Haßfurt
Kultur

"Leuchtturm" oder Kostenfalle?

Die Stadt Haßfurt kommt dem Vorhaben näher, ein Museum mit Werken des Künstlers Herman de Vries einzurichten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dieses Fachwerkgebäude mitten in Haßfurt soll das Kunsthaus werden. Der Stadtrat informierte sich über das ehrgeizige Vorhaben.  Foto: Klaus Schmitt
Dieses Fachwerkgebäude mitten in Haßfurt soll das Kunsthaus werden. Der Stadtrat informierte sich über das ehrgeizige Vorhaben. Foto: Klaus Schmitt
Es fiel noch keine Entscheidung, aber eine Vorentscheidung dürfte es schon gewesen sein: die Sitzung des Haßfurter Stadtrates am Mittwochabend in der Stadthalle. Das Gremium befasste sich mit dem Plan, im städtischen Gebäude an der Ecke Brücken-/Hauptstraße (genau gegenüber dem alten Rathaus) ein Kunsthaus einzurichten. Der Stadtrat fasste keinen Beschluss und es regten sich kritische Stimmen wegen der Kosten. Aber Widerstand gegen das Leuchtturmprojekt, wie es der Stadtrat Willibald Geuppert (FW) nannte, gibt es nicht.

Vor einiger Zeit hatte die Stadt das denkmalgeschützte Gebäude mitten in der Altstadt für rund 200 000 Euro gekauft. Der Stadt geht es darum, das aus dem Jahr 1570 stammende Haus, das das Stadtbild prägt, zu erhalten. Zunächst schienen alle Varianten für eine Nutzung möglich: öffentliche Verwendung, Geschäftshaus oder Wohnungen. Laut Bürgermeister Günther Werner (FW) kristallisierte sich mit der Zeit aber immer mehr heraus, dass nur eine öffentliche Nutzung in Frage kommt.


Mit Werken von Herman de Vries

Es entstand die Idee, ein Kunsthaus einzurichten. Ein Museum mit den Werken des im nahen Eschenau (Gemeinde Knetzgau) lebenden Künstlers Herman de Vries. Der hat internationale Bedeutung und würde seine Werke bereitstellen. Hermann de Vries "steht unserer Idee sehr offen gegenüber", erklärte Bürgermeister Werner dem Stadtrat und den zahlreichen Besuchern der öffentlichen Stadtratssitzung.

Um eine Ahnung zu bekommen, ob das Kunsthaus für Haßfurt realisierbar ist, gab der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Die Stadt verlangte ausdrücklich danach, dass es "eine objektive Studie" werden sollte, wie Günther Werner unterstrich. Die Machbarkeitsstudie fertigte das Büro Haas Consult in Wien an, und Claudia Haas stellte das Ergebnis ihrer Untersuchungen am Mittwochabend dem Stadtrat vor.


Bis zu 7000 Besucher jährlich

Sie nahm das Museumsprojekt selbst, die Stadt und ihr Umfeld unter die Lupe. Sie empfahl, das Projekt anzupacken. "Es wäre für Ihre Stadt eine ganz große Chance", lautete der entscheidende Satz in ihrer Darstellung. Sie geht, vorsichtig geschätzt, von 5000 bis 7000 Besuchern im Jahr aus. Den Wert der Vries-Schenkung beziffert sie auf gut eine Million Euro.

Und sie verband ihre Empfehlung mit einigen Auflagen, die die Stadt erfüllen sollte, wenn das Projekt ein Erfolg werden soll. Sie fordert eine professionelle Leitung für das Haus, ein professionelles Marketing und ein hochwertiges Programm und Sonderausstellungen als Begleitmaßnahmen. Was ein Kunsthaus für Haßfurt und den Landkreis Haßberge so besonders macht, ist laut Haas die regionale Komponente: "Die Werke haben einen starken Bezug zum Steigerwald und dem Landkreis Haßberge." Herman de Vries hat den Steigerwald immer wieder als sein Atelier bezeichnet.


Dringender Handlungsbedarf

Die jährlichen Betriebskosten hat Claudia Haas mit gut 400 000 Euro berechnet, wovon nach Abzug der Einkünfte etwa 350 000 Euro an der Stadt hängenbleiben würden. Die Investitionskosten für die Sanierung des Hauses gab sie mit knapp drei Millionen Euro an. Und eine weitere Million würde die Einrichtung kosten.

Die Zahlen decken sich mit den Angaben des Architekten Peter Gieseggi, der das Fachwerkgebäude im Herzen der Stadt untersucht hat. Seine Einschätzung: Es ist viel kaputt und das Haus muss generalsaniert werden. Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn wenn die Stadt zur Sicherung nichts unternimmt, verfällt es. Wasser dringt ein, und vor allem die "Giebelwände wandern". Aber es sei ein lohnendes Objekt, fasste er zusammen. Gieseggi bezeichnete das denkmalgeschützte Gebäude als "einen Hochkaräter" dank seiner Form, seines Standorts und seiner Bedeutung.

Klaus Reder, der Bezirksheimatpfleger für Unterfranken, machte den Haßfurtern Mut, sollten sie das Projekt angehen. Er lobte die Vorgehensweise und forderte Professionalität bei der Verwirklichung. Und er mahnte: "So ein Kunsthaus kann nur funktionieren, wenn Sie vernetzt arbeiten." Ein Selbstläufer werde es nicht, aber Haßfurt sei auf dem richtigen Weg. Er sicherte die Unterstützung des Bezirks und der unterfränkischen Kulturstiftung zu. Auch die Städtebauförderung und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern sind mit im Boot, wie deren Vertreter dem Stadtrat Haßfurt erklärten. Die Unterstützung lässt die Stadt hoffen, dass das Projekt machbar ist. Mit Kosten in dieser Höhe "hätten wir nicht gerechnet", bekannte Bürgermeister Günther Werner.


Bürgermeister hält Vorhaben für realisierbar

Aber dank der Förderung hält er das Vorhaben, das Strahlkraft für die Stadt, den Landkreis und die ganze Region haben soll, für realisierbar. Und er appellierte an die Haßfurter, vor allem an die Haßfurter Geschäftswelt, das Projekt wohlwollend zu begleiten. "Nur mit großer Unterstützung werden wir das Haus verwirklichen können", sagte er. Dabei denkt er weniger an die einmaligen rund vier Millionen Euro Investitionskosten, sondern mehr an die alljährlichen Betriebskosten.

Um die jährliche Belastung für die Stadt ging es in den meisten Fragen, die die Stadträte den Fachleuten stellten. Der Stadtrat Norbert Geier (CSU) beschrieb das Gehörte mit den Worten: "Wir müssen das erst einmal sacken lassen. Wenn wir das Kind in die Welt setzen, dann müssen wir es auch unterhalten."


Kommentar


Was darf die Kultur kosten?

Immer wieder tauchte in Haßfurt in den vergangenen Jahren die Frage auf, ob sich die Stadt ein solch reichhaltiges - und teures - Kulturprogramm leisten soll und kann. Petra Lettang vom Kulturamt der Stadt und die Stadt selbst verteidigten die Kulturausgaben. Petra Lettang, die wesentlich verantwortlich war für die vielen und sehr beachteten Angebote, steht mittlerweile nicht mehr im Dienst der Stadt, aber die Frage nach den Kosten für die Kultur bleibt. Sie kommt jetzt sogar verstärkt, denn das Kunsthaus, das Haßfurt schaffen will, ist ein Brocken. Die Investition würde vier Millionen Euro verschlingen und der Betrieb der Stadt jedes Jahr 350 000 Euro abverlangen. Nach den ersten Schätzungen. Kein Wunder, dass so mancher Stadtrat Bauchschmerzen hat angesichts dieser Gelder.

Dazu zwei Gedanken, die zum Teil auch in der Stadtratssitzung erwähnt worden sind. Sogenannte weiche Standortfaktoren wie etwa ein kulturelles Angebot sind heute auch für Firmen und vor allem für deren Mitarbeiter ein Argument für oder gegen eine Region. Die Kultur kann den Ausschlag geben, ob ein Unternehmen die passenden Mitarbeiter bekommt oder eben nicht.

Der zweite Gedanke: Was passiert, wenn Haßfurt das Kunsthaus nicht realisiert? Dann müsste sich die Stadt trotzdem mit dem Problem befassen, was mit dem denkmalgeschützten Haus, in dem zuletzt Geschäfte untergebracht waren, geschieht. Verfallen soll und darf es nicht. Und: Wenn Haßfurt die Vries-Werke nicht holt, dann tut es vielleicht eine andere Stadt. Vielleicht eine Metropole weit weg. Dann muss sich Haßfurt den Vorwurf gefallen lassen: Warum habt Ihr nicht das Werk eines Künstlers gesichert, der einen Bezug zu dieser Region (Steigerwald) hat? Klaus Schmitt
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren