wurden diskutiert. Wichtigster Ansatz: Der Betrieb, der zu einem großen Teil in der oberen Hälfte der Gebäude offen ist, muss eingehaust werden.


Mediation soll Lösung bringen

Um die Auseinandersetzung endgültig aus der Welt zu schaffen, entschieden sich die Konfliktparteien zu einem Mediationsverfahren. Daran beteiligt waren das Landratsamt Haßberge, die Firma Loacker, die Gemeinde Wonfurt, die Bürgerinitiative und natürlich der Mediator. Der kommt vom Verwaltungsgericht in Ansbach. Eigentlich ist das Verwaltungsgericht Würzburg für Wonfurt zuständig. Weil aber die Justiz in Würzburg keinen Mediator für solche Fälle hat, wurde Unterstützung aus Ansbach angefordert - und gewährt.

Das Mediationsverfahren lief seit Herbst 2013 hinter verschlossenen Türen. Nichts drang nach außen. Details wurden nicht veröffentlicht, und das ist auch der Sinn der Mediation: Die Beteiligten sollen sich einigen und nicht ihre Argumente über die Medien austauschen. Die Mediation scheint nun erfolgreich verlaufen zu sein. ks
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